Schlägerei auf Parkplatz

Aussprache mit der Faust: Bad Hersfelder Gericht rätselt über Streit in Bebra

Symbolbild Gericht HNA
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"Verstehen Sie mich, das verstehe ich nicht": Auch Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock konnte ihre Ungläubigkeit über die Aussagen des Angeklagten und der Zeugen nicht verbergen. 

Viele Widersprüche, wenig Nachvollziehbares: Vor dem Bad Hersfelder Amtsgericht wird über eine Schlägerei unter jungen Türken in Bebra gerätselt. 

Vorläufig ohne Ergebnis blieb vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld ein Prozess, in dem es um eine Schlägerei unter jungen türkischen Männern auf dem Parkplatz eines Textilmarktes in Bebra ging. Zu widersprüchlich und wenig nachvollziehbar waren die Aussagen des Angeklagten und der Zeugen.

„Verstehen Sie mich, das verstehe ich nicht!“, sagte Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock ungläubig, als der 27 Jahre alte Geschädigte von seinem Verbleib am Tatort berichtete, obwohl sein aggressives Gegenüber gerade Verstärkung von seinen Freunden herbeitelefoniert hatte. Warum sich der Mann in diesem Moment nicht in seine nur wenige Meter entfernte Wohnung geflüchtet hatte, das verstanden auch die anderen Prozessbeteiligten nicht.

Das Unverständnis galt auch dem Anlass der Auseinandersetzung vom 9. Juni vergangenen Jahres, die bereits am Tag zuvor am Bebraer Baggerloch begonnen hatte. Dort ging es um eine WhatsApp-Botschaft, die der 27-Jährige angeblich an die Schwester eines weiteren Türken versandt hatte. Am Rande der Aussprache mit dem Bruder der Frau gerieten ein Arbeitskollege und ein Bekannter des Bruders, ein 22 Jahre alter Mechaniker, in Streit. Es hagelte Beleidigungen und später gab es Telefon-Terror seitens des Mechanikers.

Auch ein Messer soll zum Einsatz gekommen sein

Der 22-Jährige war es dann auch, der am nächsten Abend den 27-Jährigen zu einer erneuten Klärung der Meinungsverschiedenheiten auf besagten Parkplatz beorderte. Der Ältere leistete dieser Aufforderung nicht nur Folge, sondern ließ sich auch auf eine Auseinandersetzung in der dunklen Ecke der Lkw-Rampe ein. 

Dort soll der Mechaniker mit einem Messer auf ihn losgegangen sein, das ihm der 27-Jährige jedoch aus der Hand schlagen konnte. Ein paar Schubser und Schläge später hatte der Ältere seinen Widersacher im Schwitzkasten, nutzte die Gelegenheit aber immer noch nicht, um sich in Sicherheit zu bringen. Stattdessen erschienen neben zahlreichen Bekannten aus beiden Lagern nun auch die Brüder beider Beteiligter auf der Bildfläche und mischten mit.

Als wenig später die Polizei eintraf, hatte sich die Versammlung allerdings aufgelöst, auch das heruntergefallene Messer und ein kurzzeitig eingesetzter Stock fanden sich nicht mehr. Strafanzeige wurde dennoch erstattet.

Angeklagter: "Ich verstehe es ja selber nicht"

Die direkt Beteiligten der handgreiflichen Auseinandersetzung und ein Polizist sind vernommen, doch scheint der Sachverhalt noch nicht ausreichend aufgeklärt: Jetzt sollen weitere Zeugen vernommen werden, möglicherweise mehr als ein Dutzend. 

Die Verhandlung wurde deshalb unterbrochen und wird nächste Woche fortgesetzt, aber auch dann voraussichtlich noch nicht abgeschlossen. Bis Licht ins Dunkel kommt, steht das Unverständnis des Gerichts der Antwort des Angeklagten gegenüber: „Ich verstehe es ja selber nicht.“

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