Unterschiedlicher Umgang mit Taten

Hier Einsicht, dort Ausreden: Zwei Dealer vor dem Bad Hersfelder Jugendgericht

Zwei junge Männer müssen sich in Bad Hersfeld wegen massiven Rauschgifthandels vor Gericht verantworten.

Sie sind beide jung, sie haben beide ordentlich Mist gebaut, sie müssen sich beide wegen massiven Rauschgifthandels vor Gericht verantworten. Doch der Umgang der beiden Angeklagten mit ihrem kriminellen Tun, der hätte unterschiedlicher kaum sein können.

So erlebte das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld einen mittlerweile 22 Jahre alten Hersfelder, der nach seiner Entlarvung als Drogenlieferant im August 2018 – damals galt er noch als Heranwachsender – komplett die Karten auf den Tisch gelegt hatte. Auch jetzt vor Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock und den beiden Schöffen gestand der Angeklagte unumwunden ein, in nahezu 30 Fällen seine Kundschaft mit Marihuana und Kokain versorgt zu haben. Bei der Durchsuchung siener Wohnung stellte die Polizei 106 Gramm Kokain und 114 Gramm Marihuana sicher – beide Mengen übertrafen die Grenzwerte zum Verbrechenstatbestand.

„Ich hatte eine schwierige Phase und brauchte das Geld“, gab er eine ebenso schmucklose Erklärung ab. Tatsächlich hatte es Hersfelder, der keinen Schulabschluss hat, bisher nicht leicht: Aus gesundheitlichen Gründen musste er eine Ausbildung im Wunschberuf abbrechen und beginnt jetzt ein Praktikum in einer anderen Branche.

Wie ernsthaft sich der 22-Jährige um eine Perspektive bemüht, ergab sich aus dem Bericht seiner Bewährungshelferin. Selten habe sie einen so zuverlässigen Probanden erlebt, der sich schließlich sogar freiwillig einem Drogenscreening unterzog. Auch die Jugendgerichtshilfe bestätigte den positiven Eindruck.

Ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe verhängte das Gericht und, setzte sie aber für drei Jahre zur Bewährung aus. Die geschätzten Einnahmen von 3500 Euro aus den Drogendeals sollen eingezogen werden.

Weil der Hersfelder im vergangenen September wegen einer nach dem Drogenhandel begangenen Körperverletzung nach Erwachsenenrecht zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, laufen beide Strafen nun nebeneinander.

Ganz im Widerspruch zum allgemeinen Einvernehmen in diesem Fall stand das Verfahren gegen einen 19-jährigen Schüler aus Bad Hersfeld vor der Jugendeinzelrichterin. Auch er wurde von Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken angeklagt, in annähernd 30 Fällen gedealt zu haben. Dieser Angeklagte versuchte jedoch, sich mittelschlau herauszureden: Er räumte zunächst nur ein, was nach einer Einkaufsfahrt in die Niederlande bei der anschließenden Grenzkontrolle bei ihm gefunden wurde.

Von den zahlreichen Hersfelder Drogendeals – die meisten im Umfeld der Jahnhalle – wollte der Schüler hingegen nichts wissen. Erst als er mit seinen eigenen polizeilichen Aussagen und den Angaben von Zeugen konfrontiert wurde, gestand er, die Geschäfte „vermittelt“ zu haben. Dass er sich auch damit schon im Sinne der Anklage schuldig gemacht hatte, schien ihm nicht bewusst zu sein.

Weil der Hauptbelastungszeuge im Hinblick auf sein eigenes Verfahren von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, entschied Richterin Kilian-Bock, die Verhandlung auszusetzen und sie für einen späteren Zeitpunkt neu zu terminieren. Wenn der mutmaßliche Hauptkunde des Schülers in der Zwischenzeit verurteilt ist, muss er aussagen.

So hatte es Kilian-Bock auch schon für dieses Mal geplant: Doch der Prozess gegen den Drogenkäufer war im März dem Corona-Shutdown des Gerichts zum Opfer gefallen. ks

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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