Drei Fragen, drei Antworten

Hessenwahl: Das sagen die Vertreter der Wahlkreise Hersfeld und Rotenburg

Hersfeld-Rotenburg. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg wird künftig durch fünf Landtagsabgeordnete in Wiesbaden vertreten. Wir haben am Tag nach der Hessenwahl mit ihnen gesprochen. 

Bereits am Wahlabend stand fest, dass Lena Arnoldt (CDU) und Torsten Warnecke (SPD) in den Wahlkreisen 10 (Rotenburg) und 11 (Hersfeld) die Direktmandate errungen haben und Kaya Kinkel (Grüne, Hersfeld) sicher über die Landesliste einzieht. 

Am Montag wurde überraschend bekannt, dass auch Karina Fissmann (SPD, Rotenburg) und Gehard Schenk (AfD, Rotenburg ) über die Landesliste nach Wiesbaden kommen.  

Wir haben den Abgeordneten des künftigen Landtages jeweils drei kurze Fragen gestellt.

Lena Arnold (CDU): Mehr auf die Basis hören

Lena Arnoldt (CDU)

Frau Arnoldt, mit rund 400 Stimmen Vorsprung haben Sie das Direktmandat im Wahlkreis 10 geholt. Warum ist es so knapp geworden?

So knapp hätte ich es nicht erwartet. Ich habe mir schon Vorteile wegen meiner Abgeordnetentätigkeit versprochen. Leider wurde das nicht honoriert. Der Wähler hat die Große Koalition abgestraft und am Ende auch mich.

Welche Lehren muss die CDU aus diesem Ergebnis ziehen?

Es muss ein Erneuerungskurs stattfinden. Dazu müssen wir uns an der Basis umhören und uns auch Gedanken machen, warum so viele unserer Wähler zur AfD abgewandert sind.

Welche Koalition bevorzugen Sie für die kommende Legislaturperiode?

Ich würde gerne an Schwarz-Grün festhalten. Eine Jamaika-Koalition würde zwar den Wählerwillen besser darstellen, aber mit der FDP könnte eine Zusammenarbeit schwierig werden. In Umwelt- und Wirtschaftsfragen liegen wir weit auseinander.

Torsten Warnecke (SPD): Wahlkreisreform ist absurd

Torsten Warnecke (SPD)

Herr Warnecke, bleibt der unbeliebte Neuzuschnitt des Wahlkreises 11 denn nun erhalten? 

Wir kommen um eine Wahlkreisreform in Hessen nicht herum, weil die Unterschiede zu groß sind. Das gibt auch der Staatsgerichtshof vor. Wenn man das klug macht, macht man es mit allen Parteien, bindet alle ein. Ich gehe davon aus, dass dann entweder nicht nur Eiterfeld aus dem Landkreis Fulda rausgeschnitten wird oder Eiterfeld zurückkommt. Denn alles andere ist absurd.

Wie haben Sie den Wahlkampf im Wahlkreis 11 mit neuem Zuschnitt erlebt? 

Ich kann mich nicht beklagen, wir hatten keinen unfairen Wahlkampf. Was gefehlt hat, ist eine große öffentliche Diskussionsrunde. Aber es gab schon Themen, die die Wähler gepackt haben – zum Beispiel die Straßenausbaubeiträge, das merkte man auch bei Veranstaltungen.

Wie geht’s in Hessen weiter?

Ich glaube nicht, dass die SPD von der CDU gewollt ist. Ich glaube auch nicht, dass es die SPD mit der CDU machen sollte, falls Schwarz-Grün nicht klappt.

Kaya Kinkel (Grüne): Regierungsbildung nur über uns

Kaya Kinkel (Grüne)

Frau Kinkel, Sie sind seit 2017 im Landtag. Dennoch haben die Menschen den Grünen mehr Zweitstimmen gegeben als Ihnen Wahlkreisstimmen. Sind Sie enttäuscht? 

Ganz im Gegenteil. Da ich ja mit Platz 11 einen guten Listenplatz hatte, haben wir im Wahlkampf bewusst auf Zweitstimmen gesetzt.

Im Vergleich zum Landesergebnis haben die Grünen in Hersfeld-Rotenburg allerdings ein eher schwaches Ergebnis eingefahren. Woran liegt das? 

Im Land waren wir besser, ja, aber dennoch haben wir unsere Stimmen im Landkreis verdoppelt. Das ist ein Erfolg. Dass wir an den K+S-Standorten wegen der Kali-Problematik keine Rekordergebnisse erzielen werden, war vorher schon klar. 

Was wünschen Sie sich für die Koalitionsverhandlungen in Wiesbaden?

Das Gute ist, dass eine Regierungsbildung nur über uns geht. Wir sprechen mit allen in Frage kommenden Parteien. Eine Präferenz habe ich nicht. Mir geht es vor allem darum, möglichst viele unserer Themen setzen zu können.

Gerhard Schenk (AfD): Überrascht, aber gefasst

Gerhard Schenk (AfD)

Herr Schenk, so wie es aussieht, bekommt die AfD im neuen Landtag 19 Sitze. Sie stehen auf Listenplatz 19, haben es also gerade so nach Wiesbaden geschafft. Hätten Sie damit gerechnet? 

Nein. Ich bin noch ganz überrascht, aber gefasst. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe, die ich gerne annehme. Schließlich habe ich im Wahlkampf nicht mein Gesicht gezeigt, um mich dann zu schonen.

Wie hat Ihre Familie reagiert? 

Ehrlich gesagt habe ich noch gar nicht mit allen sprechen können. Ich laufe den ganzen Tag mit einem Stöpsel im Ohr herum, bekomme zahlreiche Anrufe. Darauf war ich nicht vorbereitet. Mein Sohn hat mir aber schon gratuliert.

Sie leben in Bebra, sind Mitglied des Kreistags – und bald auch im Landtag. Für welches Thema wollen Sie sich in Wiesbaden besonders einsetzen?

Ich bin breit aufgestellt und bringe mich dort ein, wo ich gebraucht werde. Die Themen Jugend und Sport würden mich sehr interessieren. Aber ich will mich auch für Landwirte einsetzen und dafür, dass junge Familien mehr finanzielle Unterstützung bekommen.

Karina Fissmann (SPD): Bund spielte eine große Rolle

Karina Fissmann (SPD)

Frau Fissmann, wann erfuhren Sie davon, dass Sie doch dem Landtag angehören werden? 

Beim Einschlafen am Sonntagabend war ich nicht im Landtag, nach dem Aufwachen am Montagmorgen stellte ich fest, dass ich zwanzig Glückwunschnachrichten auf meinem Telefon hatte.

Wie ordnen Sie das schwache Ergebnis der SPD in Ihrem Wahlkreis ein? 

Es tut mir leid. Die Politik im Bund spielte eine große Rolle für das schlechte Abschneiden.

Bevorzugen Sie die Rolle der Abgeordneten in der Opposition oder würden Sie lieber in einer der beiden möglichen Konstellationen regieren? 

Ich favorisiere gerade gar nichts. Für die SPD geht es momentan um ganz andere Probleme. Jetzt tagt zunächst der Landesparteirat.

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