Gautschen vor der HZ

Feucht-fröhlicher Brauch der Druckerzunft lebt am Hessentag auf

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Vor diesen Pranken gibt es kein Entrinnen: Tanja Schönfelder wurde bei der letzten Gautschfeier an der Gutenbergstraße als Gautschling tief und immer wieder eingetaucht.

Zum Hessentag wird ein alt-ehrwürdiger und handfester Brauch mit viel Nass und großer Gaudi aufleben.

Die Hoehl-Druck Medien+Service GmbH wird als Traditionsdruckerei in Kooperation mit der Hersfelder Zeitung das Ritual der Buchdruckerzunft, das Gautschen, am zweiten Hessentags-Samstag zelebrieren.

Beim Gautschen handelt es sich um die feuchtfröhliche Übernahme der Lehrlinge des grafischen Gewerbes in den Gehilfenstand. Der Brauch führt bis ins 16. Jahrhundert zurück. Dem Gautschling wird zunächst vom sogenannten Schwammhalter der Staub der Lehrzeit abgewaschen. Danach wird er von den Packern durch mehrfaches Eintauchen in einen großen Wasserkübel am ganzen Körper gereinigt und so von den schlechten Gewohnheiten der Lehrzeit befreit.

Danach verleiht der Gautschmeister den Gautschbrief, wodurch der Gautschling in alle von Kaiser Friedrich III. überlieferten Rechte und Pflichten eingesetzt wird. Das bedeutete seinerzeit, dass die Jünger Gutenbergs – angeblich – dem Adel und Gelehrtenstand gleichgestellt waren. Sie durften unter anderem Degen tragen und Gold mit sich führen.

Die letzte Gautschfeier in Bad Hersfeld fand Mitte der 90er-Jahre statt, als die Hersfelder Zeitung und Hoehl-Druck noch zu einer Firma gehörten. Als Gautschmeister fungierte damals der weit über die Stadtgrenzen von Bad Hersfeld hinaus bekannte Erwin Walk. Als „Baatsche Välde“ war er auch mit seinen regelmäßigen Mundartkolumnen in der HZ und seiner Mundharmonika eines der letzten Herschfeller Originale.

Die auch als Attraktion für den Hessentag gedachte Gautschfeier soll am Samstag, 15. Juni, um 15 Uhr vor dem Eingang des Verlagshauses der Hersfelder Zeitung am Benno-Schilde-Platz stattfinden. Der Eintritt ist frei und Publikum herzlich willkommen. Schadenfreude ist garantiert. In der Funktion des Gautschmeisters steht Peter Schütrumpf als Herr über die Packerknechte bereit.

Schwammhalter ist dann Georg Hebeler. Beide sind nach ihrer Ausbildung zum Schriftsetzer und seit ihren Gautschfeiern im Jahr 1967 Jünger der Schwarzen Kunst. Die tatkräftige Funktion der Packer wird von bereits gegautschten Druckergesellen ausgeführt. Der Bad Hersfelder Musikverein umrahmt die Feier bereits beim Anmarsch zum Gautschplatz und dann während der Zeremonie musikalisch.

Dem Vernehmen nach sollen auch Ehren-Gautschlinge aus den Reihen der Hersfelder Zeitung auf den Ruf hin „Packt an!“ tüchtig eingetaucht und so von ihren schlechten Gewohnheiten gereinigt werden. red

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