Es gibt verschiedene Szenarien

Bad Hersfelder Festspiele brauchen ein Signal für 2021

Bad Hersfelder FestspieleCoronaAbsage 2020Programm 2021Foto: Karl Schönholtz
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Dann eben 2021 heißt es auf den Plakaten, die für die Saison 2020 vorgesehen waren.

Die Bad Hersfelder Festspiele benötigen ein Signal: Bis Mitte Oktober müssen die Theatermacher wissen, mit welchen Finanzmitteln der Stadt sie für die Saison 2021 rechnen dürfen.

Bad Hersfeld – Das teilte Intendant Joern Hinkel auf Anfrage unserer Zeitung mit. Anderenfalls drohen Probleme bei den Besetzungen, und der Start des Vorverkaufs Anfang November ist gefährdet.

Der Appell der Festspiele richtet sich in erster Linie an die Stadtverordnetenversammlung, die über den Haushalt und damit die Höhe des Zuschusses für die Festspiele entscheidet. Denn vom Engagement der Stadt hängt üblicherweise auch die Höhe der Zuwendungen anderer Förderer ab. Vorläufig planen Bund und Land mit den Beträgen des Vorjahres.

Das Problem: Der städtische Haushalt wird normalerweise erst Mitte November eingebracht und im Dezember verabschiedet. Planungssicherheit gibt es für die Festspiele folglich nur, wenn sich die Parlamentarier schon vorher verbindlich äußern.

Ohnehin haben Hinkel und die kaufmännische Leiterin Andrea Jung für die kommende Spielzeit vorsorglich verschiedene Szenarien kalkuliert und die Fraktionen darüber informiert. Diese Überlegungen reichen vom vollen Spielplan, der eigentlich für 2020 vorgesehen war, bis zu Varianten, die von einer geringeren Anzahl der Stücke und reduzierter Sitzplatzkapazität ausgehen.

In diesem Jahr hatten die Festspiele nach der coronabedingten Absage ihres ursprünglichen Programms gemeinsam mit anderen Kulturträgern den „Anderen Sommer“ mit etwa hundert kleinformatigeren Veranstaltungen vom Kammermusical bis zur Lesung auf die Beine gestellt.

Vonseiten des Landes bestätigten die beiden örtlichen Abgeordneten Kaya Kinkel (Grüne) und Torsten Warnecke (SPD), dass der zuletzt gewährte Zuschuss in Höhe von 770 000 Euro auch im Etat für 2021 vorgesehen sei. Der Haushalt wird jedoch voraussichtlich erst im Februar verabschiedet.

Auch die finanzielle Unterstützung des Bundes sei gesichert, teilte der SPD-Abgeordnete Michael Roth mit.

Das Weihnachtsgeschäft nicht verlieren

„Der Vorverkauf muss Anfang November beginnen, andernfalls laufen wir Gefahr, das Weihnachtsgeschäft zu verlieren“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bad Hersfelder Festspiele, die die Dringlichkeit finanzieller Planungssicherheit deutlich macht. 

Der städtische Zuschuss hatte zuletzt bei rund 1,4 Millionen Euro gelegen. Ticketverkäufe in der Vorweihnachtszeit seien für die Existenz der Festspiele „ein ganz wichtiger Faktor“, erklärt Intendant Joern Hinkel. Sollte er wegfallen, wäre das Festival 2021 als Ganzes gefährdet. Das wüssten auch die Politiker, sagt der Festspiel-Chef, und vertraut darauf, dass die Stadtverordneten alles daran setzen, zügig eine Entscheidung zu fällen. 

Andererseits blicken Hinkel und sein Team nach dem erfolgreichen Ersatzprogramm „Ein anderer Sommer“ optimistisch nach vorn und planen auf Hochtouren für das nächste Jahr. „Natürlich behalten wir dabei immer die aktuellen Entwicklungen im Auge und sind uns bewusst, dass eine einfache Rückkehr zur Normalität alles andere als sicher ist“, sagt der Intendant. In der Diskussion wünscht sich Hinkel „gerade in Krisenzeiten Fairness und Ruhe“. 

„Das Land ist auf jeden Fall dabei“, versichert die bündnisgrüne Abgeordnete Kaya Kinkel. Voraussetzung sei allerdings ein den Vorjahren vergleichbares Konzept. Persönlich wünscht sie sich, dass das Programm dieses Jahres 2021 gespielt werden kann. Von möglicherweise Corona-bedingten Einschränkungen sollte die Landesförderung nach Ansicht des SPD-Abgeordneten Torsten Warnecke nicht abhängig gemacht werden. Schließlich seien auch die „Kleinen Bad Hersfelder Festspiele“ in diesem Sommer attraktiv, künstlerisch vielfältig und begeisternd gewesen. 

„Ich hoffe sehr darauf, dass ,Dann eben 2021’ Realität werden wird und wir im kommenden Jahr einen wunderbaren Festspielsommer erleben dürfen“, erklärt der Bundestagsabgeordnete und Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD). Die finanzielle Unterstützung des Bundes dafür sei mit 670 000 Euro gesichert. Roth weiter: „Es liegt nun auch an uns allen, dafür zu sorgen, dass wir diese Pandemie durch Umsicht und verantwortungsvolles Handeln in den Griff kriegen und unser Kulturhighlight Hersfelder Festspiele 2021 wieder möglich ist.“ (ks)

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