Gezielte Provokation oder Diskriminierung? Mann in Frauenkleidern klagt die Polizei an

Im Tuntenfummel in die Zelle

Bad Hersfeld. Männer in Frauenkleidern sieht man in Bad Hersfeld nicht allzu häufig. Schon gar nicht in einer Ausnüchterungszelle der Polizei. Genau dort aber endete für den 24-jährigen Studenten Christian Bohne aus Mainz ein Ausflug ins Nachtleben der Festspielstadt.

Bohne, der Jusos-Geschäftsführer in Mainz ist und sich auch im Studentenparlament der Gutenberg-Universität engagiert, wollte am vergangenen Wochenende gemeinsam mit anderen in der Bad Hersfelder Jugendherberge eine Kampagne gegen Homophobie – also Homosexuellen-Feindlichkeit – und Sexismus vorbereiten. „Es ist fast ironisch, dass wir genau dieses Verhalten in Bad Hersfeld am eigenen Leibe erfahren haben“, berichtet Bohne über seinen Besuch. Denn nach getaner Arbeit wollte der junge Mann in einer Bad Hersfelder Bar feiern. Dazu hatten sich die jungen Männer nach eigener Schilderung als Tunten „angefummelt“, wie es Bohne ausdrückt. Bei Facebook hat er sogar eine eigene Seite, auf der er sich als Tunte „Clara Fusel“ präsentiert.

Männer auf dem Damenklo

Zunächst gab es keine Probleme, aber als die Männer in Frauenkleidern auch aufs Damenklo gingen, wurde es anderen weiblichen Besuchern zu bunt: Sie beschwerten sich und die „angefummelten“ jungen Männer wurden kurzerhand vor die Tür gesetzt.

Bohne fühlte sich ungerecht behandelt. Homosexuelle hätten viel zu lange um Gleichberechtigung kämpfen müssen. Deshalb wollte er das Verhalten des Wirts nicht hinnehmen und ging zurück in die Bar, um die Angelegenheit zu klären.

Von da ab gehen die Schilderung des weiteren Verlaufs auseinander. Bohne erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die ihn angeblich unsittlich berührt, beleidigt und in Handschellen in eine Ausnüchterungszelle gebracht hat.

Gäste belästigt

Der Besitzer der Bar, dessen Name der Redaktion bekannt ist, berichtet, Bohne und seine Freunde hätten laut gestöhnt, sich schlecht benommen und andere Gäste damit belästigt. „Mensch ist Mensch, Gast ist Gast“, sagt der Wirt und weist den Vorwurf der Diskriminierung von Homosexuellen weit von sich. „Für uns war er nur ein Besoffener.“ Allerdings habe der junge Mann geradezu darum gebeten, dass ihn die Polizei abführt und die Beamten zudem übel beschimpft.

Polizeisprecher Manfred Knoch bestätigt, dass Christian Bohne die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbracht hat. Zuvor hätten die Beamten versucht, ihn davon zu überzeugen, einfach zurück in die Jugendherberge zu gehen.

1,45 Promille Alkohol

Ein Atem-Alkoholtest hatte 1,45 Promille ergeben. Als Bohne auch dem Platzverweis nicht Folge leistete, wurde er abgeführt – in Handschellen. „Das gehört zum sicheren Transport dazu, wir haben korrekt gehandelt“, erklärt Manfred Knoch.

Bohne aber fühlt sich „als Mann in Frauenkleidern diskriminiert“. Obwohl er eigentlich sehr selbstbewusst sei, habe er sich in Bad Hersfeld „wie ein Mensch niederer Natur“ gefühlt. Nun will Bohne beim Innenministerium Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Bad Hersfelder Polizeibeamten einreichen.

Von Kai A. Struthoff

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