Zwischen den Zeilen

Intrigantenstadl hinter der Festspielbühne

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Karl Schönholtz

Hinter der Bühne der Bad Hersfelder Festspiele geht das Theater in diesen Tagen offenbar weiter, gespielt wird der Intrigantenstadl.

Denn passend zu den „Bösen Gerüchten“, über die mein Kollege Kai Struthoff vor Kurzem an dieser Stelle geschrieben hat, wird von gewissen Leuten mit Vehemenz an einer Rückkehr von Dieter Wedel gearbeitet. Wenn nicht als Intendant, dann wenigstens als Autor und Regisseur, notfalls auch unter Pseudonym. Wedel selbst hat sich dieser Tage erstmals seit seinem Rücktritt wieder gegenüber Presse und TV geäußert – und das ziemlich unverfroren. „Ich war nie weg“, tönte er da auf die Frage nach seinen Hersfelder Ambitionen, und dass es bei den Festspielen noch viel zu tun gebe. Weitere Nachfragen blockte er ab, verlor sich im Ungefähren. Dementis klingen anders.

Ich frage mich, was das soll? Wedel täte gut daran, den Ausgang des gegen ihn von der Staatsanwaltschaft München eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wegen einer Sexualstraftat abzuwarten. Denn erst bei einer makellosen Einstellung wäre er rehabilitiert. Bis dahin stehen die schweren Vorwürfe gegen ihn genauso im Raum wie sein Abstreiten.

Was Wedels Auftritt aber so unappetitlich macht, ist die Respektlosigkeit gegenüber seinem „Freund“ Joern Hinkel. Der hat die Festspiele nach Wedels Abgang ja nicht nur verwaltet, sondern überraschend flott mit eigener Handschrift weiter entwickelt. Nicht zuletzt wird Hinkel demnächst auch wirtschaftlich ein ordentliches Ergebnis vorlegen – abgesehen von einem Minus, das sich allerdings durch die direkt an Wedel geknüpften Sponsorengelder erklärt.

Möglicherweise ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Hinkel von seinem Mentor emanzipieren muss. Denn es darf nicht der Eindruck entstehen, als würde Wedel bei den Festspielen als graue Eminenz noch immer mitmischen.

Das Land ist mit im Boot

Vielleicht hilft in diesem Zusammenhang auch der Hinweis, dass sich die Intendantenfrage im Magistrat der Stadt aktuell nicht wirklich stellt. Das hat mir der Erste Stadtrat Gunter Grimm am Rande der Stadtverordnetenversammlung erläutert. Denn angenommen, die Stadtparlamentarier beschließen bei ihrer nächsten Sitzung wie vorgesehen die Ausgründung der Festspiele in eine gemeinnützige GmbH, dann wäre bei dieser Gesellschaftsform das Land Hessen mit im Boot. Das beträfe auch den Aufsichtsrat, der dann über die Intendanz befinden würde. Dass das Land bei juristisch ungeklärten Verhältnissen bei einem Wedel-Comeback mitspielen würde, ist allerdings kaum vorstellbar.

Trotzdem ist es kein Widerspruch, dass der Bürgermeister aktuell bei potenziellen Kandidaten schon mal sondiert, ob generelles Interesse besteht. Das ist vom Magistrat gewollt und normales Geschäft. Schließlich könnte sich ja auch Joern Hinkel selbst anderswo umschauen. In diesem Zusammenhang sind gerüchteweise Namen wie Doris Dörrie, Leander Haußmann und Rufus Beck gefallen.

Kein Glück mit den Führungskräften

Mit der Besetzung von Führungspositionen hat die Stadt Bad Hersfeld zuletzt kein sonderlich glückliches Händchen gehabt: Wir erinnern uns an die Chefin des Stadtmarketings, an die Geschäftsführerin des „Wortreichs“ und an das kurze Gastspiel eines kaufmännischen Geschäftsführers der Festspiele. Letzterer ist allerdings gegangen, bevor er gegangen werden konnte.

Nun also Michael Müller, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsbetriebe. Der hatte sich im HZ-Interview als erfahrener Macher bei der Entwicklung und Betreuung von Großprojekten verkauft. In der Hersfelder Praxis scheint das jedoch nicht zur Zufriedenheit der Stadtoberen funktioniert zu haben. Diese Woche also die dürre Meldung von der Trennung zum Monatsende, ohne jede Begründung. Die Nachfolge wurde hausintern geregelt. Dass das in der Stadtpolitik nicht unkommentiert bleiben würde, war ja klar. Siehe Seite 3.

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