Jeder braucht eine Aufgabe

Förderverein der Klinik für Psychiatrie hat sich aufgelöst

Immer wieder hat der Förderverein der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie auf seine Anliegen aufmerksam gemacht, auch in der Hoffnung, dadurch neue Mitglieder gewinnen zu können. Unser Bild zeigt die Vorstandsmitglieder Anja Heesch (links) und Evelin Standke mit ihrem Infostand bei einem Behindertentag.
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Immer wieder hat der Förderverein der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie auf seine Anliegen aufmerksam gemacht, auch in der Hoffnung, dadurch neue Mitglieder gewinnen zu können. Unser Bild zeigt die Vorstandsmitglieder Anja Heesch (links) und Evelin Standke mit ihrem Infostand bei einem Behindertentag.

Weil es nicht mehr genügend Mitglieder gibt, hat sich der Förderverein der Klinik für Psychiatrie und Psychologie am Klinikum Bad Hersfeld aufgelöst.

Hersfeld-Rotenburg – Menschen helfen, die sich nicht selbst helfen können, oder zumindest dazu beitragen, ihnen das Leben zu erleichtern, dieser Aufgabe hat sich der Förderverein der Klinik für Psychiatrie und Psychologie am Klinikum Bad Hersfeld in den vergangenen Jahren mit großem Engagement gewidmet. Jetzt musste sich der Verein wegen Mitgliedermangels auflösen.

Es waren überwiegend Mitarbeiter der Klinik und Angehörige, die die Not vieler Patienten erkannt und deshalb einen Förderverein gegründet hatten, um schnell und unbürokratisch helfen zu können, erzählt Dr. Falko Seegel, ehemals Arzt an der Klinik. „Jeder braucht eine Aufgabe“, sagt er. Doch nach der Entlassung aus der Klinik fehle es bei vielen Menschen oft am Nötigsten. So hat der Verein zum Beispiel Bus- oder Bahnfahrkarten finanziert, damit ehemalige Patienten ihren Praktikumsplatz in einer Werkstatt erreichen konnten. Einem leidenschaftlichen Fotografen finanzierte der Verein eine gute Spiegelreflexkamera, mit der er nun faszinierende Naturaufnahmen anfertigt, die er auch in Ausstellungen zeigt oder in unserer Zeitung veröffentlicht.

Manche Patienten sind, wenn sie in die Klinik kommen, schon länger nicht mehr in der Lage gewesen, auf sich zu achten. Ihnen hat der Verein mit neuer oder gebrauchter Kleidung geholfen. Brillen oder andere Hilfsmittel wurden ebenso finanziert wie ein Instrument, ein gewünschter Volkshochschulkurs oder der Eintritt ins Schwimmbad. Der Verein hat Ausflüge organisiert und zu Ostern und Weihnachten kleine Päckchen für die Patienten gepackt, erzählt Evelin Standke. Sie war im Förderverein für die Finanzen zuständig und hat sich auch um die Spendenakquise gekümmert.

Im Jahr 2007 wurde der Förderverein gegründet und nach einer ersten Flaute im Jahr 2012 wiederbelebt. Wichtig sei immer der enge Kontakt mit der Klinik gewesen, betont die letzte Vorsitzende Anja Heesch. Dort hätten die Vereinsmitglieder selbst gesehen, wo Hilfe nötig war oder hätten von Kollegen angesprochen werden können, bestätigt Falko Seegel.

Da inzwischen jedoch die meisten Aktiven die Klinik verlassen hätten, sei dieser Kontakt nicht mehr gegeben gewesen. „Zuletzt wussten die Pflegekräfte nicht einmal, dass es auf den Stationen eine Handkasse gab, aus der kleinere Unterstützungen möglich waren und die vom Verein unkompliziert und unbürokratisch bei Bedarf wieder aufgefüllt wurde“, bedauert Evelin Standke. Die letzte größere Aktion des Vereins war die Beschaffung eines Kickers für die Station.

Trotz Öffentlichkeitsarbeit und Werbeaktionen sei es nicht gelungen, neue aktive Mitglieder zu werben, berichtet Heesch. „Zuletzt waren wir nur noch vier Aktive im Vorstand“, sagt sie. Ebenso wie ihre Mitstreiter Falko Seegel, Evelin Standke und Dieter Herter ist sie traurig, dass der Verein nun aufgelöst werden musste. „Das war eine sinnvolle Zeit“ ist Standke überzeugt. Das restliche Geld soll an Vereine gespendet werden, die sich um psychisch Kranke kümmern. (Christine Zacharias)

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