Viel Festspielprominenz lebt in dem Stadtbezirk

Bad Hersfelds Vorort liegt am Berliner Prenzelberg

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Anja Karmanski, Hersfeldpreisträgerin von 1997, in ihrem Kiez im Prenzlauer Berg.

Bad Hersfeld hat so eine Art Außenstelle in Berlin. Im Bezirk Prenzlauerberg leben viele Menschen mit einem Bezug zur Festspielstadt. Wir haben einige von ihnen besucht. 

Als Hersfelder kennt man das. Fern der Heimat zu erklären, wie bedeutend Bad Hersfeld ist und wo die Stadt liegt. Zwischen Frankfurt und Kassel? Kirchheimer Dreieck? Amazon? Manchmal hilft auch der Hinweis auf die Bad Hersfelder Festspiele.

Dietmar Wolf, Technikchef der Festspiele.

Im Prenzlauer Berg in Berlin würde man damit allerdings offene Türen einrennen. Zwischen Prenzlauer Allee und Mauerpark trifft man erstaunlich oft auf Menschen, die einen direkten Bezug zum Theater in der Stiftsruine haben. Intendant Joern Hinkel hat eine Wohnung nahe des Helmholtzplatzes, und Dietmar Wolf, der Technische Leiter des Hersfelder Theaterbetriebs, ist in der Heinrich-Roller-Straße zuhause.

Oder Anja Karmanski: Die Hersfeldpreisträgerin von 1997 wohnt mit Blick auf den Wasserturm an der Rykestraße. Sie schwärmt immer noch von ihren beiden Festspielsommern in Bad Hersfeld und würde liebend gerne wiederkommen.

Karmanski war unter Intendant Volker Lechtenbrink das Fräulein Kost in „Cabaret“ und im Jahr darauf die Columbia im Musical „Rocky Horror Show“.

Dass sie für diese Rolle ausgezeichnet wurde, sei damals ein Novum gewesen, erinnert sie sich, denn bei der Vergabe der Preise stand das klassische Schauspiel im Vordergrund. „Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, und war am Tag der Preisverleihung krank, sodass ich es nicht geschafft habe, in die Ruine zu kommen. An meiner Stelle ist dann Peter Heinrich, der das Stück inszeniert hatte, ans Mikro und hat mit piepsiger Stimme gesagt: Ich danke meinem Regisseur!“

Anja Karmanski hat seinerzeit den „Mikrokosmos“ eines Ensembles geschätzt, das viel Zeit miteinander verbrachte. „Wir haben uns in der Kantine Schwänke erzählt und haben gemeinsam etwas unternommen. Damals sind ja die wenigsten nach den Vorstellungen weggefahren.“

Als Zuschauerin ist Anja Karmanski immer mal wieder in Bad Hersfeld gewesen. Nur mit einem weiteren Engagement hat es zu ihrem Bedauern nicht geklappt. Stattdessen steht sie heute immer wieder vor der Kamera, so in Serien wie „Outlander“ von Netflix, „Rampensau“ oder „Bonusfamilie“.

Es gibt sogar „richtige“ Hersfelder im Prenzlauer Berg. In der Oderberger Straße

Christine Knauff war schon als 13-Jährige Festspiel-Fan. Heute betreibt sie in Berlin eine Schauspielschule.

betreibt Christine Knauff eine Schauspielschule für Film und Fernsehen. „Ich bin Festspiel-Fan, seit ich 13 war“, sagt sie und hatte sich von Anfang an vor allem für das Geschehen hinter der Bühne interessiert. Waren es zunächst nur Handreichungen für die Darsteller, als sie versteckt unter dem Tisch der „Jedermann“-Gesellschaft Stühle in die richtige Position brachte, so waren es von 1994 bis 1997 während der Intendanzen von Peter Lotschak und Volker Lechtenbrink schon alle möglichen Assistenz-Jobs bis hin zur Abendregie bei „Dantons Tod“, die ihr übertragen wurden. Entdeckt hat Christine Knauff ihre Theaterleidenschaft natürlich schon in der Schule in der AG von Lehrer Manfred Grund.

Danton-Regisseur Helmut Stauss war es dann, der ihr während des Studiums ein Praktikum am Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz vermittelte. Dort wurde Knauff prompt als Dramaturgin angestellt.

2006 ergab es sich, dass sich ihr Wunsch nach etwas Eigenem konkretisierte und mit Knauff Faible für die filigrane Arbeit an einzelnen Szenen verband. Weil es in Berlin zwar viele Schauspielschulen gab, aber kaum solche, die auf die Arbeit vor und hinter der Kamera spezialisiert waren, versuchte sich Knauff in diesem Bereich – mit Erfolg. „Starter“ heißt ihre Privatschule, die aktuell dabei ist, ihr Vollzeit-Ausbildungsangebot von zwei auf drei Jahre zu verlängern.

Obwohl sie am Prenzelberg längst heimisch geworden ist, kommt Christine Knauff immer wieder gerne nach Bad Hersfeld, etwa um ihren Bruder Martin zu besuchen. Und wenn Gelegenheit ist, dann natürlich auch, um in die Festspiele zu gehen.

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