44 Dienstjahre

Hersfelder Zoll-Urgestein Reiner Emmerich in den Ruhestand verabschiedet

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Regierungsrat Reiner Emmerich an seinem Arbeitsplatz in Bad Hersfeld. Reiner Emmerich als Zoll-Kommissar in Tann i.d. Rhön mit seinem Freund Eckhardt Olesch. Eine wahre Männerfreundschaft, die bis heute gehalten hat. 

Der Leiter der Vollstreckungsstelle des Zolls in Bad Hersfeld, Reiner Emmerich aus Obergeis ist jetzt nach 44 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet worden.

Der 63-jährige Regierungsrat wolle nun seine weitere persönlichen Lebensplanung in den Vordergrund stellen, heißt es in einer Pressemitteilung des Hauptzollamts Gießen.

Als er 1978 nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit eine Werbebroschüre in der Hand hielt, auf der ein durch ein Fernglas spähender Zöllner mit seinem Zollhund und im Tiefschnee steckenden Skiern abgebildet war, entschied er sich, Zollbeamter zu werden. „Mir hat die Arbeit vom ersten bis zum letzten Tag große Freude gemacht; egal wo das war, es war immer interessant und zuweilen auch spannend. Den Beruf würde ich jederzeit wieder ergreifen“, steht für Emmerich heute fest.

Regierungsrat Reiner Emmerich an seinem Arbeitsplatz in Bad Hersfeld.  

Nach einer dreijährigen Ausbildung im gehobenen Dienst an der Zollschule und einer Zwischenstation in Frankfurt war Emmerich ab 1983 an der innerdeutschen Grenze eingesetzt. Noch heute erinnert er sich gerne an Anekdoten aus der Zeit, in der er mit seiner Familie in einer Dienstwohnung über dem Zollkommissariat direkt an der Grenze wohnte.

Beispielsweise, als nachts zwei Flüchtlingen bei Philippsthal die Flucht durch die Werra gelungen war. Nach einem heißen Bad und mit warmer Kleidung von Reiner Emmerich ausgestattet und verköstigt, folgte die vorgeschriebene Vernehmung durch den pflichtbewussten Zollbeamten im Büro unterhalb der Wohnung.

Die Öffnung der Grenze brachte auch für den Zoll in Osthessen weitreichende Veränderungen. Der Grenzzolldienst wurde überflüssig, neue Perspektiven gesucht. So zentralisierte man in Bebra 1990 die Vollstreckungsarbeit aller Hauptzollämter in Hessen. Reiner Emmerich war von Anbeginn mit dabei und maßgebend am Aufbau dieser Zentralstelle beteiligt.

Die Herausforderungen und der Druck waren groß: das gesamte Personal hatte keinerlei Fachkenntnisse, die Umstellung von Karteikarten auf ein Computer-Verfahren musste erfolgen, erinnert er sich an zahlreiche Hindernisse. Die gelungene Einrichtung und Etablierung der Vollstreckungsstelle, die inzwischen in Bad Hersfeld 200 Menschen einen sicheren Arbeitsplatz bietet, sieht Emmerich als eines der bedeutendsten Ereignisse in seiner Laufbahn.

Auch als Lokalpolitiker hat Reiner Emmerich sich immer für die Stärkung der Region und den Erhalt von Dienststellen stark gemacht. Beim Zoll aber auch als Lehrbeauftragter für Vollstreckungsrecht an der Universität Kassel war er zudem immer wieder als Lehrender tätig.

Der Abschied fiel leise aus. Eine geplante Feier musste angesichts der aktuellen Situation verschoben werden, die Pensionierungsurkunde kam mit der Post.

Aber auch außerdienstlich war Reiner Emmerich ein aktiver Gestalter. So war er viele Jahre in seinem Heimatort und im Landkreis in vielen Ämtern in der Politik aktiv. Für sein ehrenamtliches Wirken für behinderte, kranke und sozial benachteiligte Menschen in verschiedenen Gremien des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen wurde er ausgezeichnet.

Reiner Emmerich hat zwei erwachsene Kinder, die beide beim Zoll arbeiten und zwei Enkelkinder. Familie war ihm immer wichtig. „Ich freue mich, jetzt mehr Zeit für meine Familie zu haben, insbesondere für meine beiden Enkel Eva (7) und Carl (4) und für meine Frau“.

Auch den bereits früher betriebenen Ausdauersport möchte er wieder intensivieren und hat schon Pläne dafür. So steht gemeinsam mit seinem langjährigen „Kumpel“ eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad für die Zeit nach der Corona-Krise auf dem Programm.

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