Der Hessentag brachte die Wende

Jürgen Gleitsmann leitet die Autobahnpolizeistation Bad Hersfeld

Achtung, Polizei: Ohne Dienstwagen wäre die Autobahnpolizei aufgeschmissen. Jürgen Gleitsmann sitzt als Leiter der Autobahnpolizeistation Bad Hersfeld allerdings nur noch selten selbst hinterm Steuer – und zur Arbeit fährt er jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Rad.
+
Achtung, Polizei: Ohne Dienstwagen wäre die Autobahnpolizei aufgeschmissen. Jürgen Gleitsmann sitzt als Leiter der Autobahnpolizeistation Bad Hersfeld allerdings nur noch selten selbst hinterm Steuer – und zur Arbeit fährt er jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Rad.

Jürgen Gleitsmann kam erstmals 1995 zur Polizeiautobahnstation Bad Hersfeld. An den ersten Verkehrstoten im Dienst – ein Kollege, der privat zu schnell unterwegs war – erinnert er sich immer noch.

Bad Hersfeld – Und auch den schweren Busunfall bei Kirchheim mit fünf Toten kurz vor Silvester 2014/2015 wird Jürgen Gleitsmann wohl nie vergessen. Seinen Humor hat der 53-Jährige bisher trotzdem nicht verloren. Der Neukirchener leitet die Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste beim Polizeipräsidium Osthessen und damit auch die Polizeiautobahnstationen Bad Hersfeld und Petersberg.

Zur hessischen Polizei kam Gleitsmann kurz nach der innerdeutschen Grenzöffnung eher zufällig. „Ich war einer der ersten von „Drüben“ bei der hessischen Polizei“, sagt er selbst schmunzelnd. Wenn der 53-Jährige an die Zeit der Wende denkt, bekommt er heute noch Gänsehaut. Mit seiner Offiziersausbildung konnte Gleitsmann schon kurze Zeit später nichts mehr anfangen, da traf es sich gut, dass ein Kollege aus Erfurt den Hessentag in Fulda besucht und von dort zwei Anmeldebögen der Polizei mitgenommen hatte, von denen einen nun Gleitsmann ausfüllte.

Nach bestandenem Aufnahmetest stand dem Neubeginn im Herbst 1990 nichts mehr im Wege. „Ich habe sozusagen freitags als Kommissar aufgehört und montags als Polizeihauptwachtmeisteranwärter begonnen“, erklärt er und lacht. Die erste Fahrt zur neuen Dienststelle in Kassel ist Gleitsmann aber auch noch aus einem anderen Grund gut in Erinnerung: „Ich wurde geblitzt und musste 20 DM zahlen. Aber die waren es wert.“ Vor allem die Sicherheit eines Beamtenverhältnisses erschien ihm damals verlockend, zumal das erste Kind bereits geboren war.

Nach verschiedenen Ausbildungs- und Dienststellen sei er „beim Verkehr hängen geblieben“. 200 Autobahnkilometer auf der A 4, A 5, A 7 und A 66 gehören zum Zuständigkeitsbereich „seiner“ beiden Polizeiautobahnstationen, Unfallaufnahmen, Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen sowie Kontrollen zum täglichen Geschäft des Teams.

„Man denkt oft, man hat schon alles gesehen, aber es gibt doch immer wieder Überraschungen“, berichtet der Stationsleiter etwa mit Blick auf die vielen Transporter, die die Kollegen regelmäßig aus dem Verkehr ziehen, weil sie in desolatem Zustand, falsch beladen oder überladen sind. Was Gleitsmann ärgert, sind vor allem uneinsichtige Wiederholungstäter.

Selbst ist der 53-Jährige eigentlich nicht mehr auf der Autobahn unterwegs, eine seiner Hauptaufgaben ist die Personalplanung und -entwicklung. 65 Mitarbeiter hat die Bad Hersfelder Station, 30 die Petersberger. Um coronabedingte Ausfälle zu kompensieren, musste der Chef aber erst kürzlich am Wachtisch und im Streifenwagen nochmal ran.

Wenn es um die Aufgaben der Autobahnpolizei geht, erinnert sich Gleitsmann gern an ein Zitat von Regierungspräsident Walter Lübcke: „Wir wollen Verstöße nicht nur feststellen, sondern auch abstellen.“ Absolut gelohnt habe sich in diesem Sinne die Anschaffung des inzwischen bekannten Messanhängers, der seit 2017 regelmäßig an der A 7 und A 4 steht – nicht, um Geld in die Kasse zu spülen, sondern um Unfälle zu verhindern, wie der Stationsleiter betont. Er hatte sich damals persönlich für die Anschaffung eingesetzt.

Zudem gelte es, neue „Phänomene“ im Blick zu haben, so habe die Arbeitsgruppe „Kasten“ beispielsweise speziell Kleintransporter und deren Fahrer im Blick.

Der Karnevalist in Gleitsmann kommt beim Verfassen so mancher Pressemitteilung durch, „ein bisschen Würze“ könne schließlich nicht schaden, um eine Botschaft zu vermitteln, meint er. Ebenso wenig kann er den ehemaligen Fußballer in sich verbergen: „Wenn der Ball auf dem Elfmeterpunkt liegt, schieße ich ihn auch rein.“

Zur Person

Jürgen Gleitsmann (53) lebt seit nunmehr 25 Jahren im Haunetaler Ortsteil Neukirchen, kommt aber ursprünglich aus Schmölln in Thüringen. Dort absolvierte er kurz vor der Wende als NVA-Soldat die Offiziersschule. Im Herbst 1990 verschlug es ihn zur hessischen Polizei, wo er noch einmal bei Null anfing. Unter anderem war er anschließend in Kassel, Offenbach und Fulda eingesetzt. Zur Polizeiautobahnstation Bad Hersfeld kam er erstmals 1995. 1998 schloss sich das Studium zum gehobenen Polizeidienst an.
2000 kehrte er zur Autobahnpolizei zurück, bevor er von 2003 bis 2014 Verkehrsreferent beim Polizeipräsidium Osthessen in Fulda war. 2014 kam er als stellvertretender Leiter zur Polizeiautobahnstation Bad Hersfeld zurück, am 1. Juli 2019 übernahm er die Leitung. Jürgen Gleitsmann ist verheiratet, er hat drei Kinder und ein Enkelkind. In seiner Freizeit engagiert er sich für den Haunetaler Karneval. Er ist Mitglied des Elferrats beim FC 09 Neukirchen. (nm/rey)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare