Wochenendporträt: „Ich bin ein Kind der Region“

Matthias Franz leitet das Amazon-Zentrum am Eichhof

Herr der Päckchen: Matthias Franz aus Seifertshausen leitet seit August das Amazon-Logistikzentrum FRA 1 am Eichhof in Bad Hersfeld. Die Abendschule und ein duales Studium ebneten den Weg dorthin.
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Herr der Päckchen: Matthias Franz aus Seifertshausen leitet seit August das Amazon-Logistikzentrum FRA 1 am Eichhof in Bad Hersfeld. Die Abendschule und ein duales Studium ebneten den Weg dorthin.

Matthias Franz ist seit 1. August Standortleiter des Amazon-Logistikzentrums FRA 1 am Eichhof in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld – Er arbeitet für einen Weltkonzern, mag aber auch die Ruhe auf dem Dorf: Matthias Franz ist seit 1. August Standortleiter des Amazon-Logistikzentrums FRA 1 am Eichhof in Bad Hersfeld, in dem rund 800 Mitarbeiter beschäftigt sind. Jetzt im Weihnachtsgeschäft sind es noch mehr.

Die Karriereleiter ist der 36-Jährige ziemlich schnell und zielstrebig emporgeklettert – einmal Standortleiter zu sein, das hätte er sich aber nicht erträumt. „Das wäre auch vermessen gewesen“, meint der Seifertshäuser bescheiden. „Meine Vorgänger waren echte Persönlichkeiten, vor denen ich sehr großen Respekt hatte.“ Auch sei sein Werdegang eher untypisch, denn nach der zehnten Klasse verließ er das Jakob-Grimm-Gymnasium, um eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann zu absolvieren. Sechs Jahre lang arbeitete er in dem Beruf, „doch irgendwann habe ich gemerkt, das kann nicht alles gewesen sein.“

An der Schule für Erwachsene holte er fortan an fünf Abenden in der Woche, parallel zum Job, das Fachabi nach – mit dem Ziel, ein duales Studium in der Fachrichtung Logistikmanagement bei Amazon und an der THM zu beginnen. Für Klausuren wurde am Wochenende gelernt. „Das war eine toughe Zeit, aber meine Lebensgefährtin und meine Familie haben mich gut unterstützt“, erzählt Franz.

Schon während des Studiums konnte er dann Verantwortung als Abteilungsleiter übernehmen und während seines ersten Weihnachtsgeschäfts habe er mit kommissioniert und gepackt. „Das zahlt sich heute aus, ich weiß, wovon ich spreche“, sagt der 36-Jährige mit Blick auf seine neue Position. „Die Mitarbeiter kennen mich und es gibt nur wenige Mitarbeiter, die ich nicht kenne.“ Ein gutes Miteinander sei wichtig, denn eines sei bei der Arbeit genauso entscheidende wie bei der Feuerwehr, wo er ehrenamtlich engagiert ist: Teamarbeit. „Das ist ja keine One-Man-Show hier“, meint er schmunzelnd und schiebt gleich hinterher: „So einen Laden kann man nicht allein führen.“

Dass sich bei Amazon alle duzen, damit kann der 36-Jährige gut leben, der auch sein Alter nicht unbedingt als entscheidendes Kriterium für den ihm entgegengebrachten Respekt betrachtet. „Bei Amazon gibt es viele junge Leute in Führungspositionen, das wird gut akzeptiert. Eine gewisse Lebenserfahrung sollte man aber natürlich haben. Es spielt auch keine Rolle, ob man männlich oder weiblich ist, wo man herkommt oder welcher Religion man angehört.“

Eine seiner Hauptaufgaben sei die Personalführung. „Die Prozesse müssen funktionieren und die Qualität muss stimmen, aber die meiste Zeit des Tages beschäftigen einen Personalangelegenheiten.“ Gerade jetzt spielten dabei auch die Themen Gesundheit und Sicherheit eine besondere Rolle. Was ihn an seinem Job besonders reizt? „Die Gestaltungsfreiheit.“

Bei aller Zielstrebigkeit sei ihm eines übrigens ebenso wichtig gewesen: „Ich wollte gern hier in der Umgebung bleiben. Ich bin ein Kind der Region.“ Auf die Hektik einer Großstadt könne er gut verzichten.

Auf Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon reagiert Franz gelassen, aber nicht gleichgültig: „Ich lade jeden ein, sich bei uns umzuschauen, viele sind dann positiv überrascht. Ich setze mich aber auch mit solchen Vorwürfen auseinander.“

Zur Person

Matthias Franz (36) kommt aus dem Rotenburger Stadtteil Mündershausen und lebt mit seiner Ehefrau inzwischen in Seifertshausen. Bei Amazon ist er seit 2009 beschäftigt, wo er zuletzt als „Senior-Operations-Manager“ im Warenausgang tätig war. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Freiwilligen Feuerwehr, in die er schon mit zehn Jahren eingetreten ist. Er ist Wehrführer für die beiden Ortsteile Seifersthausen und Dankerode. Franz ist gern in der Natur unterwegs und auf Reisen. 

FRA 1: Ältester Standort in Deutschland

Das FRA 1 ist das älteste und das kleinste Logistikzentrum von Amazon in Deutschland. Es ist von der Firma Kirchner gebaut worden und eröffnete am 6. September 1999. Im Oktober 2000 besuchte der Firmengründer Jeff Bezos das FRA 1 höchstpersönlich. Es ist inzwischen eins von zwei Zentren in der Kreisstadt. Seit Oktober 2018 hat man sich im FRA 1 auf die Lagerung und den Versand von Bier, Wein und Spirituosen spezialisiert. Im Sommer gab Amazon bekannt, dass der der Mietvertrag für die über 43 000 Quadratmeter Mietfläche bis 2033 verlängert wurde. Rund 13 Millionen Euro investiert der Onlinehändler aktuell in eine„Rundumerneuerung“. (Nadine Maaz)

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