Stepper statt Rollator

Immer mehr Senioren im Kreis Hersfeld-Rotenburg gehen ins Fitnessstudio

Regelmäßiger Sport im Fitnessstudio ist für Hermann Feik, 66 Jahre, wichtig. Auf dem Bild trainiert er Brust und Trizeps. Fotos: Christopher Hess

Hersfeld-Rotenburg. Die Gesundheit steht im Vordergrund: Immer mehr Senioren im Kreis Hersfeld-Rotenburg gehen ins Fitnessstudio. 

Die Zeiten, als das Fitnessstudio nur ein Ort für Muskelpakete und Hantelstemmer war, sind vorbei. Immer häufiger trainieren auch Senioren in den Studios und halten sich fit.

„Der Hype beim Trainieren dreht sich nicht mehr nur ums Muskeln aufpumpen, der Fokus liegt vielmehr auf der Gesundheit“, sagt Lena Hagedorn, Mitarbeiterin des Medi-Sport-Gym in Bad Hersfeld. Das Durchschnittsalter liegt hier mittlerweile bei 40 Jahren. Deutlich mehr Senioren als noch vor einigen Jahren kämen heute zum Trainieren. Auch die Denkweise habe sich geändert. „Lieber keinen Bandscheibenvorfall haben, als 90-60-90“, sei das Motto. Viele Senioren würden über Reha-Sport den Weg ins Fitnessstudio finden und dann anfangen, dauerhaft an Geräten zu trainieren.

Beliebt bei den Trainierenden über 50: Fahrrad, Stepper und Kraftgeräte, die Ausdauer und Muskulatur gleichermaßen trainieren. Wichtig dabei sei es, den Senioren unterstützend zur Seite zu stehen. „Betreuung ist sehr wichtig“, sagt Michaela Schadewald, Leiterin des Hersfelder Studios.

Ausdauer und Muskulatur, das trainiert auch Manfred Simon aus Bad Hersfeld. Der 77-Jährige geht dreimal in der Woche ins Fitnessstudio. Rückenprobleme? Ade. Wegen diesen hat er vor rund 25 Jahren angefangen mit dem Sport – und will ihn nicht mehr missen. „Anfangs muss man seinen inneren Schweinehund überwinden, aber dann läuft es.“ Simon fühlt sich durch das regelmäßige Fitnesstraining im Alltag fitter, spürt mehr Lebensqualität als zuvor. „Ich kann das nur allen Älteren empfehlen“, sagt er.

Auch im Fitnessstudio AktivPlus in Rotenburg trainieren immer mehr Menschen über 50 – sogenannte „Best-Ager“. Studio-Leiter Alexander Spoer schätzt den Anteil auf ein Drittel. Für die Senioren stehe Herz-Kreislauf-Training und Bewegung im Vordergrund, „und alles, was mit Aufrichtung zu tun hat“ – das sind vor allem Rückenübungen. Denn eine schwache Rückenmuskulatur ist häufig die Ursache von Rückenbeschwerden.

Geht alle drei Tage ins Medi-Sport-Gym in Bad Hersfeld: Manfred Simon, 77 Jahre alt. Hier macht er eine Rückenübung.

Allgemein nehme das Bewusstsein zu, den eigenen Körper fit zu halten, beobachtet Thomas Bretting, Leiter der Brettings Bewegungswelt in Lispenhausen. Er betont die Motorik als wichtigen Aspekt im Training bei Senioren. Im Schnitt gehen diese zwei Mal in der Woche trainieren – für etwas mehr als eine Stunde. Den Anteil an „Best Agers“ in seinem Studio schätzt Bretting auf 40 Prozent – erheblich mehr als noch vor einigen Jahren.

Vielmehr als bei den Jüngeren spiele die soziale Komponente eine Rolle. „Es geht auch darum, Leute zu treffen“, so Physiotherapeut Spoer.

Das ist auch für Achim Wendov aus Bebra ein wichtiger Punkt. Der 65-Jährige geht dreimal in der Woche in den Fitnesspark in Bebra – und hat dort bereits Freundschaften geknüpft. Angefangen hat er im Rahmen einer Reha-Maßnahme. Dann packte ihn die Leidenschaft. „Mein Körper sagte mir, ich muss mehr tun – und das Training hat sofort Spaß gemacht“, sagt er mit hächelnder Stimme. Gerade hat er sein übliches Training hinter sich gebracht. Der Rentner fühlt sich sichtbar fit in seinem Körper. Fortschritte habe er sofort gespürt. „Ich hatte immer Rückenbeschwerden, die sind komplett weg.“ Auch der Blutdruck habe sich deutlich gebessert.

Halten sich im Trampolinkurs im Fitnessstudio in Bebra fit: Sabine Trott (links), Horst Schlüster-Bodenstein und Isabel Arlt.

Wendov macht hauptsächlich Kraftübungen, zum Aufwärmen geht’s auf den Stepper. Sein Fitnesszustand habe sich stetig verbessert. Angefangen mit 95 Kilogramm an der Beinpresse, stemmt er mittlerweile 170. Auch die soziale Komponente will er nicht mehr missen. Immer wieder treffe er auf gleichgesinnte Senioren.

Im Studio, in der Wendov trainiert, beträgt das Durchschnittsalter mittlerweile 48 bis 50 Jahre, sagt Leiter Nejat Sunel. Weit über dem Schnitt vor einigen Jahren. Und bei all der positiven Resonanz könnte es weiter steigen. (che) 

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