Intendant Joern Hinkel gibt weitere Details zur Saison preis

Bad Hersfelder Festspiele vor Gericht: Ungewöhnliche Pressekonferenz zur Ensemblevorstellung

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Probesitzen in der Arrestzelle: Die „Prozess“-Schauspieler von links Thorsten Nindel, Ronny Miersch, Markus Majowski mit dem Justizbeamten Udo Michaelis.

Bad Hersfeld. Franz Kafkas „Der Prozess“ eröffnet am 5. Juli die 69. Bad Hersfelder Festspiele: Passend dazu stellte Intendant Joern Hinkel sein Ensemble im Amtsgericht vor.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Pressekonferenz im Gerichtssaal hatte Festspiel-Intendant Joern Hinkel. Er glaubte anfangs allerdings selbst nicht daran, dass sie sich verwirklichen lassen würde. Bei Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock rannte er jedoch letztlich offene Türen ein: Kilian-Bock ist bekennender Festspiel-Fan und steckte mit ihrer Begeisterung das Personal vom Wachtmeister bis zum Gerichtsvollzieher an. So konnte das Gastspiel der Theatermacher auch bei laufendem Gerichtsbetrieb möglich gemacht werden. 

Gastgeber und Ensemble: Rechts unten Intendant Joern Hinkel, daneben Michaela Kilian-Bock, Direktorin des Amtsgerichts, hinten rechts Bürgermeister Thomas Fehling. Unten links Marianne Sägebrecht, dahinter von links Thorsten Nindel, Markus Majowski und Ronny Miersch.

Schauspieler auf der Anklagebank, der Intendant als Richter, der Bürgermeister als Beisitzer und eine Journalisten-Meute, die sich brav erhebt, als Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock die „Verhandlung“ eröffnet. Das Festspiel-Premierenstück „Der Prozess“ von Franz Kafka wurde stilecht vor Gericht „verhandelt“ – und das Medieninteresse war riesengroß. „Als grandiose Idee“ lobte Kilian-Bock den Einfall von Intendant Joern Hinkel, erste Einzelheiten zum „Prozess“ vor Gericht zu verkünden. Sie selbst spielte ihre Rolle dabei so gut, dass Joern Hinkel sie als „schon engagiert“ bezeichnete. Auch Bürgermeister Thomas Fehling freute sich über das große Medieninteresse, denn in diesem Jahr konkurrieren die Festspiele mit dem Hessentag. „In Bad Hersfeld ist in diesem Jahr richtig viel los“, sagte er und lobte das breite Programm, das mit „neuen Akzenten das Kulturangebot erweitert“.

Hinkel versicherte vor zahlreichen Medienvertretern von Presse, Funk und Fernsehen, dass seine Dramatisierung des Kafka-Textes nicht als Interpretationstheater, sondern als Imaginationstheater die Fantasie der Zuschauer anregen solle. 

Hinkel sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen „Kanzel, Richterbank und Bühne“ – schon allein weil Pfarrer, Richter und Intendanten meist schwarz gekleidet sind. Er versuchte den Zuhörern die Angst vor Kafka, an den sich viele aus dem Schulunterricht als düster, schwer und mystisch erinnern, zu nehmen. Er jedenfalls sei „respektlos und ohne Rücksicht“ an den Urtext gegangen, um etwas Neues zu erschaffen. „Kafka hat sich berauscht an einem Leben voller Musik“ sagte der Intendant und versprach, „mehr Farbe als Düsternis, viel Humor und auch Erotik“ auf die Bühne zu bringen.

Joern Hinkel: „Kafka kann man auch ohne jede Vorkenntnisse begreifen“

Dafür sorgen auch in diesem Jahr wieder viele alt-bekannte und neue Schauspieler. Die Titelrolle des Josef K. spielt Ronny Miersch von dem Hinkel „in Sekunden gesehen hat, dass er der Richtige für die Rolle ist.“ Miersch, der erst Dienstag zum ersten Mal die Stiftsruine gesehen hat, sagte „der Spielort ist so überwältigend, da bekommt man Gänsehaut am Hintern“. Seinen K. charakterisiert er als einen Menschen wie „du und ich“, der sich aber gern mit allen anlegt und für Gerechtigkeit kämpft. Gut umsorgt wird dieser K. von seiner Haushälterin Frau Grubach, die von Hollywood-Star Marianne Sägebrecht verkörpert wird. Die 73-jährige hatte schon im vergangenen Jahr die Zuschauer in der Stiftsruine bei einem Gastauftritt begeistert und hat ebenfalls bereits Gänsehaut vor Vorfreude. Sie ist eine alte Bekannte von Joern Hinkel und sagte: „Ich bin der Malkasten, Joern malt sein Bild mit mir“.

Soll mit erotischer Ausstrahlung beim "Prozess" für Verwirrung sorgen: Ingrid Steeger.

Ebenso mit dabei der Komiker Markus Majowski, der ein alter Bekannter in Hersfeld ist, und den Humor Kafkas auf die Bühne bringen soll. Thorsten Nindel, wohlbekannt aus zahlreichen Fernsehsendungen wie etwa der Lindenstraße“, spielt der Gerichtsmaler Titorelli. Er schwärmte bei der Pressekonferenz von Kafkas „unfassbarer Sprache, die sofort Bilder entstehen lässt. Auch weitere prominenten Ensemble-Mitglieder wurden benannt: So wird „Klimbim-Star“ Ingrid Steeger das „Fraulein Montag“ im Prozess spielen und mit erotischer Ausstrahlung für Verwirrung sorgen, ebenso wie Hersfeld-Preisträgerin Corinna Pohlmann, die die Geliebte eines Anwalts – „und all seiner Klienten!“ – spielt, berichtete Hinkel.

Das Urteil zum „Prozess“ wird übrigens am 5. Juli nach der Premiere in der Stiftsruine gesprochen.

Weitere neue und lieb gewonnene Stücke aus dem vergangenem Jahr

Von der Richterbank informierte Hinkel zudem über das neue Musical „Funny Girl“ mit Katharine Mehrling in der Hauptrolle (Regie: Stefan Huber) und die Uraufführung von „A Long Way Down“ nach dem Roman von Nick Hornby im Schloss Eichhof (Regie: Christian Nickel), wo unter anderem auch  Karsten Speck zu sehen sein wird. 

Karsten Speck spielt im Eichhof

Als Kinderstück wird ab dem 11. August „Emil und die Detektive“ nach dem Buch von Erich Kästner aufgeführt. Die Musicalfassung wird ebenfalls Joern Hinkel inszenieren. Darüber hinaus hat der Intendant das der Stiftsruine benachbarte Museum als neue Spielstätte entdeckt. Hier findet ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Theater, Talk und viel Musik statt. Komplettiert wird der bis zum 1. September reichende Spielplan durch die Wiederaufnahmen der Komödie „Shakespeare in Love“ mit den beiden Hersfeldpreisträgern Natalja Joselewitsch und Dennis Herrmann (Regie: Antoine Uitdehaag) sowie dem Musical „Hair“ in der Regie von Gil Mehmert. Beide Inszenierungen wurden im vergangenen Jahr vom Publikum gefeiert.

FUNNY GIRL mit Katharine Mehrling, Alen Hodzovic und Heinrich Schafmeister 

Auch FUNNY GIRL, das neue Musical des Sommers 2019, ist hochkarätig besetzt. Musical-Star Katharine Mehrling wird Fanny Brice spielen und die Entwicklung eines unscheinbaren Mädchens zum Star zeigen. Alle Träume scheinen in Erfüllung zu gehen. Eine große Karriere, ein wunderbarer Mann – der sich dann aber als ruinöser Spieler entpuppt. Diesen Nick Arnstein spielt Alen Hodzovic. Ihn kennen die Festspiel-Besucher zum Beispiel aus TITANIC in der Stiftsruine.

Auch Katharine Mehrling hat das Publikum in Bad Hersfeld bereits überzeugt: in KISS ME KATE (2014). Die gebürtige Hanauerin studierte in New York. Seit 2000 lebt sie in Berlin, wo sie bereits zum fünften Mal mit dem Publikumspreis Goldener Vorhang als beliebteste Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Außerdem wurde ihr 2016 der Berliner Bär und der BZ Kulturpreis verliehen. Es gibt kaum eine große Musical-Rolle, in der Katharine nicht inzwischen überzeugt hat. In dem speziell für sie geschriebenen Musical THE BIRDS OF ALFRED HITCHCOCK, 2010 im Stadttheater Bielefeld uraufgeführt, spielte sie außerdem die Rolle der Hollywood-Legende Tippi Hedren. Dem Film- und Fernsehpublikum ist Katharine Mehrling durch den Bryan-Singer-Film OPERATION WALKÜRE und die TRAUMSCHIFF-Folge MAURITIUS bekannt. In dem in Kapstadt gedrehten Sat1 Film LIEBE AUF DEN ERSTEN TRICK war sie an der Seite von Dieter Hallervorden, Veronica Ferres und Steffen Groth zu sehen.

Die Rolle des Florenz Ziegfeld jr. in FUNNY GIRL wird Heinrich Schafmeister spielen. Die größte Popularität erlangte er durch seine Darstellung des Sängers Erich A. Collin im Kinofilm COMEDIAN HARMONISTS, für die er auch den Bayerischen Filmpreis bekam. Dem Fernsehpublikum ist er durch sehr viele Rollen bekannt, vor allem durch die des treuen WILSBERG-Freundes Manni Höch oder auch die Vaterrolle in der erfolgreichen Kinderserie WIE ERZIEHE ICH MEINE ELTERN.

Zum Ensemble von Regisseur Stefan Huber gehören außerdem Marianne Larsen, Marc Seitz, Sylvia Wintergrün, Pamela Zottele, Konstantin Zander und viele andere.

A LONG WAY DOWN mit Karsten Speck im Schloss Eichhof

Karsten Speck spielt Martin in A LONG WAY DOWN nach dem Roman von Nick Hornby in der Bühnenfassung von Bettina Wilts und der Regie von Christian Nickel. Sein Handwerk erlernte der Schauspieler, Musiker und Moderator Karsten Speck an den Berliner Hochschulen Hanns Eisler und Ernst Busch. Nach seinem Diplom überzeugte Speck im politischen Kabarett DIE DISTEL in Berlin und erlangte als Moderator der Kult-Sendung EIN KESSEL BUNTES Berühmtheit. Rollen in den ZDF-Serien FREUNDE FÜR’S LEBEN, HALLO ROBBIE! und DAS TRAUMSCHIFF vergrößern seine Fangemeinde. Zuletzt war Karsten Speck in Christian Ulmens und Fahri Yardims Comedy-Format JERKS. auf ProSieben zu sehen. Er moderiert neben seinen Theater-Engagements derzeit auch die Show in Alfons Schuhbecks TEATRO in München.

In der Erfolgsproduktion und deutschen Erstaufführung SHAKESPEARE IN LOVE in der Regie von Antoine Uitdehaag treten auch im Sommer 2019 unter anderen Natalja Joselewitsch, Dennis Herrmann, Brigitte Grothum, Martin Semmelrogge, Jens Schäfer, Uwe Dag Berlin, Robert Joseph Bartl, Christian Schmidt, Bettina Hauenschild, Tilo Keiner, Hanns Jörg Krumpholz u.v.a.m. auf.

Das Medieninteresse war groß.

Der Publikumsrenner HAIR, inszeniert von Regisseur Gil Mehmert ist ebenfalls wieder erstklassig besetzt. Unter anderen spielen und singen Christof Messner, Bettina Mönch, Victor Hugo Barreto, Eva Zamostny, Ruth Fuchs und Thorsten Krohn.

Das Kinderstück: Emil und die Detektive

Neu im Spielplan ist das Kinderstück "Emil und die Detektive" von Erich Kästner
als Musical für kleine und große Zuschauer ab 5 Jahren ab Sonntag, 11. August 2019 in der Stiftsruine.

Intendant Joern Hinkel zeigt auch in diesem Sommer wieder eine Inszenierung für kleine und große Zuschauer, Schulklassen und Familien. Er hat Erich Kästners EMIL UND DIE DETEKTIVE ausgewählt und wird selbst Regie führen: „Erich Kästners EMIL ist für mich eine Geschichte über Zusammenhalt, heute würde man sagen über „Solidarität“. Eine Gruppe von Kindern hilft, ohne mit der Wimper zu zucken, einem vollkommen fremden Jungen, der sich zum ersten Mal in einer Großstadt aufhält, bei der Jagd nach einem Dieb. Sie fangen den Gangster, indem sie zusammenhalten. Heute scheint es mehr Interesse an Mobbing und Wettbewerb, als an Zusammenhalt zu geben.“

Emil reist das erste Mal in seinem Leben in die Großstadt, nach Berlin zu seinen Verwandten. Seine Mutter hat ihm 140 Mark für die Großmutter mitgegeben. Aber kaum ist er im Eisenbahnabteil angekommen, wird ihm das Geld von einem Mitreisenden gestohlen. Weil Emil daheim etwas ausgefressen hat, traut er sich nicht, sich an den Polizisten auf dem Bahnsteig am Zoologischen Garten zu wenden. Also nimmt er auf eigene Faust die Verfolgung des Diebes auf. Auf seiner Suche wird er von einer Gruppe Berliner Jungs und Mädchen unterstützt. Ein großes Abenteuer inklusive nächtlicher Hotelbeschattung, Verfolgungsjagden und einem Finale in der Polizeiinspektion beginnt ... Komponist Marc Schubring und Autor Wolfgang Adenberg haben aus Kästners Klassiker ein Musical für die ganze Familie geschaffen, das mit seinen gefühl- und temperamentvollen Songs das Berlin der 1920er-Jahre wieder aufleben lässt.

Fotos von der Festspiel-Pressekonferenz im Amtsgericht

Das Rahmenprogramm der Festspiele:

Das Rahmenprogramm der Bad Hersfelder Festspiele war früher ein Aushängeschild und soll es offenbar wieder werden, zum Beispiel mit der neuen Spielstätte im Museum. Hier finden Lesungen, Konzerte, die Late-Night-Show, kleinere Theateraufführungen und die Einführungsvorträge statt, die das Angebot der großen Bühne erweitern, vertiefen, reflektieren.

Das Museum an der Stiftsruine mit seiner historischen Fachwerk-Architektur, seinen verwinkelten Räumen und geheimen Treppen hat mich schon immer fasziniert“, sagt Festspiel-Intendant Joern Hinkel.

Gezeigt wird hier zum BeispielNipplejesus von Nick Hornby in einer Inszenierung von Bettina Wilts. Premiere ist am Samstag, 27. Juli , um 20 Uhr in der Kapelle. Darin geht es um einen Museumswärter, der eine aus Pornobildern gestaltete Jesusfigur bewachen muss. Das Kunstwerk heizt eine wüste Debatte in der Stadt an und versetzt die Öffentlichkeit in Aufruhr. Ist das Blasphemie oder moderne Kunst? Auch Dave ist zunächst geschockt, doch dann beginnt er über Kunst nachzudenken. Weitere Aufführungstermine bis zum 8. August.

Ein Bericht für die Akademie von Franz Kafka von und mit Samuel Koch und Robert Lang steht am Sonntag, 18. August, ab 21 Uhr im Kapitelsaal auf dem Programm.

Ein Affe steht vor einer Gruppe von Wissenschaftlern und spricht von seiner Menschwerdung. Er berichtet von der Gefangennahme in Afrika, den Auftritten im Varieté und seiner Anpassung zum fast vollkommenen Menschen. Die beiden Schauspieler Samuel Koch und Robert Lang entwickeln gemeinsam eine höchst faszinierende Choreographie des Bewegens und Sprechens. Briefe an den Vater von Franz Kafka liest Christian Nickel, begleitet von Joern Hinkel am Klaviert, am Sonntag, 21. Juli, ab 21 Uhr im Kapitelsaal. Kafka verfasste 1919 einen Brief an seinen Vater, den er aber nie abschickte. Die 103 handschriftlichen Seiten gehören zu den aufschlussreichsten Schriften des Autors, ein – wie er selber sagte – „Advokatenbrief voller Kniffe“, in dem er sein ganzes Schreiben als ein „selbstän- diges Wegkommen vom Vater“ beschreibt.

Unter dem Titel Nachteulen steht der Late-Night-Talk der Festspiele im Museum von und mit Dominic Mäcke sowie Ensemble-Mitgliedern, der ab dem 13. Juli jeweils samstags um Mitternacht stattfindet. Gastgeber Dominic Mäcke dazu immer andere Schauspieler, Sänger und Musiker der Festspiele ein. Die Bar ist geöffnet. Es wird gesungen, getalkt, improvisiert, rezitiert.

Das Sommerfest im Festspielpark findet diesmal am Sonntag, 11. August, ab elf Uhr statt. Am letzten Ferientag laden das Festspiel-Team, Schauspieler, Sänger, und Musiker ins Foyer im Grünen. Ein buntes Programm mit Szenen, Songs, Gedichten und Geschichten, ein Blick hinter die Kulissen. Unsere Zuschauer können mit den Darstellern der Festspiele plaudern und Autogramme sammeln.

Musical-Star Katharine Mehrling mit dem Ensemble und dem Orchester der Bad Hersfelder Festspiele gestalten am Sonntag, 1. September, ab 20 Uhr in der Stiftsruine dieAbschlussgala . Versprochen wird ein zauberhaftes, außergewöhnliches Konzert mit klassischen und modernen Orchesterstücken, Film- und Theatermusiken, Soli, Duetten und hinreißenden Ensemble-Nummern.

Im Rahmen der Abschluss-Gala wird außerdem der begehrte Zuschauerpreis verliehen. 

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