Sommernachtsträumer

Heute Theater: Die Träumer erwachen

Tobias Stübing (links), bespricht die letzten Feinheiten. Im Hintergrund ist die Leinwand zu sehen, auf der Videos eingespielt werden. Mit der Kamera (Mitte) halten die Jugendlichen ihre Gedanken, Gefühle und Erlebnisse auf einem Videoblog fest. Foto: Alena Nennstiel

Bad Hersfeld. Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" zeigen die Sommernachtsträumer aus Bad Hersfeld heute im Audimax der Modellschule Obersberg.

Auf der Leinwand wechseln sich Videos von einer idyllischen Blumenwiese und niedlichen Katzenbabys ab. Und dann plötzlich das: Ein Junge, der onaniert, ist groß im Bild zu sehen.

Mit Brüchen wie diesen erzählen die Sommernachtsträumer in der Inszenierung von Tobias Stübing das Stück „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind aus heutiger Sicht. Ein Stück mit vielen Rollen und Jugendlichen hat Stübing gesucht und es in Wedekinds 127 Jahre alter Kindertragödie gefunden. Die Probleme, auf die das Stück aufmerksam macht, haben aber auch heute nicht an Aktualität verloren, so Stübing. Im Gegenteil: Sie sind aktueller den je.

In Zeiten des Internets sind Pornografie und Sex für Jugendliche frei zugänglich. Deswegen spielt auch heute sexuelle Aufgeklärtheit eine wichtige Rolle. „Genau das muss gezeigt werden!“, sagt Stübing. Das zu kurze Kleid aus Wedekinds Stück ist in Stübings Inszenierung ein Gothic Outfit. Neben häuslicher Gewalt, Leistungsdruck in der Schule und gesellschaftlicher Unaufgeklärtheit geht es aber auch um Themen, die Jugendliche heute beschäftigen, wie Haare färben, Selfies und Kirmes.

Daneben werden aber auch die großen Fragen thematisiert: Was ist der Sinn des Lebens, Generationenkonflikt und Suizid. Für die Truppe, die zwischen 18 und 38 Jahre alt ist, ist die Pubertät noch nicht allzu lange her, die Probleme sind nicht so weit weg.

Um eine Szene mit Schauspieler Sebastian Achilles zu drehen, sind Tobias Stübing und Meret Semsch, die die Rolle der Wendla übernimmt, extra nach Berlin gefahren. Auch diese wird auf der Leinwand gezeigt. Die Proben gestalteten sich schwieriger als gedacht, weil einige der Schauspieler noch parallel in den Festspielen mitwirken.

„Arbeit, Theater, Schlafen- und am nächsten Tag wieder dasselbe“, sagt Niels Gerst, der die Rolle des Hans spielt. Das Stück verlangt viel ab von den jungen Schauspielern. Der Stoff ist schwierig, es geht um ein schambesetztes Thema.

Die Sommernachtsträumer aber sind sich einig „alles nur gespielt, was soll also das Theater?“. Michaela Berwanger, die die Ilse spielt, zieht auf der Bühne ihr Oberteil aus. „Am Anfang war das schon ungewohnt - aber das ist Theater“, sagt sie. Auch Niels Gerst und Lennart Fink, die Hans und Ernst spielen, kommen sich auf der Bühne näher. Ihre Figuren entwickeln homosexuelle Neigungen. Sie haben sich im wahrsten Sinne des Wortes „rangetastet“ an die Szene, erzählen sie.

Auch im Stück fragen sich die Jugendlichen: „Ist das Schamgefühl nur ein Produkt der menschlichen Erfindung?“ Für die Sommernachtsträumer jedenfalls ist das kein Problem.

Joachim Götz ist mit 65 der Älteste der Truppe. Aber auch für ihn ist immer eine „Opa Rolle“ dabei, die er besetzen kann, sagt er. Als ehemaliger Lehrer hat Götz schon viel Erfahrung mit Jugendlichen im Theater sammeln können. Trotzdem ist er immer wieder fasziniert von der exzellenten Leistung der Laien, wie er sagt. „Ich kriege eine Gänsehaut“.

Nach rund eineinhalb Monaten Probenzeit feiert das Stück heute, 25, August,  um 20 Uhr im Audimax der Modellschule Obersberg Premiere. Tickets sind an der Abendkasse erhältlich.

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