„Zu den Menschen gehen“

Junge Blutspender fehlen: DRK fürchtet  demografischen Wandel

Die Blutspendedienste brauchen ständig Blutnachschub: Die Motivation und Gewinnung von neuen (Stamm-)Spendern ist deshalb ein Ziel der zuständigen DRK-Vertreter. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Hersfeld-Rotenburg -  Der demografische Wandel im Landkreis könnte auch mit Blick auf die Blutreserven zum Problem werden.

Sinkende Geburtenzahlen, steigende Lebenserwartung, und noch dazu Abwanderung in die Großstädte: 

Der demografische Wandel könnte auch mit Blick auf die Blutreserven zum Problem werden. „Spätestens in 20 Jahren hätten wir ein riesiges Problem“, fürchtet Udo Sauer, der als Repräsentant Spenderbindung und Spendergewinnung beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen für den Kreisteil Hersfeld zuständig ist. Sein Kollege Rolf Zarberg, der in gleicher Funktion den Kreisteil Rotenburg betreut, äußert sich mit Blick auf die Altersstruktur der Spender ähnlich: „Das wird uns in sechs bis sieben Jahren treffen, wenn wir nicht gegensteuern.“ 

Den größten Anteil machten im Landkreis zuletzt die Spender zwischen 45 Jahren und 64 Jahren aus. 22,22 Prozent betrug der Anteil der 45- bis 54-Jährigen im Bereich Hersfeld, 20,37 Prozent waren zwischen 55 und 64 Jahren alt. Im Rotenburger Gebiet waren es 30,62 Prozent bei den 45- bis 54-Jährigen und 23,99 Prozent zwischen 55 und 64 Jahren. Der Anteil der unter 25-Jährigen liegt in beiden Kreisteilen nur bei knapp über 11 Prozent. Noch viel weniger sind über 65. 

Vor allem junge Erstspender haben die Vertreter des Blutspendedienstes deshalb im Blick. So werde inzwischen zum Beispiel auch in Schulen verstärkt informiert, wenngleich Blutspenden nach wie vor erst ab 18 Jahren möglich ist. Mit dem Blutspenden verhalte es sich ähnlich wie bei der Organspende, weiß Rolf Zarberg. Die meisten Menschen hätten grundsätzlich nichts dagegen und wüssten um den Bedarf, tatsächlich etwas von ihrem Lebenssaft abgeben würden aber nur rund drei Prozent der Deutschen. „Genügend Spender zu gewinnen ist und bleibt eine Herausforderung“, betont Stefanie Fritzsche, Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen. 

Hintergrund: Mehr Termine und mehr Erstspender

In den vergangenen drei Jahren sind im Kreis Hersfeld-Rotenburg mehr Blutspendetermine angeboten worden und es konnten auch mehr Erstspender gewonnen werden. Die Gesamtzahl der Spender allerdings sank zuletzt. 66 Termine mit 6314 tatsächlichen Spenden waren es im Jahr 2016, 293 Erstspender wurden gezählt. Im Jahr 2017 waren es 70 Termine im Landkreis, 6411 Spenden wurden verzeichnet, davon 382 Erstspenden. 2018 wurden schließlich 72 Termine angeboten und insgesamt 6262 Blutspenden gezählt (440 Erstspender).

"Dahin gehen, wo die Menschen sind"

15 000 Blutspenden werden in Deutschland täglich für die Versorgung von Kranken und Verletzten benötigt, heißt es beim DRK-Blutspendedienst. 900 sind es in Hessen.

Zwar sei der Blutbedarf in den vergangenen Jahren leicht gesunken, wie Pressesprecherin Stefanie Fritzsche berichtet, in Zukunft könnte das allerdings wieder anders aussehen. „Denn der Anteil an Patienten mit einem hohen Alter oder mit komplexen chirurgischen Eingriffen wird in den Krankenhäusern in den nächsten Jahren stetig steigen“, so Fritzsche. „Und ebenso wird es natürlich weiter Notfallpatienten geben, bei denen die Transfusion von mehreren Fremdblutkonserven lebensrettend ist.“

Hinzu kommt, dass jedes Jahr Stammspender zum Beispiel aufgrund ihres Alters oder von Krankheit nicht mehr spenden dürfen. Mit Sorge betrachten die für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg zuständigen Werberefenrenten deshalb auch die aktuelle Altersstruktur der Spender und die prophezeite Bevölkerungsentwicklung.

Ab 18 Jahren und bis einen Tag vor dem 73. Geburtstag können Gesunde Blut spenden, Erstspender dürfen jedoch nicht älter als 64 sein und sollten mindestens 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Frauen können laut DRK bis zu viermal innerhalb von zwölf Monaten spenden, Männer bis zu sechsmal. 500 Milliliter werden abgenommen, die der Körper kurzfristig wieder ersetze.

„Wir leben von den Vereinen vor Ort“, sagt Udo Sauer, Repräsentant Spenderbindung und Spendergewinnung für den Kreisteil Hersfeld, mit Blick auf die Termine und die Spenderwerbung. Die meisten Menschen kämen immer noch dank Mund-zu-Mund-Propaganda, so Sauer. Der klassische Handzettel sei allerdings ebenfalls erfolgreich. Um junge Spender zu gewinnen, gehe man aber natürlich auch neue Wege. In den sozialen Medien ist das DRK aktiv, über eine eigene Blutspende-App können außerdem Termine reserviert werden.

„Wir gehen dorthin, wo die Menschen sind“, erklärt Stefanie Fritzsche. „In Unternehmen an den Arbeitsplatz, aber auch in Schulen, Berufsschulen und Universitäten.“ Diese Termine erfreuen sich laut Fritzsche einer sehr großen Resonanz. Dass gerade dabei auch viele Erstspender akquiriert werden, bestätigen die Statistiken. Im Kreis bietet zum Beispiel Amazon den Beschäftigten regelmäßig die Möglichkeit, am Arbeitsplatz Blut zu spenden.

Was für viele Jüngere übrigens noch interessant sein könnte: Nach Piercings und Tattoos müssen mindestens vier Monate bis zur Blutspende vergehen. „Denn wir schicken nur ungern jemanden weg“, betont Sauer. 

Die nächsten Termine 

Kreisteil Hersfeld: 

12. Februar: Bad Hersfeld, 15.45 - 19.45 Uhr, DRK-Zentrum am Seilerweg 

14. Februar: Obergeis, 15.45 - 19.45 Uhr, Mehrzweckhalle 

21. Februar: Kirchheim, 17.30 - 21 Uhr, Bürgerhaus 

12. März: Bad Hersfeld, 15.45 - 19.45 Uhr, DRK-Zentrum am Seilerweg

Kreisteil Rotenburg: 

13. Februar: Wildeck-Bosserode, 17 - 20 Uhr, DGH 

8. März: Bebra-Weiterode, 15.45 - 20 Uhr, Ellis Saal 

22. März: Bebra, 15.45 - 20 Uhr, Berufliche Schulen 

29. März:, Rotenburg, 16 - 20 Uhr, Bürgersaal 

(Änderungen vorbehalten). 

www.drk-blutspende.de

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