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Hersfelder Festspiele: Iréna Flury spielt in „Goethe!“ die Lotte

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Von: Christine Zacharias

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Liebt vielschichtige Figuren: Iréna Flury singt und spielt die Lotte im Musical „Goethe!“
Liebt vielschichtige Figuren: Iréna Flury singt und spielt die Lotte im Musical „Goethe!“ © Christine Zacharias

Iréna Flury spielt in „Goethe!“, dem Musical der Bad Hersfelder Festspiele, die Lotte. Im Gespräch mit unserer Redakteurin erzählt sie über ihr Leben als junge Mutter.

Bad Hersfeld – Der erste Kaffee am Morgen ist für Iréna Flury ein fast schon religiöses Ritual. Den braucht sie, um gut in den Tag zu kommen. „Wir haben eine elektrische Bialetti-Maschine, die ist immer mit dabei“, erzählt die Schauspielerin und Sängerin.

„Wir sind Müsli-Esser“ beschreibt Flury ihre Frühstücksgewohnheiten. Haferflocken mit Milch und Früchten mag auch Sohn Theodor. Eigentlich liebt sie es, groß und ausführlich zu frühstücken, gerne auch im Café, doch dafür bleibt im Alltag mit Beruf und Kind und einem Mann, der oft schon mit einer Banane zum Frühstück zufrieden ist, meist keine Zeit.

Die Rolle der Lotte im Musical „Goethe!“ in Bad Hersfeld ist Iréna Flurys erstes Engagement, seit sie Mutter ist. Deshalb ist die ganze Familie mitgekommen. Während der Probenzeit und der Aufführungen kümmert sich ihr Mann um Sohn Theodor, auch ihre Eltern waren schon da, um zu helfen. Flurys Mann ist Amerikaner und selbstständig.

Während der Probenzeit hat er oft tagsüber den Sohn betreut und dann bis in den Morgen hinein nach amerikanischer Zeit gearbeitet. Und Iréna übernahm direkt nach der Probe die Kinderbetreuung. „Ich bin glücklich, dass ich das so machen kann“, sagt Flury. „Aber ohne Unterstützung ginge es nicht.“

Dass dabei ein wenig von ihrem Perfektionismus auf der Strecke geblieben ist, dass sie spontaner werden und immer auf die jeweilige Situation reagieren musste, empfindet sie als durchaus positiv.

Beruflicher Wiedereinstieg erleichtert

Erleichtert wurde ihr der berufliche Wiedereinstieg zudem dadurch, dass sie in eine fertige Produktion eingestiegen ist. Dadurch war die Probenzeit deutlich verkürzt. Allerdings sei es eine Herausforderung gewesen, sich in das fertige Stück einzufügen und der Rolle dennoch ein eigenes Profil zu geben, hat Iréna Flury festgestellt.

Genau das ist es, was sie an ihrem Beruf liebt – Personen und ihre Welt gemeinsam mit dem Regisseur und dem Ensemble zu entwickeln, sich in sie hineinzudenken und herauszuholen, was in der Figur steckt. „Vom Stimmtyp her bin ich die junge Liebhaberin“, sagt die Sängerin mit dem klaren Sopran.

Doch sie möchte mehr sein als nur das verliebte Mädchen. Also lotet sie ihre Figuren aus, fragt sich „Was noch?“ Lotte, zum Beispiel, sei bereit, gegen gesellschaftliche Strukturen aufzubegehren, bevor sie sich dann doch den Vernunftargumenten ihres Vaters beuge.

Lotte (Iréna Flury) entdeckt in Goethes Zimmer angefangene Liebesbriefe.
Lotte (Iréna Flury) entdeckt in Goethes Zimmer angefangene Liebesbriefe. © Steffen Sennewald

Mit der Figur der Lotte fühlt Iréna Flury sich sehr verbunden. Lottes Aufbegehren, ihre Sehnsucht nach Echtheit, nach wirklicher Liebe kann die Künstlerin gut nachvollziehen. Auch Lottes Mütterlichkeit, ihre Fürsorge für die jüngeren Geschwister, denen zuliebe sie ihre eigenen Pläne zurückstellt, ist Flury als Mutter eines einjährigen Sohnes vertraut.

Flury wünscht sich mehr vielschichtige Frauenfiguren im Theater und vor allem im Musical. Und sie wünscht sich, dass die Differenzierung im deutschsprachigen Raum, die Theater als Kunst anerkennt und Musical in den Bereich der leichten Unterhaltung einordnet, endlich aufgegeben wird, ebenso wie die Überzeugung, dass etwas, was Spaß macht, nicht anspruchsvoll sein kann.

Aus den USA, wo sie einen Teil des Jahres mit ihrem amerikanischen Mann lebt, kennt sie das ganz anders. Da hat Musical einen viel höheren Stellenwert und es wird selbstverständlich erwartet, dass das Publikum sich im Theater amüsiert.

Dabei ist Iréna Flury mit klassischer Musik aufgewachsen. Ihr Vater war Musiker bei den Wiener Philharmonikern, sie wollte ursprünglich Opernsängerin werden. Dann jedoch entschied sie sich für das Musical und arbeitet auch oft als Schauspielerin, weil sie nicht nur gerne singt, sondern auch leidenschaftlich gerne spielt und Rollen erarbeitet.

Was genau sie als nächstes tun wird, weiß Flury noch nicht. „Gerade laufen viele Verhandlungen“, sagt sie.

(Christine Zacharias)

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