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Seit der Jugend im Drogensumpf: 29-Jähriger zu neun Monaten Haft verurteilt

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Von: Mario Reymond

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Ein 29 Jahre alter Mann aus Bad Hersfeld ist wegen unerlaubten Drogenbesitzes zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt worden. 
Ein 29 Jahre alter Mann aus Bad Hersfeld ist wegen unerlaubten Drogenbesitzes zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt worden. (Symbolbild) © Symbolbild: Peter Steffen/dpa - Bildfunk

Ein 29 Jahre alter Mann aus Bad Hersfeld ist wegen unerlaubten Drogenbesitzes zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt worden.

Bad Hersfeld –Ihm wurde wegen seiner Drogensucht eine verminderte Schuldfähigkeit zuerkannt. Bis ein Therapieplatz frei wird, bleibt er weiter in Haft. Seit Januar 2021 sitzt er wegen Beschaffungskriminalität in der JVA Hünfeld.

Der 29-Jährige war am 7. Januar 2021 in Kirchheim festgenommen worden. Er wurde da schon wegen eines offenen Haftbefehls gesucht.

Weil er bei seiner Verhaftung eine nicht geringe Menge an Amphetaminen zum Eigenbedarf mit sich führte, musste er sich nun abermals vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld verantworten.

Der junge Mann war mit sechs Jahren zusammen mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Seinen früh verstorbenen Vater hatte er nie kennengelernt. Die Mutter heiratete wieder und bekam zwei weitere Kinder. In der Familie wurde weiterhin nur russisch gesprochen, sodass es der Angeklagte von Beginn an in der neuen Heimat nicht leicht hatte. In der Schule musste er zunächst die deutsche Sprache erlernen. Einen Schulabschluss hat er nie erlangt. Wohl auch eine Folge seines früh einsetzenden Drogenkonsums. Mit 14 Jahren rauchte er das erste Mal Cannabis und trank Alkohol. Später kamen dann härtere Drogen hinzu. Und in der Folge beschaffte er sich das dafür notwendige Geld auf nicht legale Weise durch Diebstähle und andere Eigentumsdelikte. Bereits im Jahre 2009 wurde er zu einem Jugendarrest verdonnert. Und im Jahre 2016 erhielt er wegen mehreren Diebstählen aus Wohnungen, bei denen er auch eine Waffe mit sich führte, eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Im Jahr 2015 begab er sich das erste Mal für etwa vier Monate in eine Therapieeinrichtung. Im Jahre 2019 dann abermals für sechs Monate. Allerdings führten ihn diese Aufenthalte nicht aus der Drogensucht, da er immer wieder nach Bad Hersfeld in den alten Freundeskreis zurückkehrte. Nun erhält er abermals eine Chance, sich seiner Drogensucht in einer stationären Therapieeinrichtung zu stellen. Dass dies nun zum Erfolg führen könnte, davon ist auch Dr. Helge Laubinger aus Kassel überzeugt, der nach Gesprächen mit dem 29-Jährigen ein psychiatrisches Gutachten erstellt hatte. Nun wird das Gericht eine Gesamtstrafe bilden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

So steht es im Strafgesetzbuch

Verurteilt worden ist der 29-Jährige auf Basis der Paragrafen 21 und 64 des Strafgesetzbuchs. Nach Paragraf 64 werden Straftäter, die wegen einer Suchtkrankheit straffällig geworden sind oder während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss standen, in einer forensischen Klinik untergebracht, wenn konkrete Aussicht auf einen Behandlungserfolg besteht. Der Paragraf 21 steht für verminderte Schuldfähigkeit. Er kann angewendet werden, wenn der Täter zur Tat nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen. (Mario Reymond)

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