Landrat Dr. Michael Koch zieht Bilanz und will wieder antreten

„Ich ducke mich jetzt nicht ab“

Das Bild zeigt Dr. Michael Koch beim Skilift auf dem Eisenberg bei Neuenstein. Koch trägt einen Anzug und steht auf einer Wiese. Er zeigt, wo er als Kind Ski laufen gelernt hat.
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Er will’s noch mal wissen: Dr. Michael Koch will bei der Landratswahl 2021 wieder antreten.

Dr. Michael Koch ist seit fünf Jahren Landrat im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Er will 2021 wieder zur Wahl antreten, kündigt er im Interview an.

Herr Landrat Dr. Koch, Sie sind seit fünf Jahren im Amt. Waren das gute Jahre für unseren Landkreis?

Es waren absolut gute Jahre. Wirtschaftlich, aber auch, was das Voranbringen des Landkreises angeht. Ich hatte es allerdings leichter als mein Vorgänger Dr. Karl-Ernst Schmidt, denn die finanzielle Unterstützung von Land und Bund hat uns geholfen. Aber wir haben auch unsere Hausaufgaben gemacht. Außerdem haben wir die Flüchtlingskrise gemeistert und die Corona-Pandemie glücklicherweise bislang gut im Griff.

Trotzdem ist Ihnen vermutlich nicht zum Feiern zumute. Das Klinikum steckt in der tiefsten Krise seines Bestehens. Welche Mitverantwortung tragen Sie daran?

Ich trage als Aufsichtsratsvorsitzender natürlich meinen Teil der politischen Verantwortung, würde meine Empfehlung von damals zum Erwerb des HKZ gegenüber dem Kreistag aber auch heute wiederholen. Dass sich die Rahmenbedingungen im Krankenhauswesen so entwickeln, war nicht absehbar, und mein unmittelbarer Einfluss auf wirtschaftliche Erfolge ist begrenzt ...

...und was heißt dann politische Verantwortung?

Ich bin demokratisch gewählt, und ich stelle mich demokratischen Wahlen. Jeder, der meint, ich hätte Fehler gemacht, kann das bei der Wahl zum Ausdruck bringen. Trotzdem hoffe ich natürlich weiterhin auf das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.

Sie stellen sich also erneut zur Wahl als Landrat?

Ich werde mich, wenn es schwierig wird, nicht abducken, also: ja!

Die Übernahme des HKZ bleibt trotzdem ein Maluspunkt. Dabei haben Sie mit diesem Projekt seinerzeit ja sogar Ihre politische Zukunft verbunden.

Und deshalb bleibe ich auch dabei: Die Übernahme im Jahr 2016 war und ist ein Husarenstreich. Wir haben das Herz- und Kreislaufzentrum damals vor der Insolvenz gerettet. Ein anderes verbindliches Angebot gab es nicht, und die Rettung stand auf Messers Schneide. Wir sind damals den richtigen Weg gegangen, natürlich auch, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Leider haben sich inzwischen die Rahmenbedingungen des Gesundheitssektors dramatisch verändert. Trotzdem war es richtig, unser kommunales Klinikum zu erhalten. Jedoch ist leider das Klinikum wirtschaftlich insgesamt nicht erfolgreich. Dafür übernehme ich meinen Teil der Verantwortung, wenngleich ich weder beim Aufsichtsrat noch bei der damaligen Geschäftsführung Fehler erkennen kann.

Wie ist Ihre sonstige Bilanz der Amtszeit: Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie an die vergangenen Jahre zurückdenken?

Stolz bin ich auf viele kleine Dinge und insbesondere auch auf die Mitarbeitenden der Kreisverwaltung, die bei der Krisenbewältigung zum Teil über sich hinausgewachsen sind. Wenn ich konkrete Projekte benennen soll, dann sind es die Umsetzung des Pakts für den Nachmittag in unseren Schulen und das Projekt Breitband Nordhessen, bei dem wir mehr als 2000 Kilometer Glasfaser verlegt und alle Dörfer angeschlossen haben.

Das war aber ja nicht nur Ihr Verdienst.

Genau, und ich bin deshalb auch sehr zufrieden mit der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz. Wir haben zwar teilweise durchaus unterschiedliche Ansichten, aber dennoch immer die Gemeinsamkeiten gesucht und auch gefunden. Auch die Zusammenarbeit im Kreisausschuss und mit den Bürgermeistern, gerade in der Corona-Krise, war sehr gut. Die Bürgerinnen und Bürger können stolz sein auf ihre Bürgermeister – und zwar auf jeden einzelnen.

Was ist Ihnen sonst noch misslungen in den vergangenen fünf Jahren?

Es gab natürlich die eine oder andere Enttäuschung bei persönlichen Dingen und manchen Projekten. Beruflich aber fast nichts! Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden.

Gab es Momente, in denen Sie bereut haben, Landrat geworden zu sein?

Nicht, dass ich mich erinnern könnte. Gelegentlich hat mich diese Aufgabe an meine Leistungsgrenzen geführt und mein Privatleben hat sehr gelitten. Trotzdem hat es mir immer auch viel Spaß gemacht.

Durch Corona sind die Karten neu gemischt worden. Hat das Virus auch Ihre Arbeit und die persönlichen Prioritäten verändert?

Ein stückweit schon. Ich habe Maßnahmen angeordnet, die ich als Jurist nicht für möglich gehalten hätte. Wir erleben im Moment nicht eine partielle Krise, sondern eine Erschütterung unserer gesamten Gesellschaft. Und trotzdem bin ich sicher: Wir leben weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Das ist vor allem der Verdienst unserer fleißigen Bürgerinnen und Bürger, aber in dieser Krise hat auch die Politik die richtigen Weichen gestellt.

Ist es angesichts der Corona-Krise und der extrem hohen Kosten richtig, den Anbau am Landratsamt zu verwirklichen?

Absolut! Wir brauchen diese zusätzlichen Räume. Wir brauchen die erhöhte Effizienz eines zentralen Standorts, von der Mitarbeitende und Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen profitieren. Das wird auch energetisch sehr viel günstiger sein. Und ich bin weiterhin sehr zuversichtlich, dass wir den Kostenrahmen halten können. Alle Ampeln stehen momentan auf Grün.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in einer weiteren Amtszeit setzen?

Zunächst habe ich ja noch ein Amtsjahr vor mir und will daher noch nicht in den Wahlkampfmodus verfallen. Wir haben noch einige Aufgaben zu erledigen und müssen die Corona-Krise, ihre Folgen, aber natürlich auch die Entwicklung am Klinikum bewältigen. Dennoch habe ich bereits konkrete Ideen, die ich in den kommenden Jahren gerne umsetzen würde.

Sie sagten eben, Ihr Privatleben habe gelitten: Ist während Ihrer Amtszeit immer genug Zeit für die Familie geblieben?

Leider nein. Ich muss zugeben, dass das nicht so gut geklappt hat, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich bin inzwischen geschieden. So bedauerlich das ist, hat es mir aber auch die Entscheidung leichter gemacht, eine erneute Kandidatur anzustreben und mich voll darauf zu konzentrieren, den Landkreis weiter nach vorn zu bringen.

(Von Sebastian Schaffner und Kai A. Struthoff)

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