1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Viel Natur, kein Klo: In Bad Hersfeld soll ein Waldkindergarten entstehen

Erstellt:

Kommentare

Das Foto entstand bei den „Waldmäusen“ der Kita Pusteblume aus Breitenbach am Herzberg und zeigt einen Bauwagen und einen Pavillon.
Im Wald gibt’s viel zu entdecken: Ein Bauwagen und ein Pavillon bieten hier Schutz vor Regen. Unser Foto entstand bei den „Waldmäusen“ der Kita Pusteblume aus Breitenbach am Herzberg. © Christine Zacharias

In Bad Hersfeld soll ein Waldkindergarten entstehen. Als möglicher Standort wird derzeit ein Waldstück nahe des Schützenhauses in Kathus favorisiert.

Bad Hersfeld - Im Haushalt der Kreisstadt Bad Hersfeld wurden bereits entsprechende Mittel eingestellt. Am Dienstag stellten die Initiatorinnen des Projekts, Julia Blum und Lisa Simla, ihr Konzept nun im Sozialausschuss vor.

Julia Blum ist erste Vorsitzende des Trägervereins. Lisa Simla, die Abenteuer- und Erlebnispädagogik studiert hat, und im Rahmen ihrer Masterarbeit in einem Waldkindergarten hospitiert hat, ist begeistert: „Wenn ich einmal Kinder habe, dann sollen sie auch in einem Waldkindergarten gehen“, sagte sie. Es sei spürbar, dass die Kinder konfliktfreier aufwachsen.

Die Grundidee eines Waldkindergartens ist, dass die Kinder mit ihren Erziehern das ganze Jahr über draußen sind. Ein Bauwagen, der im Wald abgestellt wird, dient als Rückzugsort und „Unterschlupf“ bei schlechtem Wetter. Doch eigentlich findet alles draußen statt. Pflanzen kennenlernen und sammeln, Höhlen bauen, klettern, schnitzen, basteln, im Winter rodeln, aber auch backen, malen und lesen im Bauwagen gehörten zu den Aktivitäten. Die Gefahren des Waldes sind den Initiatorinnen durchaus bewusst. „Aber Kinder sind sehr verantwortungsbewusst und achten aufeinander und auf Regeln“, berichtete Lisa Simla von ihren Erfahrungen.

Bei Extremwetterlagen soll eine Notunterkunft, etwa in einem DGH, angeboten werden. Julia Blum, die bislang eher informell das Interesse an einem Waldkindergarten eruiert hat, geht von einem hohen Zuspruch aus, „weil es so ein Angebot in Bad Hersfeld bislang nicht gibt“. Anfangs wolle man mit einer Gruppe von bis zu 25 Kindern in der Zeit von 7 bis 14.30 Uhr starten. Mehrere Erzieherinnen hätten ihr Interesse an dem Projekt bekundet.

Gewöhnungsbedürftig für Komfort gewohnte Städter dürfte wohl das Sanitär-Konzept sein: Ob es denn auch Toiletten gebe, wollte Werner Kubetzko (UBH) wissen. Lisa Simla erklärte: „Es gibt kein Klo“, statt dessen aber einen abgegrenzten Bereich des Waldes, getrennt für Mädchen und Jungen. „Große Geschäfte werden vergraben“, erklärte sie und betonte, in der Praxis sei das gar kein Problem für die Kinder.

Die Leiterin des Fachbereichs Generationen, Jutta Hendler, ist „sehr angetan von dem Konzept“, es sei eine gute Ergänzung zum bestehenden Angebot. Sie sagte die Unterstützung des Fachbereichs zu. Michael Barth (FWG), Ortsvorsteher von Kathus, gab zu Bedenken, dass die Wege zum angedachten Standort gerade für Kinderbeine recht steil sind.

Auch Karsten Vollmar (SPD) lobte das Vorhaben. „Es gab selten Vorschläge, die schon vom Konzept her so fundiert sind.“ Konkrete Pläne zur Umsetzung des Konzepts sollen nun folgen. (Kai A. Struthoff)

Auch interessant

Kommentare