Sommerinterview

„Ich brenne für dieses Projekt“ - Bürgermeister Volker Jaritz aus Breitenbach/H. über das Naherholungszentrum

Freut sich, dass die Breitenbacher sich so stark für die Gemeinschaft engagieren, zum Beispiel beim Umbau des Bürgerhauses: Bürgermeister Volker Jaritz.
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Freut sich, dass die Breitenbacher sich so stark für die Gemeinschaft engagieren, zum Beispiel beim Umbau des Bürgerhauses: Bürgermeister Volker Jaritz.

Nach monatelanger krankheitsbedingter Abwesenheit ist Breitenbachs Bürgermeister Volker Jaritz froh, endlich wieder arbeiten zu können.

Breitenbach am Herzberg - Im Interview berichtet Jaritz über neue Projekte und wie die Gemeinde finanziella aufgestellt ist.

Herr Jaritz, wie ist denn die Gemeinde Breitenbach bisher durch die Corona-Pandemie gekommen?
Im Großen und Ganzen ist unsere Bevölkerung gut davongekommen. Wir hatten keine Todesfälle und keine schweren Erkrankungen in der Gemeinde. Wir hatten weder in der Verwaltung noch in der Kindertagesstätte oder im Bauhof coronabedingte Ausfälle. Besonders schwierig war es natürlich mit der Betreuung der Kinder in der Kindertagesstätte. Da kann ich den Kolleginnen und Kollegen nur ein großes Lob aussprechen. Das haben sie hervorragend gemeistert. Ein Lob geht auch an die Eltern. Die hatten großes Verständnis für die Lage und haben die Kinder soweit möglich zuhause betreut. Das fand ich richtig gut.
Breitenbach gilt ja als Musterbeispiel dafür, dass auch kleine Gemeinden gut wirtschaften können. Wie sieht es zurzeit mit dem Haushalt und den Finanzen aus?
Auch hier ist unsere Lage gut. Wir haben inzwischen den geprüften Jahresabschluss für 2019 vorliegen. Dort wird der Gemeinde, wie auch schon in den letzten Prüfberichten, eine positive Entwicklung bescheinigt. Wir haben auch fristgerecht unseren Abschluss für 2020 abgegeben. Bei der Genehmigung des Haushalts 2021 gab es keine Probleme, nur ein paar Anregungen. Im Großen und Ganzen bin ich mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde sehr zufrieden. Wir werden auch den Haushalt 2022 fristgerecht vorlegen. Bei der Gewerbesteuer gab es keine Einbrüche. Selbst wenn, hätten die die Gemeinde nicht in Schieflage bringen können. So groß sind die Summen nicht. Unsere größten Gewerbesteuerzahler sind in der Baubranche zu finden – da wurde ja weiter gearbeitet.
Das große Projekt in der Gemeinde ist zurzeit das Naherholungszentrum am Silbersee. Wie ist da der aktuelle Stand?
Der Bauantrag ist gestellt, der Fördermittelantrag ebenfalls. Das Geld ist in Aussicht gestellt. Die Förderquote liegt bei so einer finanzschwachen Gemeinde wie wir es sind bei 75 Prozent. Im Moment sind wir in einem Findungsprozess, wie es genau werden soll. Wir wollen keinen Luxus bauen, wir wollen das Geld unserer Steuerzahler nicht verbraten. Wir wollen eine adäquate, sich in das Landschaftsbild gut einfügende Architektur schaffen. Das wird uns gelingen. Der Gemeindevorstand hat in den vergangenen Monaten an den Entwürfen akribisch gefeilt und immer wieder Änderungswünsche eingebracht, die dann auch vom Architekten berücksichtigt wurden. Wir gehen sparsam mit dem Geld um, auch was die Gestaltung des Gebäudes betrifft, Aber wir werden auch nicht einfach eine Bockwurstbude dort hinsetzen.
Wie kann eine kleine Gemeinde mit relativ begrenzten finanziellen Mitteln so ein Großprojekt stemmen?
In Folge von Corona und der Kostenexplosion am Bau wird das Projekt etwas teurer, als es bei den ersten Kostenschätzungen aussah. Jetzt müssen wir sehen, ob wir auch die Folgekosten in den kommenden Jahren tragen können. Dazu dient auch ein Kostengespräch, das demnächst stattfinden wird. Kostengespräche haben den Vorteil, dass sie die Gemeinde erst mal nichts kosten. Aber man kann gemeinsam mit den Firmen ermitteln, womit ungefähr zu rechnen ist. Davon ziehen wir die Fördermittel ab, die wir bekommen und dann steht da der Eigenanteil der Gemeinde. Das schaffen wir natürlich nicht ohne Kreditaufnahme.
Wie soll sich der Tourismus in Breitenbach weiter entwickeln?
Wir stehen im Regionalplan Nordhessen als bevorzugter Standort für den Tourismus. Unsere Topografie lässt keine großflächigen Ansiedlungen von Gewerbe oder Industrie zu. Unsere Standbeine sind deshalb die Wohnqualität und der Tourismus, und den wollen wir ein Stück weit nach vorne bringen. Wir haben in den letzten 50 Jahren am Silbersee nicht viel investiert. Es wird höchste Zeit, dass nun die Voraussetzungen geschaffen werden, um einen guten Tourismus nach Breitenbach am Herzberg zu bringen. Wir haben ein ganzheitliches touristisches Entwicklungskonzept auf den Weg gebracht und der Gemeindevertretung vorgestellt. Mit dem neu gestalteten Naherholungszentrum wollen wir auch Marketing betreiben – über die Grimm-Heimat, das Rotkäppchenland und den Knüll. Wir sind kurz vorm Durchbruch. In diesem Jahr werden wir auf jeden Fall noch beschließen, wie wir bauen und in die Ausführungsplanung gehen. Nächstes Jahr werden wir mit dem Bau beginnen. Sie merken schon: Ich brenne für dieses Projekt!
Wie sieht’s mit den anderen Bauprojekten in Breitenbach aus?
Die Bürgerbegegnungsstätte in Oberjossa ist fast fertig. Die Fußböden sind drin, die Wände gestrichen, die Decken fertig. Die finalen Installationen werden gemacht. Es fehlen noch die Türen. Die Bestuhlung, Küche und Theke werden noch angeschafft und dann kann’s losgehen. In dieses Projekt ist ein erheblicher Eigenanteil durch die Dorfbevölkerung geflossen. Über 6000 Stunden sind geleistet worden. Das ist enorm. Bis auf einzelne Gewerke ist das Projekt überwiegend in Eigenleistung verwirklicht worden. Im September werden noch die Außenanlagen erstellt.
Das Bürgerhaus in Breitenbach ist ebenfalls fertig, oder?
Dieses Jahr haben wir noch die Küche und die Toilettenanlage – ebenerdig und behindertengerecht – eingebaut und sind jetzt fertig. Auch hier ist der größte Teil der Arbeiten in Eigenleistung erbracht worden.
Eigenleistung gab es ja sogar beim Straßenbau.
Ja, bei der Kupferstraße, die jetzt ebenfalls fertiggestellt wurde. Wir haben über eine Länge von 400 Metern den Kanal und die Wasserleitungen sowie die Hausanschlüsse erneuert. Die Gehweganlagen haben wir unter Mithilfe der Bürgerschaft gebaut. Da haben alle mitgemacht. Wer nicht pflastern konnte, hat Kaffee gekocht oder Brötchen geschmiert. Es war immer ein Highlight, wenn in der Kupferstraße der Gehweg gemacht wurde. Jetzt wird abgerechnet und dann erhalten die Anlieger einen Beitragsbescheid. Wir haben noch eine Straßenbeitragssatzung, aber die Kosten werden relativ niedrig sein, weil ja so viele Eigenleistungen durch den Bauhof und die Anwohner erbracht worden sind. Wir haben immer alles mit den Bürgern abgesprochen.
Im Haushalt stehen auch das Feuerwehrgerätehaus in Machtlos und der Rathausplatz.
Für das Feuerwehrgerätehaus in Machtlos haben wir den Förderbescheid bekommen. Das müssen wir noch ein Jahr schieben, weil das Geld erst für 2023 zugesagt ist. Wir werden aber noch im nächsten Jahr die Planung auf den Weg bringen. Und dann ist da noch mein Rathausplatz, der seit 15 Jahren auf Erneuerung wartet. Aber erst mal wird sich der Bauhof den Dingen widmen, die liegen geblieben sind: Gräben räumen, Feldwege aufmachen, die Wasserversorgungsanlage in Gehau, der Feuerwehrlöschteich in Machtlos. Wir haben noch viel zu tun. Wenn dann noch Luft ist, werden wir im Oktober je nach Wetterlage den Rathausplatz endlich neugestalten. Aber unabhängig davon, ob’s draußen schön aussieht oder nicht: Hier wird der Bürger bürgerfreundlich behandelt.
Im Haushalt steht auch die Erneuerung des Riegelgrundstadions. Wie sieht es damit aus?
Darüber bin ich sehr traurig. Ich gönne allen, dass sie ihre Projekte gefördert kriegen. Es gab ein Programm, das nennt sich Sanierung von kommunalen Einrichtungen der Jugend, des Sportes und der Kultur. Dort haben wir einen Antrag eingereicht mit einem Plan, den ein Büro erstellt hat. Geplant hatten wir Erneuerungen im Wert von etwa 240 000 Euro für eine neue Laufbahn, die Weitsprunganlage und eine Multifunktionsfläche für den Breitensport. Leider haben wir für dieses Projekt eine Absage gekriegt, unter anderem mit der Begründung, es hätte den Wert von 500 000 Euro unterschritten und wäre deshalb nicht förderfähig. Aus eigenen finanziellen Möglichkeiten können wir das aber nicht schaffen. Ich habe interveniert, aber das hat leider nichts geholfen.
Seit der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind auch bei uns die kleinen Flüsse ins Blickfeld geraten. Besteht hier eine Überschwemmungsgefahr und was wird getan, um vorzusorgen?
Wir sind mit den Planungen für die Europäische Wasserrahmenrichtlinie durch. Jetzt fehlt nur noch die Umsetzung. Wir haben drei Fließgewässer, die Jossa, den Breitenbach und den Riegelbach. Am Breitenbach haben wir schon im Winter erhebliche Sanierungsmaßnahmen ausgeführt, um so wenig wie möglich Hochwasserpotenzial zuzulassen. Die letzte Überschwemmung hat Breitenbach erst vor einigen Jahren getroffen.
Ganz anderes Thema: Das Burg Herzberg-Festival ist schon zum zweiten Mal abgesagt worden. Hat das Auswirkungen auf die Gemeinde, außer dass alle traurig sind, dass es nicht stattgefunden hat.
Das Festival ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde Breitenbach am Herzberg. Wir sind glücklich, in unserer Kommune dieses wirklich tolle Fest zu haben. Natürlich profitieren die Geschäfte bei uns im Ort davon, aber das Festival hat keine erheblichen Auswirkungen auf die Finanzen der Gemeinde. Wir sind zuversichtlich, dass es 2022 wieder stattfinden wird.
Die Sommerferien sind schon fast rum. Wo haben Sie Ihren Urlaub verbracht?
Ich fahre schon seit 30 Jahren nach Portugal an die Algarve. Immer ins gleiche Dorf zu Freunden in eine schöne Ferienwohnung. Mein Sohn und ich lieben es, mit dem Boot auf der Lagune zu fahren und zu angeln. Da brauche ich keine Uhr. Die Leute in dem Ort freuen sich immer, wenn wir kommen. Es gibt kaum Tourismus, wir haben es nur mit Einheimischen zu tun. Ich habe auch schon etwas portugiesisch gelernt. (Christine Zacharias)

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