Hilfe für Kinder in Not

Hersfeld-Rotenburg: Jugendamt des Landkreises sucht Pflegeeltern

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Der Landkreis sucht Pflegeeltern. 

Am Sonntag ist Muttertag. Doch nicht alle Kinder haben liebende Mütter und Väter. Das Jugendamt sucht deshalb dringend nach Pflegefamilien. Der Bedarf steigt bundesweit. 

Hersfeld-Rotenburg – Das Jugendamt des Landkreises ist auf der Suche nach Menschen, die die Pflege eines Kindes übernehmen wollen. „Wir haben Not an Pflegeeltern“, sagt Sozialdezernentin Elke Künholz.

Wenn das Wohl eines Kindes gefährdet ist, nimmt das Jugendamt es in seine Obhut und vermittelt es an Pflegefamilien. Dass der Bedarf steigt, wurde kürzlich bei einer Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag deutlich: Laut der Bundesregierung waren 2017 81 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland bei Pflegefamilien untergebracht, was eine Steigerung von 35 Prozent in zehn Jahren bedeutet. 

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg lässt sich diese Steigerung zwar nicht feststellen – laut Künholz sind derzeit 95 Kinder betroffen, 2009 waren es 120. Aber: „Dass es da zu Schwankungen kommt, ist ganz normal. Es lässt sich auch bei uns beobachten: Die Sensibilität beim Thema Kindeswohlgefährdung hat zugenommen.“

Missbrauchsfälle rütteln auf

Dazu haben laut der Sozialdezernentin vor allem die zahlreichen in den vergangenen Jahren überregional bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch geführt.

Bei den betroffenen leiblichen Eltern spiele Armut fast immer eine Rolle. In Deutschland kommen 78 Prozent der Pflegekinder aus Familien, die Transferleistungen (meistens Hartz IV) beziehen und 55 Prozent sind Kinder von Alleinerziehenden. Diese beiden Faktoren spielen im Landkreis zwar auch eine Rolle, aber keine so große wie auf Bundesebene, betont Künholz.

Das Jugendamt benötigt dabei mehr potenzielle Pflegeeltern als Kinder – denn die Chemie muss stimmen. Deswegen wird nach einer Inobhutnahme auch nicht sofort eine Pflegefamilie ausgewählt. Zunächst kommen die Kinder übergangsweise in eine Bereitschaftspflegestelle. Dann können interessierte Pflegeeltern das Kind kennenlernen. Die sind in aller Regel unter vier Jahre, maximal aber acht Jahre alt.

Kinder bleiben im Schnitt zwei Jahre

Kinder bleiben durchschnittlich zweieinhalb Jahre in Pflegefamilien. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Linken-Fraktion hervor. In seltenen Fällen werden die Kinder schließlich von ihren Pflegeeltern adoptiert. Häufiger kommt es vor, dass die Kinder bis zur Volljährigkeit in der Familie bleiben, die dafür vom Staat Unterhalt bekommt. 

Über eine Rückführung zu den leiblichen Eltern entscheidet das Gericht – eine starke Verwurzelung des Kindes in seiner Pflegefamilie macht eine Rückführung schwierig. 

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