Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: In Bad Hersfeld stimmt was nicht

In seiner Kolumne befasst sich Karl Schönholtz mit einem stummen Bürgermeister vergessener Post.

Irgendetwas stimmt nicht in der Bad Hersfelder Stadtpolitik – oder mit dem Bürgermeister? Dieses Gefühl beschlich mich bei den Ausschusssitzungen in dieser Woche. Da ging es zunächst in der Stadionanlage Oberau um den Stand der Dinge beim Hessentagsprojekt Nr. 1, das zum einen Teil (Multifunktionsgebäude) fast fertig ist, zum anderen (Kunstrasenplatz) kurz vor der Umsetzung steht. Außerdem ging es um das Dauerthema Wohnmobilstellplatz mit einem neuen Lösungsvorschlag für die Zufahrt.

Alles nicht gerade von untergeordneter Bedeutung für die Stadtentwicklung, aber alles auch teurer als gedacht, sodass sich die Stadtverordneten angesichts der Corona-geschädigten Etats Gedanken machen müssen, ob und wie sich diese Vorhaben (nach-) finanzieren lassen. Sachstand und Problematik wurden von den Fachbereichsleitern vorgetragen, doch eine Moderation, ein Werben fand nicht statt. So, als sei es wurstegal, ob es hier nun weitergeht oder nicht.

Ich meine, es wäre Aufgabe des Bürgermeisters gewesen, die Parlamentarier inhaltlich mitzunehmen und die Möglichkeiten aufzuzeigen. Doch Thomas Fehling blieb einmal mehr stumm. Sein einziger Wortbeitrag beim Ortstermin: Bei der Besichtigung des Funktionsbaus sollten doch bitte die Masken aufgesetzt werden.

Nächstes Beispiel ist das Kaufland-Projekt, für das sich nach einigem Hin und Her die gesamte Stadtverordnetenversammlung stark gemacht hat. Auch dem Bürgermeister schien was dran zu liegen, sollte doch hier die Anbindung durch einen Shuttle mit selbstfahrenden Kabinen erfolgen.

Im Kasseler Regierungspräsidium ist man von diesem Projekt jedoch noch nicht überzeugt und empfahl der Stadt Ende Juli, das Vorhaben zurückzustellen. Anderenfalls sei mit einer negativen Entscheidung in der Regionalversammlung zu rechnen. Und nun ließ der Bürgermeister einen ganzen Monat verstreichen, ehe er das an Magistrat gerichtete Schreiben den Stadträten und anschließend auch den Stadtverordneten zur Kenntnis gab. Das verstehe wer will, und die Erklärungen Thomas Fehlings vom hohen Arbeits- und Postaufkommen im Rathaus klingen wie Ausflüchte.

Ich bleibe dabei: Hier stimmt was nicht.

Mangelnde Empathie kann man einem neuen Mitarbeiter der Bad Hersfelder Stadtverwaltung hingegen nicht vorwerfen. Matthias Glotz, seit Kurzem zuständig für den Kurbetrieb und das Stadtmarketing, schlägt den städtischen Fachbereichen gemeinsame regelmäßige Stadtbegehungen vor, um sichtbare Mängel zu registrieren und möglichst flott zu beseitigen. Diese Idee haben schon andere Kommunen gehabt und laut Glotz mit Erfolg umgesetzt, sodass er sich auch für Bad Hersfeld in puncto Sauberkeit und der Beseitigung von Schäden einiges davon verspricht. In den Ausschüssen warb Glotz leidenschaftlich für diese Besichtigungen. Mal schauen, was draus wird.

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © Ludger Konopka

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