Wagyu-Rinder

Luxus-Fleisch aus Bad Hersfeld: Paar züchtet japanische Rinder

Das Bild zeigt Isabel Lenz und Thiemo Bohl mit vier ihrer Wagyu-Rinder, darunter ein Kälbchen.
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Mittlerweile zählt ihre Herde zwölf Tiere: Isabel Lenz und Thiemo Bohl aus Asbach züchten Wagyu-Rinder. Im Frühjahr 2019 kauften sie die ersten Tiere.

Isabel Lenz und Thiemo Bohl züchten in Asbach japanische Wagyu-Rinder. Zwölf Exemplare zählen inzwischen zu ihrer Herde.

Asbach – Ihr ruhiges Gemüt, das gesunde Fleisch und der Wunsch, etwas Neues zu wagen. Es waren diese und weitere Faktoren, die Isabel Lenz und Thiemo Bohl dazu bewegt haben, mit der Zucht von Wagyu-Rindern zu beginnen. Im Frühjahr 2019 kauften sie die ersten drei Tiere von einem Züchter aus München, mittlerweile zählt ihre Herde zwölf Exemplare der japanischen Rinderrasse.

Die beiden sind mit Landwirtschaft aufgewachsen, das Paar lebt gemeinsam auf dem Generationenhof der Familie Lenz in Asbach. „Für uns stand von Anfang an fest, dass wir mit der Landwirtschaft weitermachen wollen, nur das Wie war noch nicht geklärt“, erzählen die Nachwuchslandwirte.

Bohl interessierte sich schon seit längerer Zeit für die besondere Rasse aus Asien. „Ich dachte zuerst, das ist ein Schnapsidee“, gibt Lenz zu. Nachdem sich aber beide intensiv mit Rasse, Fleisch und Haltung beschäftigt hatten, entschieden sie sich, den Schritt zu wagen. Und sie verfolgen ein ganz bestimmtes Ziel: „Wir wollen etwas in der Landwirtschaft verändern“, sagt der gelernte Landwirt.

So wollen sie sich weder von der Politik, noch vom Markt in eine Ecke treiben lassen. „Wir wollen zurück zu den Ursprüngen. Regionalität ist uns sehr wichtig“, betonen die jungen Landwirte.

Acht bis neun Monate stehen die Tiere auf der Weide, im Sommer fressen sie nur Gras. In den Wintermonaten werden die Wagyus in Laufställen auf Stroh gehalten und mit Heu, Silage und Getreideschrot gefüttert, das die Familie Lenz selbst anbaut. Außerdem setzen sie auf Mutterkuhhaltung, was bedeutet, dass die Kälber in der Regel acht Monate bei ihren Müttern aufwachsen und in dieser Zeit auch von ihnen gesäugt werden.

Das Paar betreibt konventionelle Landwirtschaft, setzt aber auf eine weniger intensive, dafür nachhaltige Bewirtschaftung seiner Flächen. Mit der Zucht der japanischen Rinder stehen sie aber noch ganz am Anfang.

Frühestens in zwei Jahren kann das erste Tier geschlachtet werden, denn Wagyus wachsen langsamer und so dauert es auch länger, bis das Fleisch die gewünschte Qualität erreicht hat. „Der nächste Schritt ist dann die Vermarktung. „Was das angeht, fangen wir beide bei Null an“, berichtet die 24-Jährige.

Genauso wie Futter und Schlachtung soll auch das Fleisch regional an die Käufer gebracht werden. „Wir wollen den Fokus auf das Tier lenken und die Verbraucher sensibilisieren“, sagt der 26-Jährige. „Wenn man regional kauft, tut man zudem etwas für den Klimaschutz“, merkt die Diplom-Finanzwirtin an.

Für ein Kilo Fleisch zahlt man im Durchschnitt 100 Euro. Der teure Preis komme vor allem auch dadurch zustande, dass die Tiere erst im Alter von 48 Monaten geschlachtet werden –  andere Rassen haben bereits nach 18 Monaten das gewünschte Gewicht erreicht. „Das ist auch nichts, was man jeden zweiten Tag isst“, sagt Lenz, die dafür plädiert, lieber weniger, dafür hochwertigeres Fleisch zu essen.

Andere Landwirte aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, die diese Rasse ebenfalls halten, sind den beiden nicht bekannt, und auch auf nationaler Ebene gebe es nur wenige, die sich auf die Zucht von Wagyus spezialisiert haben, sagen sie.

Unter dem Namen „Wagyu Ranch Waldhessen“ sind die Landwirte auch auf Facebook und Instagram aktiv. Auf ihren Kanälen informieren sie über ihre Tiere, artgerechte Haltung und Zucht. Wie groß die Herde in Zukunft noch wird, hänge auch davon ab, wie das Fleisch bei den Verbrauchern ankommt, erklären Lenz und Bohl, die optimistisch in die Zukunft blicken. (Laura Hellwig)

Die japanische Rinderrasse Wagyu

Wagyu-Rinder, auch bekannt als Kobe-Rinder, stammen aus Japan. Die Bezeichnung „Kobe“ ist jedoch nur zulässig, wenn die Tiere in der Region Kobe in Japan geboren wurden, dort aufgewachsen sind und geschlachtet wurden. Die Besonderheit ist, dass die Fettstränge im Muskelfleisch verteilt sind. Zudem hat das Fett eine niedrige Schmelztemperatur. Dadurch wird das Fleisch bei der Zubereitung besonders saftig und entwickelt einen charakteristischen Geschmack. Das Fleisch gilt als besonders gesund – es ist arm an Cholesterin, dafür reich an ungesättigten Fettsäuren. Im Durchschnitt bezahlt man für ein Kilo Fleisch etwa 100 Euro.

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