Aus dem Gerichtssaal

Hose runter, Geld her: Drogensüchtiges Räuber-Duo attackierte Passanten

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Mit Überfällen und Einbrüchen haben sich zwei Drogenabhängige Geld zur Finanzierung ihrer Sucht beschafft. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Die Vorgehensweise war in allen drei Fällen ähnlich: Der Angeklagte und seine Komplizin lauerten Passanten auf, griffen von zwei Seiten an, einer zog dem Opfer die Hose herunter oder schlug zu, der andere schnappte sich die Geldbörse.

Wegen dieser allesamt im September vergangenen Jahres in der Innenstadt von Bad Hersfeld begangenen Raubüberfälle müssen sich seit gestern ein mehrfach vorbelasteter 33 Jahre alter Libanese aus Bebra und seine 25-jährige kasachische Freundin vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld verantworten.

Ihm werden zudem von Staatsanwältin Jessica Maier zwei Wohnungseinbrüche in Bad Hersfeld und Bebra vorgeworfen. In der Kreisstadt soll der 33-Jährige gemeinsam mit einem Komplizen Uhren, Goldschmuck und Bargeld im Gesamtwert von rund 10 000 Euro erbeutet haben.

Hintergrund der Taten war die langjährige Drogensucht beider Angeklagter, die etwa in gleicher Menge Heroin, Kokain und Benzodiazepine konsumierten. War kein Geld für den nächsten Rausch vorhanden, wurden sie zu Straßenräubern.

Dabei guckten sie sich Opfer aus, die gerade anderweitig beschäftigt waren. Einen Mann überfielen sie, kurz nachdem er am Markt am Geldautomat seine Barbestände aufgefüllt hatte, einen anderen, als er an seiner Hauseingangstür im Vorderen Steingraben mit dem Schlüssel hantierte. Mit einem Dritten hatten sie eben noch in einer Kneipe am Brink zusammen getrunken, als sie ihn draußen attackierten. Dieser Mann fiel durch Schlag oder Schubser so heftig zu Boden, dass er sich noch eine Platzwunde am Hinterkopf zuzog. Die Beute war in allen drei Fällen kaum der Rede wert, sie lag zwischen 20 und 150 Euro.

Deutlich mehr soll bei dem Einbruch in Bad Hersfeld herausgesprungen sein. Verteidiger Jochen Kreissl bezweifelte allerdings die Höhe des Verlustes für den 44 Jahre alten Wohnungseigentümer. Während bei der unmittelbar nach der Tat eingeleiteten Verfolgung der Einbrecher eine Tasche mit Schmuck, Uhren, Handys und anderen Gegenständen gefunden wurde, blieben die wertvollsten Stücke und 3500 Euro Bargeld verschwunden. Belege konnte der Bestohlene nicht vorweisen, versichert war er auch nicht.

Hinter Gittern fit, in Freiheit wieder süchtig

Im Prozess gegen 33-Jährigen aus Bebra geht es auch um die Steuerungs- und Schuldfähigkeit des Angeklagten zu den jeweiligen Tatzeiten. Ein Gutachter wird zu den Auswirkungen des Drogen- und Alkoholkonsums des Libanesen Stellung nehmen. Dazu passte auch die Aussage eines Polizisten, der die kriminelle Karriere des Bebraners seit vielen Jahren verfolgt: Hinter Gittern treibe dieser Sport und sei fit, zurück in der Freiheit verfalle er sofort wieder den Drogen.

Der Prozess wird mit der Vernehmung der Überfall-Opfer am Dienstag, 3. März, fortgesetzt. (ks)

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