Veranstaltung auch auf dem Friedhof Pfaffenwald

Spenden am Volkstrauertag sollen Kriegsgräber erhalten

Pfarrer Simon Leinweber bereitet alles für den Volkstrauertag auf dem Waldfriedhof Pfaffenwald beim Bad Hersfelder Stadtteil Beiershausen vor.
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Pfarrer Simon Leinweber bereitet alles für den Volkstrauertag auf dem Waldfriedhof Pfaffenwald vor. Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Leid ist aktueller denn je, weiß Leinweber.

Die Erinnerung darf nicht sterben. Deshalb finden auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg am Volkstrauertag Veranstaltungen statt - wegen Corona zum Teil in sehr kleinem Kreis.

Hersfeld-Rotenburg – Auf dem Waldfriedhof Pfaffenwald bei Beiershausen stellt Pfarrer Simon Leinweber einen großen, schwarzen Lautsprecher auf und testet das Mikrofon. „Ich bereite schon einmal alles für den Volkstrauertag vor“, erklärt Leinweber. Er steht zwischen den Steinkreuzen des Kriegsgräberfriedhofs, die an die mehreren hundert russischen, polnischen und jüdischen Kinder, Frauen und Männer erinnern, die unter den Nationalsozialisten im Lager Pfaffenwald starben.

„Es ist wichtig, dass wir auch heute noch an die Opfer der Kriege erinnern, um uns eben auch unserer aktuellen Lage bewusst zu werden“, sagt der Pfarrer. Denn gerade das Erstarken rechter und gewalttätiger Strömungen in Deutschland und der Welt, sei auch eine Folge des Vergessens des Kriegsleids, schlussfolgert Leinweber. „Uns geht es heute gut, weil Frieden herrscht und den müssen wir erhalten“, sagt der Pfarrer. Damit diese Erinnerung nicht verloren geht, hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Kreis Hersfeld-Rotenburg Ende der 50er- und zu Beginn der 60er-Jahre Grabstätten für die Opfer der Weltkriege ausgebaut. Im Pfaffenwald und auf dem Stadtfriedhof in Bad Hersfeld wird seitdem deutscher und ausländischer Opfer gedacht.

Dauerndes Ruherecht

In ganz Hessen seien es über 1000 Kriegsgräberstätten, berichtet Dr. Bettina Dodenhoeft, die Regionalbeauftragte des Volksbundes Nordhessen. „Auf jedem anderen Friedhof besteht die Gefahr, dass die Gräber nach einer Weile eingeebnet werden, das soll nicht passieren“, erklärt Dodenhoeft. Mit der Errichtung der Gedenkstätten haben die Kriegsopfer jedoch ein gesetzlich zugesichertes „dauerndes Ruherecht“.

14 Millionen Euro ausgegeben

Um die Masse der Kriegsgräber im In- und Ausland zu pflegen, gab der Volksbund im Jahr 2019 14 Millionen Euro aus, wie der Verein auf seiner Webseite mitteilt. Um den nötigen Betrag aufzubringen ist der Volksbund auf Spenden angewiesen. Für den Erhalt der Gedenkstätten sammeln deshalb Freiwillige bei Tür-zu-Tür-Aktionen im Oktober und November Spenden.

Dr. Bettina Dodenhoeft

Doch wie allem in diesem Jahr, setzt die Corona-Krise auch dem Volksbund zu. Weil Spendenaktionen ausfallen, kommt es auf die Kollekten an. „Wir sammeln auch beim Volkstrauertag im Pfaffenwald für den Volksbund“, berichtet Pfarrer Simon Leinweber. Bettina Dodenhoeft hofft trotz allem auf ein gutes Ergebnis der Spendensammlungen.

Jugendlichen die Vergangenheit nah bringen

Dass dem Volksbund ein breites Budget zur Verfügung steht, ist nicht nur für den Erhalt der Kriegsgräber zentral, auch die Jugendarbeit finanziert der Volksbund mit Spenden. Damit alle Generationen sich mit den Schicksalen der Kriegsopfer auseinandersetzen, geht Dodenhoeft in die Schulen. Um zu zeigen, dass ein Krieg kein abstraktes Relikt ist, nehmen Pfarrer Leinweber und Bettina Dodenhoeft die Schüler mit zu den Gedenkstätten vor Ort. „Das ist für die Konfirmanden dann ganz nah“, sagt Leinweber.

Die Kasslerin Bettina Dodenhoeft hat im vergangenen Jahr mit den Schülern die Gedanken der Kriegsopfer nachempfunden und die Geschichte für einen Moment wieder in die Gegenwart gebracht. (Kim Hornickel)

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