Friedensinitiative will sensibilisieren

Bundeswehr soll beim Hessentag keine Waffen präsentieren

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Wollen aufmerksam machen und planen Protest: Lucas Sichardt (links) und Dr. Wolfgang Thon von der Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg. Sie stören sic h an der ihrer Meinung nach dominanten Präsenz der Bundeswehr beim Hessentag in Bad Hersfeld, vor allem an der Waffenschau und der Werbung bei Minderjährigen. Die Bundeswehr ist beim Landesfest gleich an mehreren Orten vertreten, wie hier an der Ecke Dippelstraße/Benno-Schilde-Straße.

Bad Hersfeld – Gulaschkanone ja, Waffenschau nein: Der Friedensinitiative im Kreis ist die „dominante Präsenz“ der Bundeswehr beim Hessentag in Bad Hersfeld ein Dorn im Auge.

Sie hat deshalb Organisationen und Einzelpersonen dazu aufgerufen, ein Aktionsbündnis zu bilden und gemeinsam eine Protestaktion zu initiieren.

Ein erstes Planungstreffen hat bereits stattgefunden, nun gehe es darum, über die konkrete Form des Protests zu beraten, wie Lucas Sichardt berichtet, der die Friedensinitiative federführend im Organisationsteam vertritt. 36 Teilnehmer hätten sich an dem Planungstreffen beteiligt, nicht nur aus dem Landkreis, auch aus Marburg und Rüsselsheim. „Das Interesse war größer als erwartet“, freut sich Sichardt.

Vor allem an zwei Dingen stören sich die Friedensbotschafter: An der Zurschaustellung von Waffen, Panzern und anderen militärischen Großgeräten bei Volksfestatmosphäre und der „fragwürdigen Werbung“ bei Minderjährigen für den Dienst an der Waffe inklusive kostenfreier Ausflugsangebote für Schulklassen.

Kinder, die auf Panzer klettern oder mit Waffen spielen und posieren, möchten Sichardt und Dr. Wolfgang Thon in Bad Hersfeld nicht sehen. „Die jungen Leute werden über ihre Begeisterung für Technik und Sport angesprochen. Was die Waffen anrichten, wofür sie eigentlich da sind, das wird ebenso wenig thematisiert wie die politisch oft fragwürdigen Hintergründe der Einsätze“, heißt es in der Einladung zum Sondierungstreffen unter dem Motto „Friedlicher Hessentag“.

„Wir wollen sensibilisieren und die Öffentlichkeit aufmerksam machen“, erklärt Lucas Sichardt. Vor allem Eltern und Pädagogen wollen die Friedensaktivisten ansprechen, die auch mit den Verantwortlichen bei der Stadt noch einmal den Kontakt suchen wollen. Eventuell ließe sich ja eine Vereinbarung treffen, keine Kinder bei der Waffenschau zuzulassen.

Torpedieren wolle man den Hessentag nicht, betont Dr. Wolfgang Thon, wobei es ohnehin auch innerhalb der Friedensinitiative ein breites Meinungsspektrum gebe, was die Bundeswehr betreffe. Im Sinne des Friedens will sich die Initiative beispielsweise auch beim Festzug beteiligen. „Wir haben uns beworben, nun müssen wir sehen, was daraus wird“, sagt Thon.

Zum Thema Bundeswehr ist laut Sichardt auch ein Forum für Interessierte angedacht. Unter www.friedlicher-hessentag.de soll in Kürze aktuell über alle Planungen berichtet werden. Interessierte Lehrer, Eltern und andere können Lucas Sichardt außerdem unter Lucas.Sichardt@posteo.de kontaktieren. Bad Hersfelds Hessentagsbeauftragte Anke Hofmann betrachtet den geplanten Protest gelassen. Sie verweist zudem auf die Entscheidung der politischen Gremien als Grundlage für die Präsenz der Bundeswehr. 30 000 Euro stehen für die Beteiligung und das Programm der Bundeswehr im städtischen Haushalt, wobei die konkrete Summe nicht öffentlich ist.

Das sagt die Bundeswehr: "Sind uns der Verantwortung bewusst"

Beim Hessentag vom 7. bis 16. Juni wird die Bundeswehr an gleich mehreren Stellen in Bad Hersfeld vertreten sein, was den örtlichen Gegebenheiten geschuldet ist. Außerdem findet in Bad Hersfeld der Tag der Bundeswehr statt. 

In einer Stellungnahme zum Protest der Friedensinitiative teilt Sprecher Major Lars Renner unter anderem mit: „Die Bevölkerung hat ein Anrecht darauf, ihre Bundeswehr wahrzunehmen und mit den Soldatinnen und Soldaten sowie den Zivilbeschäftigten in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Daher beteiligt sich die Bundeswehr an Großveranstaltungen wie den Landestagen. So ist sie seit der ersten Ausrichtung des Hessentages einer der Aussteller. Sie beteiligt sich auch am Unterhaltungsprogramm. Dies alles dient der Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft. Mit der Ausstellung von Ausrüstung und Gerät wollen wir einerseits dem Interesse der Bevölkerung an der Bundeswehr entgegenkommen. Andererseits wollen wir aber auch den Arbeitgeber Bundeswehr vorstellen und über Karriere, Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung informieren. Hier sind uns junge Menschen ebenso wie lebens- und berufserfahrene Interessenten willkommen. Der Hessentag ist ein Familientag. Wir werden sicherstellen, dass in keinem Fall Minderjährige Handwaffen anfassen oder an Ziel- und Richteinrichtungen von Gefechtsfahrzeugen gelangen. Hier sind wir uns der Verantwortung und der pädagogischen Relevanz sehr bewusst."

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