Oldtimerserie Alte Schätzchen

Italienische Lebenslust: Helmut Bechtel aus Bad Hersfeld hat eine Zündapp „Bella“ von 1956

Helmut Bechtel und sein Fuhrpark: Neben der Zündapp Bella (vorn) hat der gelernte Kfz-Mechaniker noch zehn andere alte Motorräder und auch einen Fiat 500 von 1972 in unzähligen Stunden eigenhändig aufgemöbelt. Das Foto zeigt nur einige seiner „Schätzchen“.
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Helmut Bechtel und sein Fuhrpark: Neben der Zündapp Bella (vorn) hat der gelernte Kfz-Mechaniker noch zehn andere alte Motorräder und auch einen Fiat 500 von 1972 in unzähligen Stunden eigenhändig aufgemöbelt. Das Foto zeigt nur einige seiner „Schätzchen“. Mehr Bilder auf hersfelder-zeitung.de.

In unserer Serie stellen wir Schrauber aus dem Landkreis und ihre Oldtimer vor. Heute: Helmut Bechtel aus Bad Hersfeld hat einen Motorroller von Typ Zündapp Bella restauriert.

Bad Hersfeld – Die „Bella“ trägt ihren Namen zurecht. Mit ihren sanften Rundungen ist sie eine Schönheit. Die 64 Jahre sieht man ihr nicht an. Dafür weckt die „lido-grüne“ Lackierung Urlaubserinnerungen an das warme Wasser der italienischen Adria. Eigentlich möchte man sofort aufsteigen und losfahren – am besten mit Sophia Loren im wallenden Petticoat auf dem Sozius. Bella Italia und die Zündapp Bella – der Stoff, aus dem die deutschen Nachkriegsträume sind.

Hier gibt es viele weitere Fotos von der Zündapp Bella.

Auch Helmut Bechtel hat eine emotionale Verbindung zu dem alten Motorroller. Der heute 82-jährige gelernte Zweirad- und Kfz-Mechaniker hatte 1956 gerade seine Ausbildung bei EB Schmid in der Klausstraße begonnen, als die Bella auf den Markt kam. Der Motorroller war die deutsche Antwort der Nürnberger Motorradschmiede auf die beliebten italienischen Roller und weltweit erfolgreich.

Motorradfahren verlernt man nicht: Helmut Bechtel sitzt auch mit 82 Jahren fest im Sattel.

Die Leidenschaft für Motorräder wurde Bechtel quasi in die Wiege gelegt. Schon bevor er laufen konnte, saß er als Einjähriger bei seinem Vater auf dem Sozius einer DKW-500 und war zeitlebens von Motorsportvirus befallen. „Das war immer mein Feeling“, sagt er heute. In seiner Doppelgarage zeugen die Siegerkränze von seinen Erfolgen bei Motorradrennen in ganz Deutschland und dem europäischen Ausland.

Beim Motorsportclub Bad Hersfeld ist er von Anfang an dabei und ein geschätztes Mitglied. Denn als Kfz-Mechaniker, der das Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft mit aufgebaut hat, verbindet Bechtel Leidenschaft und Fachkompetenz. Beides war nötig, als ein Freund von ihm vor fünf Jahren die „Bella“ bei einer Wohnungsauflösung in Fritzlar entdeckte. „Sie war in erbärmlichen Zustand, eigentlich nur noch Schrott“.

Nur echt mit Blume: Der Typenname.

Trotzdem kaufte Bechtel für 50 Euro seine Jugendliebe und steckte danach zwei Jahre lang „jede freie Minute“ und rund 1500 Euro für Ersatzteile in den alten Motorroller. Jetzt erstrahlt „Bella“ wieder in alter Schönheit und selbst die neckische Butterblume mit dem Namenszug auf der Verkleidung wirkt wie aufgeblüht. Der kleine Koffer auf dem Gepäckträger wirft bei Nachgeborenen allerdings Fragen auf, wie die Eltern und Großeltern mit diesem Gefährt und Gepäck zum Camping über den Brenner gerollt sein wollen.

Die Zündapp Bella ist nur eines von zehn alten Motorrädern, die Helmut Bechtel genauso wie einen alten Fiat 500 von 1972 restauriert hat. Wie viel Geld er über all die Jahre in sein Hobby investiert hat, weiß er nicht. „Das ist einiges, aber dafür habe ich immer bescheiden gelebt, nicht getrunken und geraucht“, schmunzelt er. „Und meine Frau hat mich immer unterstützt“, betont er. Früher sind die beiden mit einem zum Motorradtransporter umgebauten Wohnwagen von Rennen zu Rennen gefahren. Auch seine Tochter ist Trial-Rennen gefahren.

Und der Motorsport hält offenbar jung. Mit seinen 82 Jahren sitzt Helmut Bechtel noch regelmäßig auf der bequemen Sitzbank seiner Zündapp Bella und dreht seine Runden. Denn: „Motorradfahren verlernt man nicht.“

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