„Ein anderer Sommer“

Ilja Richter in Bad Hersfeld: Techtelmechtel mit Ingrid Steeger

Auf der Bühne der Stiftsruine stehen Ilja Richter (rechts) und sein musikalischer Begleiter Harry Ermer.
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Virtuoses Zusammenspiel: Ilja Richters „Lieblingslieder“ begleitete in der Stiftsruine sein kongenialer musikalischer Partner Harry Ermer (links).

Seine „LIeblingslieder“ präsentierte Entertainer Ilja Richter im „Anderen Sommer“, dem Alternativprogramm der Bad Hersfelder Festspiele.

Bad Hersfeld – Das Publikum in der Stiftsruine war „Disco“, es war „Wenn die tollen Tanten kommen“, und es war ein bisschen „My Fair Lady“ – folglich überwiegend gesetzteren Alters. Also genau richtig für eine Zeitreise aus den späten Sechzigern mit langem Aufenthalt in den 70er Jahren bis ins Heute, wenn man zurückschaut auf das, was gewesen ist und auf das, was man selbst erlebt hat.

„Lieblingslieder“ hat Ilja Richter sein neues Programm betitelt, das im „Anderen Sommer“ von Bad Hersfeld als Vorpremiere zum allerersten Mal auf der Bühne gezeigt wurde. Wer allerdings eine schlichte Song-Revue mit den Gassenhauern von früher erwartete, der ist in seiner Wahrnehmung über Disco-Ilja nicht hinausgekommen.

��Licht aus! Wrooommm! Spot an! Ja!“ – das gehörte schon dazu, denn Richter kokettiert natürlich auch mit diesem Teil seiner Vergangenheit und lässt seine Zuhörer sogar am Techtelmechtel mit einem Go-Go-Girl namens Ingrid Steeger teilhaben, die an diesem Abend im Parkett sitzt und fröhlich ins Publikum winkt. „Ich war nachher immer noch Jungfrau“, versicherte Ilja Richter, dessen sexuelles Erwachen durch Filmrollen in Frauenkleidern am Wörthersee nicht gerade erleichtert wurde.

Doch das leicht Schlüpfrige ist in Richters Programm nur eine Randerscheinung. Vielmehr zeigt er im steten Wechsel zwischen Live-Gesang und Einspielungen aus der als Röhrenradio getarnten Musikanlage ganz seriös, wie sich Pop und Rock in der Klassik bedient haben und wer hinter den Songs bekannter Interpreten steckt. So kommen hier auch Komponisten und Textdichter zu Ehren, deren Namen nur Fachleuten geläufig sind.

Für fließende Übergänge sorgt das Zusammenspiel mit seinem „musikalischen Leiter“ Harry Ermer, der meist am Flügel sitzt, aber auch Ukulele, Akkordeon und Mundharmonika virtuos bedient. Von Bach zu Bob Dylan, von Mozart zu Suzi Quatro oder umgekehrt oder ganz anders – die Querverweise und Bezüge versprüht Ilja Richter im Sekundentakt.

Dazu bewegt er sich mit der Grandezza eines älteren Herrn, mit dem die Zeit freundlich umgegangen ist. Dass er sich der 70 nähert, merkt man Richter nicht an. Auch nicht in den immer wieder aufscheinenden Ilja-Momenten, wenn sein Wortwitz im lausbübischen Unterton rüberkommt. Dann hört man auch aus den Zuschauerreihen genießerische Laute, die zeigen, dass Richter den Nerv getroffen hat.

Am Ende des fast zweistündigen Reigens wird’s mit Erinnerungen an Kurt Tucholsky noch ein bisschen ernster, bevor mit „Hakuna Matata“ und Georg Kreislers „Mein Weib will mich verlassen“ heitere Schlusspunkte gesetzt werden. Applaus gibt es für die „Lieblingslieder“ reichlich, die meisten Zuhörer erheben sich von ihren Plätzen.

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