Warum Trinken so wichtig ist

Interview mit einer Ernährungsfachkraft: Cola ist kein Getränk, sondern eine Süßigkeit

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Hersfeld-Rotenburg. Trinken ist wichtig - das weiß jeder. Doch wie viel genau? Und welche Getränke sind gesund? Darüber sprachen wir mit Ernährungsfachkraft Cornelia Adolphi.

Der Körper eines Erwachsenen besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser und scheidet eineinhalb bis zwei Liter täglich aus. Um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten, braucht der Mensch daher Flüssigkeit. Smoothie, Cola, Wasser oder Saft – was ist gesund? Darüber sprachen wir mit Cornelia Adolphi, leitende Ernährungsfachkraft am Herz-Kreislauf-Zentrum Klinikum Hersfeld-Rotenburg GmbH Rotenburg.

Frau Adolphi, was ist ein gesundes Getränk?

Cornelia Adolphi: Wasser, es ist tatsächlich Wasser. Um einen angenehmen Geschmack ins Wasser zu bringen, eignen sich Limonen- oder Zitronensaft oder -scheiben, Stücke von Früchten wie etwa Äpfeln, Melone oder aufgeschnittenen Weintrauben. So aromatisiertes Wasser ist auch nicht schädlich für die Zähne. Es ist wichtig, dass es schmeckt und ansprechend aussieht, damit man ausreichend trinkt.

Welches Wasser sollte es denn sein?

Adolphi: Unser Leitungswasser ist eines der am besten untersuchten Lebensmittel in Deutschland. Man kann auch stilles oder kohlensäurehaltiges Mineralwasser nehmen, je nach Geschmack.

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Fehlen dem Leitungswasser nicht die Mineralien?

Adolphi: Es gibt keine Empfehlung, dass man wegen der Mineralien eher Mineralwasser trinken sollte. Bei einer abwechselungsreichen, vielseitigen Ernährung mit Gemüse, Obst und wenig Zucker nehmen wir genug Mineralstoffe auf. Wer allerdings keine Milchprodukte mag, dem empfehlen wir ein kalziumreiches Mineralwasser. Wer zu Krämpfen neigt, kann ein magnesiumhaltiges wählen, und bei Sodbrennen kann ein Mineralwasser mit höherem Hydrogencarbonatanteil helfen.

Gilt nach wie vor die Empfehlung von eineinhalb bis zwei Litern Flüssigkeit pro Tag?

Adolphi: Das ist richtig für einen Erwachsenen mit einem Bedarf von etwa 2000 Kilokalorien (kcal) pro Tag. Sportler und körperlich arbeitende Menschen brauchen wesentlich mehr, auch bei hohen Temperaturen ist es mehr.

Was sind die Folgen, wenn man zu wenig trinkt?

Adolphi: Der ganze Nährstofftransport im Körper ist auf ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit angewiesen. Fehlt sie, bekommen wir Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsstörungen. Auch die Muskeln können nicht mehr zu 100 Prozent funktionieren, wobei zu bedenken ist, dass auch das Herz ein Muskel ist.

Einige Menschen trinken lange nichts und dann wieder eine große Menge auf einmal.

Bis zu vier Tassen Kaffee am tag sind für gesunde menschen gar kein Problem.

Adolphi: So eine „Druckbetankung“ ist nicht günstig. Empfohlen wird regelmäßiges Trinken, stündlich 100 Milliliter. Es ist gut, dafür ein großes Glas zu wählen und es in Sichtweite zu haben – das befördert das Trinken. Auch eine schöne Karaffe hilft dabei, ausreichend zu trinken. Vor allem ältere Menschen trinken oft zu wenig, weil das Durstgefühl nachlässt.

Was sagen Sie zu Kaffee als Getränk?

Adolphi: Kaffee in Maßen ist für gesunde Menschen durchaus gesund und senkt nachgewiesener Maßen unter anderem das Risiko für Typ-2-Diabetes und Alzheimer. Drei bis vier Tassen pro Tag sind daher in Ordnung. Pro Tasse rechnet man mit 60 mg Koffein (150 ml). Mehr als 400 mg sollte man allerdings nicht zu sich nehmen. Bei sechs Tassen gilt man schon als gedopt. Das ist auch das Problem bei den Energiedrinks. Da ist die Koffeinmenge schnell zu hoch. Wer mit Sodbrennen oder zu viel Magensäure auf Koffein reagiert, dem würde ich zu Getreidekaffee wie Caro oder Linde Kaffee raten.

Viele Getränke wie auch die Milch, enthalten viele Kalorien. Wie geht man damit um?

Adolphi: Eigentlich sollte der Flüssigkeitsbedarf mit Getränken gedeckt werden, die kaum oder keine Kalorien haben. Deshalb gilt Milch auch als Nahrungsmittel und nicht als Getränk. Empfohlen werden etwa ein Viertel Liter Milch – auch im Cappuccino – Buttermilch, Joghurt oder Ayram pro Tag.

Fruchtsäfte sind ja gegenüber Smoothies etwas aus der Mode gekommen. Was muss man bei beiden wissen?

Adolphi: Eine Saftschorle im Verhältnis von drei Teilen Wasser und einem Teil Saft ist in Ordnung. Aber schon ein kleines Glas (100ml) purer Saft ersetzt eine Portion Obst. Empfohlen sind aber pro Tag nur zwei Portionen Obst – jeweils etwa eine Handvoll –nicht mehr. Drei Portionen täglich sollten aus Salat und Gemüse bestehen. Wie Milch werden Säfte und Smoothies wegen ihres Kaloriengehalts gar nicht zu den Getränken gezählt. Sie haben einen hohen Fruchtzuckergehalt und können zu einer Fructoseunverträglichkeit führen. Bauchschmerzen sind dann die Folge.

Smoothies zählen laut Diätassistentin Cornelia Adolphi nicht zu den Getränken - wegen ihres hohen Kaloriengehalts.

Bei Smoothies gibt es noch das Problem, dass aus acht oder zehn Teilen Obst in kurzer Zeit große Mengen Fruchtzucker aufgenommen werden. Der geht direkt in die Leber und wird in Form von Fett gespeichert. Eine Fettleber kann die Folge sein. Besser ist es, Obst als Frucht zu verzehren.

Wie sieht es bei einem Gemüse-Smoothie aus?

Adolphi: Der ist eher zu bevorzugen, weil Gemüse kalorienärmer ist. Man kann auch Obst und Gemüse mischen, um den Fruchtzuckeranteil zu senken, aber generell sollte man nicht mehr als zwei bis drei Stück Obst pro Tag essen und Smoothies auch nicht täglich konsumieren. Sie haben auch den Nachteil, dass sie den Verdauungstrakt nicht fordern.

Kinder, die ständig Püriertes zu sich nehmen, bilden ihre Kiefer gar nicht mehr richtig aus. Für ältere Menschen dagegen, die nicht mehr richtig kauen können, ist ein Gemüse-Smoothie mit etwas Obst eine gute Möglichkeit.

Wenn wir über Getränke sprechen, dürfen Cola und andere Limos nicht fehlen.

Adolphi: Cola ist kein Getränk, sondern eine Süßigkeit mit einem hohen Risiko für Übergewicht. Für die Energiezufuhr ist Cola überflüssig und fördert lediglich die Sucht nach Süßem. Der Genuss von Cola führt schon bei Kindern zur Anlage von Fettzellen und birgt das Risiko einer Fettlebererkrankung, denn Cola ist der reine Zucker. Ein Liter enthält rund 30 Stück Würfelzucker (380 kcal). Das sind 90 Gramm Zucker in der Literflasche Cola. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sollten wir aber nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag zu uns nehmen.

Reiner Apfelsaft enthält übrigens genauso viel Zucker wie Cola. In der Leber wird dieser Zucker in Fett umgewandelt und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Cornelia Adolphi

Zur Person: Cornelia Adolphi

Cornelia Adolphi (58) stammt aus Iba und lebt in Meckbach. Nach dem Abitur an der Modellschule Obersberg hat sie die Diätschule in Bad Hersfeld besucht, hat in Bad Bevensen und Celle gearbeitet. Sie hat 2 Kinder. Seit 2003 arbeitet sie als Diätassistentin und Ernährungsberaterin/DGE am Herz-Kreislauf-Zentrum Rotenburg.i

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