Das Garn kommt aus Bad Hersfeld

Bad Hersfelder Festspiele: Die Stiftsruine hat ein neues Dach 

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Stoßen auf das neue Zeltdach an: Dietmar Wolf, Guido Gelbert, Joern Hinkel, René Türk (Gesellschafter der mertus GmbH), Bürgermeister Thomas Fehling und Harry Koblenz. Das Bild oben zeigt das neue Dach von oben. 

Die Stiftsruine als Austragungsort der Bad Hersfelder Festspiele hat ein neues Zeltdach bekommen. Präsentiert wurde es jetzt im Rahmen eines feierlichen "Richtfests".

Nur wer ganz genau hinschaut, wird es überhaupt bemerken: Den Zuschauerraum der Stiftsruine als Austragungsort der Bad Hersfelder Festspiele schützt ein neues Zeltdach. Es ist (noch) etwas heller, der Stoff ist flexibler und ein paar kleine technische Details sind verändert worden. Das Original-Design von Architekt Frei Otto allerdings ist beibehalten worden – und auch die 21 Motoren, die das Dach in wenigen Minuten ein- und ausfahren können, sind immer noch die ersten.

Das neue Dach von oben. 

„Dass sie jeden Winter sorgfältig gewartet werden, zahlt sich aus“, freut sich die kaufmännische Leiterin der Festspiele, Andrea Jung. Im Rahmen eines feierlichen „Richtfests“ wurde das neue Dach am Sonntagnachmittag an Ort und Stelle vor einigen geladenen Gästen präsentiert – darunter Vertreter von Stadt und Landkreis, der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine, der Freunde der Bad Hersfelder Festspiele und Sponsoren.

Prost: Intendant Joern Hinkel (stehend rechts im Bild) und einige Gäste heben die Gläser auf das neue Zeltdach in der Ruine.

„Es bietet Schutz, ohne einzuengen, und lässt Raum zum Atmen“, so Intendant Joern Hinkel in seiner kurzen Ansprache. „Man hat trotzdem den Eindruck, unter freiem Himmel zu sitzen.“ Das Zeltdach sei einer der wesentlichen Grundpfeiler der erfolgreichen Festspiel-Geschichte, und was heute eine Selbstverständlichkeit sei, „war damals eine Revolution.“ 

Fast wäre das neue Dach, das eine Spende der mertus GmbH als Hauptgesellschafterin der Hersfelder Filament Factory ist, wo auch das Garn hergestellt wurde, schon im vergangenen Jahr installiert worden, der Zeitplan war dann allerdings doch etwas zu sportlich (wir berichteten). An der Herstellung waren außerdem die Partner von The Filament Factory Low&Bonar sowie Velabran beteiligt. Das Zeltdach der Festspiele ist jetzt zum zweiten Mal erneuert worden.

Kein Richtfest ohne Kranz ...

Schon 1951 hatte die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine als Begründerin der Bad Hersfelder Festspiele Überlegungen angestellt, wie man die Ruine „wetterfest“ machen könnte. Gemeinsam mit der Landesregierung wurde 1958 ein Ideenwettbewerb nach den Regeln des Bundes Deutscher Architekten angestoßen und 1968 wurde schließlich der visionäre Entwurf von Dr. Frei Otto realisiert, der auch Architekt des Daches am Olympiapark in München ist.

Die rund 1600 Quadratmeter große Dachhaut hängt an 14 netzartig aufgespannten Drahtseilen, befestigt an einem einzigen 36 Meter hohen Mast. Die Konstruktion berührt das Gebäude nicht, und erfüllt somit die Auflage des Denkmalschutzes.

Die Neuinstallation war in der vergangenen Woche federführend von Bühnenmeister Harry Koblenz, Guido Gelbert und Uwe Tögl übernommen worden. Für Harry Koblenz dürfte das jährliche Anbringen ohnehin etwas ganz Besonderes sein: schon als Schüler hatte er das Geschehen fasziniert beobachtet, das damals vom Onkel eines Freundes betreut wurde.

Einen Richtspruch sprach am Sonntag der technische Leiter der Festspiele, Dietmar Wolf – denn der eigentlich eigens bestellte Zimmermann hatte kurzfristig abgesagt.

Ab 2. Mai wird in der Ruine mit dem Aufbau der Tribüne samt Bestuhlung begonnen. Das alte Dach ist übrigens in einem Container eingelagert worden – was daraus wird, ist noch offen. (nm)

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