Es begann mit einer Thüringen-Reise

Influencer aus Bad Hersfeld: Er nimmt mehr als 100.000 Follower mit auf Reisen

Besuch im Rentierpark im finnländischen Salla.
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Besuch im Rentierpark im finnländischen Salla.

Pelle Faust ist Influencer auf Instagram. Er teilt mit hunderttausenden Followern Fotos von Landschaften, bereist spannende Orte der Welt und verdient damit sogar Geld.

  • Pelle Faust verdient sein Geld mit Fotos von seinen Reisen
  • Der 24-Jährige aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg (Hessen) ist Influencer auf Instagram
  • Auf seinem Profil hat er hunderttausende Follower

Der größte Steinbuddha der Welt thront gelassen in der chinesischen Provinz Sichuan, während sich zu seinen Füßen die Flüsse Minjiang, Dadu und Qingyi treffen. Es ist eine beeindruckende Fotografie. Geschossen hat sie Pelle Faust. Wenn der 24-Jährige Aufnahmen von seinen Reisen veröffentlicht, schauen tausende Menschen genau hin.

Faust ist im Schenklengsfelder Ortsteil Wüstfeld aufgewachsen und hat sich auf der Plattform Instagram mittlerweile eine so große Anhängerschaft aufgebaut, dass Firmen und Tourismusverbände ihn gern als Werbefläche nutzen – Influencer heißt das in Neudeutsch.

Influencer aus Hersfeld-Rotenburg auf Instagram: Fotos für seine Follower

Wenn Pelle Faust in der französischen Bretagne und am bayerischen Eibsee fotografiert, trägt er die aktuelle Kollektion eines Outdoor-Ausstatters. Tourismusverbände bezahlen dafür, dass durch einflussreiche Nutzer wie den Bad Hersfelder möglichst viele Menschen möglichst tolle Bildmotive aus ihrem Land zu sehen bekommen, und übernehmen auch gern die Reisekosten.

Reiselustiger und Rentierbändiger: Kreissprecher Pelle Faust auf Instagram. Links ein Drohnenflug über Chinas Großen Buddha von Leshan („Drohnen sind wie ein Spielzeug, das schöne Fotos macht“), rechts ein Besuch im Rentierpark im finnländischen Salla.

Mehr als 132 000 sogenannte Follower (vom englischen „to follow - folgen“) haben seine Fotosammlung auf Instagram abonniert und werden benachrichtigt, wenn er neue Bilder veröffentlicht. Sie verfolgen so, was der 24-Jährige bei seinen Reisen zu sehen bekommt – und was sie selbst womöglich nie sehen werden. Es ist ein Stück weit Erleben durch das Leben des Anderen.

Influencer aus Hersfeld-Rotenburg auf Instagram: Fotografie und Reiselust

Pelle Faust mag den Begriff Influencer nicht besonders: viel zu negativ behaftet. Vermutlich, weil er häufig mit Social-Media-Größen wie Cathy Hummels (Instagram-Follower: 516 000) in Verbindung gebracht wird – die in erster Linie sich selbst vermarkten. Die 32-jährige Frau von Fußballer Mats Hummels hatte sich im April 2019 erfolgreich gegen eine Zivilklage gewehrt, die ihr Schleichwerbung in vermeintlich privaten Beiträgen vorwarf. „Entweder vermarktet man seine Person oder seine Arbeit“, sagt Faust, „und ich stehe nicht morgens auf und lache beim Müsli-Essen in die Kamera“.

2017 geht Pelle Faust erstmals ausschließlich zum Fotografieren auf Tour. Landschaftsaufnahmen haben auf Instagram gerade Hochkonjunktur, und der 24-Jährige hat Reiselust und interessiert sich fürs Fotografieren. Den Umgang mit der Kamera hat der ausgebildete Journalist als Redakteur bei der Werra-Rundschau gelernt. Mit einem Internetfreund zieht er ein Wochenende lang auf der Jagd nach Motiven durch Thüringen. Von da an ist es ein Selbstläufer: „Je mehr schöne Fotos du hochlädst, desto mehr Leute folgen dir. Und dann steigt der Anreiz, noch bessere Bilder zu machen“, sagt Faust.

Influencer aus Hersfeld-Rotenburg auf Instagram: 30 Foto-Reisen in drei Jahren

Die Touren werden ausgedehnter: Kanada, die Schweiz, China, Island, Tschechien und Norwegen folgen. Der 24-Jährige kommt auf rund 30 Fotoreisen in den vergangenen drei Jahren. 928 Beiträge gibt es dazu auf seinem Instagram-Profil, einige Aufnahmen sammeln mehr als 15 0000 „Gefällt-mir“-Herzen. Mal ist Faust übers Wochenende, mal für sieben bis zehn Tage unterwegs, meist mit denselben „Landschaftsleuten“, wie er es nennt – also anderen Influencern.

Für ihn ist es ein lukrativer Nebenjob, von dem er aber nicht leben kann. Viele seiner Freunde sind Hauptberufler. Die Touren sind daher durchgetaktet: Hin zum Fotomotiv, die Kamera rattern lassen, weiter zum nächsten Ort. Zwischen 20 und 200 Bilder schießt Faust pro Station – auf Instagram landen am Ende vielleicht fünf. Zudem werden die Follower nebenher mit Fotos und Videoschnipseln versorgt. Die Schnappschüsse landen nicht unter den Hochglanzaufnahmen, sondern wandern in einen separaten Bereich. Es ist der vermeintliche Blick hinter die Kulissen, die Follower bekommen das Gefühl, nah dran zu sein, wenn die Bilder entstehen.

Influencer aus Hersfeld-Rotenburg auf Instagram: Stimmungsvoll kommt gut an

Oft ist es hektisch, weil keiner den perfekten Foto-Moment verpassen will. Abends ist Pelle Faust meist zu müde, um viel mehr zu machen, als ins Bett zu fallen. Gesehen hat er dann Orte, die er teilweise bereits von Bildern kennt. „Mittlerweile ist es eine Herausforderung, Fotospots zu finden, wo wirklich noch keiner war“, sagt er. Und trotzdem: „Mich macht es superglücklich, selbst dort zu stehen. Auch, wenn ich das Bild vielleicht schon tausendmal bei Instagram gesehen habe.“

Wer sich durch einschlägige Instagram-Profile klickt, merkt schnell: Vieles ähnelt sich. Das liegt nicht nur an den Motiven, sondern auch an den verwendeten Fotofiltern: „Moody“, also stimmungsvoll, muss es sein. Das kommt gut an, das bringt Follower – und was Follower bringt, wird häufig gemacht. Faust schraubt für seine Bilder an Lichtintensität und Farbtönen, der Kern der ursprünglichen Aufnahme bleibt erhalten: „Ich bin kein großer Photoshopper.“

Influencer aus Hersfeld-Rotenburg auf Instagram: Reisen fallen wegen Corona aus

Dann wäre da noch die Gretchenfrage, Herr Faust: Was macht ein Influencer, der sich auf Fotoreisen spezialisiert hat, in Zeiten der Corona-Krise? Selbstvermarkter verlosen derzeit Klopapier – Pelle Faust durchsucht sein Fotoarchiv nach Aufnahmen, die er seinen Followern noch nicht gezeigt hat. Seine Tour Anfang April ins Baskenland fällt aus, ebenso eine bezahlte Partnerschaft über 2000 Euro. Die Sommertour durch Norwegen steht auf der Kippe. „Im Vergleich mit denen, deren Existenz und Gesundheit bedroht sind, ist das aber ein Luxusproblem.“

Die Zukunft des 24-Jährigen hängt nicht von seinem Instagram-Erfolg ab. Nach einer sechsmonatigen Elternzeitvertretung im Jahr 2018 ist er seit November fester Sprecher des Landkreises. Alles auf die Instagram-Karte hat er ohnehin nie gesetzt: „So verrückt und freigeistig im Kopf bin ich dann doch nicht.“ Wenn der Instagram-Trend endet, schaffe man entweder den Absprung oder gehe unter. Faust wollte Sicherheit. „Ich bin aktuell nicht mehr der Typ, der jeden Monat in einem anderen Land unterwegs ist.“ Vermissen wird er es aber schon: Die Reiselust ist eben des Pudels Kern.

Influencer aus Hessen auf Instagram: Fotos vom Bauernhof für Social Media

Auch Instagram-Influencerin Laura Scheffczyk aus Kassel arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Sie verdient viel Geld mit Fotos und Videos, die sie auf Instagram postet. Während der Corona-Krise sitzt sie in Thailand fest. Zuerst fühlte sich die Instagram-Bloggerin unwohl in dem asiatischen Land. 

Für Instagram-Influencerin Sarah Sturm ist sonntags „Foto-and-Food-Day“. Die 22-jährige Auszubildende verabredet sich mit Freunden, um Fotos zu machen und etwas Leckeres zu essen.

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