Austausch des Rotary Clubs

Jugendliche aus Brasilien und Bad Hersfeld  lernen Land und Kultur des anderen kennen

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Offen und tolerant: Imke und Andreas Leipold aus Bad Hersfeld haben für ein Jahr den Brasilianer Arthur (Mitte) zu Gast. Ihr Sohn Jakim ist für ein Jahr zu einem Schüleraustausch nach Brasilien aufgebrochen. 

Bad Hersfeld/Petrolina. Für ein ganzes Jahr ist Arthur Figueira Almeida Olivera aus Brasilien zu Gast bei Imke und Andreas Leipold aus Bad Hersfeld. 

Der 16-Jährige nimmt, genauso wie Leipolds Sohn Jakim, am Austauschprogramm des Rotary Clubs teil. Seit August sind die beiden Jungs im jeweils anderen Land unterwegs, lernen Kultur und Menschen kennen, gehen dort zur Schule und sind Teil einer neuen Familie.

In ausführlichen Berichten erläutert Jakim seine Eindrücke und Erlebnisse aus der neuen Heimat Petrolina in Brasilien. Aus der Sicht des Brasilianers Arthur sind die Eindrücke in Deutschland ähnlich ungewohnt und gewöhnungsbedürftig wie diese, mit denen Jakim in seinem Gastland konfrontiert wird.

Einen echten deutschen Kulturschock erlebte Arthur, als er mit dem Temperament der Deustchen in Berührung kam. Dieses sei ganz anders als das der Brasilianer. „In Brasilien habe ich 20 beste Freunde“, erzählt er. Hier seinen die Menschen weniger offen, es sei schwieriger, neue Freunde zu finden, so Arthurs Empfinden. Seine Gasteltern seien da zum Glück „anders als normale Deutsche“, findet er. „Man muss offen und tolerant sein, wenn man einen Austauschschüler aufnimmt“, sagt Imke Leipold.

Schnell sprach sich herum, dass Jakim Deutscher und neu im Land ist. Bereits am Flughafen wurde er mit Namen angesprochen. „Ich bin in der Stadt berühmt, weil ich der einzige Gringo (Mitteleuropäer) und Deutsche bin, so habe ich am ersten Tag zum Beispiel direkt 200 Instagram-Anfragen gehabt, was sehr seltsam war“, schreibt er in einer E-Mail an seine Eltern. Die Brasilianer seinen lebhafter, lauter und hätten mehr Ausstrahlung, schreibt Jakim außerdem.

Ähnliche Unterschiede stellt Arthur auch in der Schule fest. Gespräche im Unterricht laufen an der Modellschule Obersberg, wo er nun für ein Jahr zur Schule geht, deutlich ruhiger und gesitteter ab. In Brasilien, so erzählt er, hebt man kurz die Hand und fängt einfach an zu reden. Der 16-jährige Arthur lebt bereits seit über einem Jahr alleine in Vitoria da Conquista, einer größeren Stadt, in der es bessere Schulen gebe als in seiner Heimatstadt Brumado. „In Brasilien wird man früher erwachsen“, sagt er.

Fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat: Jakim Leipold (rechts) aus Bad Hersfeld lebt für ein Jahr in Petrolina, Brasilien. Foto:  Jakim Leipold/nh

Was Arthur an Deutschland gut findet, ist das in seinen Augen gut ausgebaute Zugnetz und die kurzen Wege. Freunde aus dem Austauschprogramm in Frankfurt zu besuchen, ist in seinen Augen ein Katzensprung. Für Besuche von Freunden oder Verwandten in Brasilien stehen regelmäßig Innlandflüge auf der Tagesordnung. Dimensionen, die auch für Gastmutter Imke Leipold nur schwer vorstellbar sind.

Gefallen findet Arthur auch an der osthessischen Feierkultur – während seines Aufenthalts hat er schon mehrere Kirmesveranstaltungen besucht. Gefeiert wird in Deutschland seiner Ansicht nach ganz anders, Unterschiede gibt es zum Beispiel beim Tanzen, meint Arthur. Vor allem aber das deutsche Bier schmeckt dem Jugendlichen gut.

In seinem Bericht schildert Jakim zudem, dass sich die beiden Länder im Hinblick auf den nationalen Zusammenhalt unterscheiden. Während ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl nur während der Fußball-Weltmeisterschaft besteht, herrsche dieses Gefühl in Brasilien bei jeder Veranstaltung. „Ich wollte mich eigentlich auf die Suche des eigenen Ichs begeben, habe aber ein „Wir“ als Antwort bekommen“, beschreibt Jakim seine Erfahrungen.

Genauso wie er fühlt sich auch Arthur in dem fremden Land wohl, nur an das Wohnen mit den Eltern unter einem Dach muss sich der junge Erwachsene erst wieder gewöhnen. Ansonsten gebe es nichts, was er an seiner Heimat auf Zeit auszusetzen hat. (lh) 

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