Bauern erwarten nach trockenem Frühjahr keine Spitzenerträge

Juni-Regen rettet die Ernte im Kreis Hersfeld-Rotenburg, aber keine Spitzenerträge

Nach einem trockenen Frühjahr haben die Regenfälle Ende Juni die Landwirte vor massiven Ernteeinbußen bewahrt.

Die Landwirte im Kreis Hersfeld-Rotenburg rechnen 2020 mit einer durchschnittlichen Ernte. (Symbolbild)

Hersfeld-Rotenburg – Jörg Sch��fer aus dem Alheimer Ortsteil Niedergude, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg, rechnet allerdings mit keinen Spitzenerträgen, sondern geht eher von einer Durchschnittsernte „mit einigen Ausreißern nach unten“ aus. Für die durch Spätfröste ohnehin geschwächte Wintergerste, mit der die Getreideernte beginnt, sei der Regen meist zu spät gekommen. Später reifende Arten wie Triticale, Roggen, Weizen und Hafer hätten hingegen Wachstumsdefizite aufgeholt. Allerdings seien die Regenfälle und in der Folge auch die Erntemengen lokal in teilweise nur wenigen Kilometern sehr unterschiedlich ausgefallen, ergänzt Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin Anke Roß. Von Starkregen und Hagel sei der Landkreis glücklicherweise weitgehend verschont geblieben.

Auch auf den Wiesen und Weiden habe sich das trockene Frühjahr und der Juni Regegen bemerkbar gemacht: Bei der Grünfutterernte sei der erste Schnitt verglichen mit dem zweiten eher dürftig ausgefallen, berichtet Jörg Schäfer. Auch hier gebe es innerhalb des Kreisgebiets jedoch große Unterschiede. Das dritte trockene Jahr in Folge führe insgesamt dazu, dass die Rinderhalter ihre Futterreserven für den Winter nur unter erhöhtem Aufwand anlegen können: Geringere Erträge auf dem Grünland müssten beispielsweise durch Silage aus grün geernteten Getreidepflanzen ausgeglichen werden, erklärt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen sei für die Landwirte Fluch und Segen zugleich, verdeutlicht Anke Ross: Einerseits habe die restliche Getreideernte entspannt und ohne Verzögerung eingebracht werden können, andererseits leide das Grünland und nach der Ernte ausgesäte Zwischenfrüchte hätten schlechte Startbedingungen. Auch der Mais, der sich bislang gut entwickelt habe, könne neben der Wärme auch Feuchtigkeit vertragen, sind sich Roß und Schäfer einig.

Jörg Schäfer und Anke Roß bedanken sich ausdrücklich für das Verständnis, das der überwiegende Teil der Bevölkerung den Landwirten bei Lärm und Verkehrsbehinderungen durch Erntefahrzeuge entgegenbringe. In den meisten Dörfern sei das Verhältnis zwischen Bauern und den übrigen Einwohnern noch gut. Rücksicht auf beiden Seiten sei vor allem dort gefragt, wo sich, wie etwa in den Flusstälern, Radfahrer, Fußgänger und Landmaschinen dieselben Wege teilen.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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