Statistisch steht jeder Einwohner mit 5890 Euro in der Kreide

Hersfeld-Rotenburg: Schulden über dem Landesschnitt

Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und seine Kommunen standen Ende 2017 mit etwa 471,2 Millionen Euro in der Kreide. Das entspricht einer Verschuldung von 5890 Euro je Einwohner.

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Der gesamte Kreis liegt damit über der durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung von 5189 Euro in Hessen. Das teilen das Statistische Bundesamt und das Landesamt in Wiesbaden mit.

Die Musterkommune im Kreis ist Ludwigsau: Lediglich 62 Euro pro Kopf bleiben übrig, würde die Gemeinde ihre Schulden auf ihre Einwohner verteilen. Am anderen Ende der Statistik steht Heringen mit 12 749 Euro je Einwohner. Den größten Schuldenberg (113,9 Millionen Euro) hatte die Kreisstadt: Die Pro-Kopf-Verschuldung ist in Bad Hersfeld mit 6399 Euro etwa doppelt so hoch wie in den Städten Rotenburg (3209 Euro) und Bebra (2940 Euro).

Bei der Statistik werden nicht nur die Kernhaushalte betrachtet, sondern auch Beteiligungen etwa an Energieversorgern miteinbezogen. Das soll die Vergleichbarkeit der Kommunen verbessern. Die meisten Schulden der 21 hessischen Landkreise hat der Hochtaunuskreis (4412 Euro). Hersfeld-Rotenburg (Haushalt und Verwaltung) weist eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1541 Euro auf. Im Schnitt stehen die Landkreise mit 1749 Euro in der Kreide.

Zahlen für das Jahr 2018 gibt es noch nicht. Sie werden das Bild ändern: Mit einem Minus von 21 Prozent haben Hessens Kommunen ihre Verschuldung im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgebaut, so die Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Entscheidend ist dabei die Hessenkasse: Mit dem Programm hat das Land Kassenkredite von 144 Kommunen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro übernommen. Ohne die Maßnahme wären die Schulden nur um 0,4 Prozent gesunken. 

Hintergrund: So werden die Kommunen vergleichbar

Schwierig wird ein Vergleich regionaler Verschuldung zumeist dadurch, dass sich Kommunen im Grad ihrer Ausgliederungen unterscheiden. So werden häufig Aufgaben der kommunalen Verwaltung in Unternehmen oder Einrichtungen ausgelagert – beispielsweise Energieversorgung oder Gebäudemanagement – und damit in den Kernhaushalten nicht mehr erfasst. Das hat zur Folge, dass Vergleiche der Schuldenstände der Kernhaushalte nur begrenzt aussagekräftig sind. 

Die amtliche Statistik trägt dieser Entwicklung mittlerweile Rechnung. Dabei werden den Kommunen die Verbindlichkeiten der Ausgliederungen anteilig zugerechnet, das heißt: nach der jeweiligen kommunalen Beteiligungsstruktur. Haushaltsexperten sprechen dabei auch von „integrierten Schulden“. So ist ein Vergleich möglich.

So hoch sind die Kommunen in Hersfeld-Rotenburg verschuldet

Die Kreisverwaltung und ihre Kommunen stehen insgesamt mit etwa 471,2 Millionen Euro in der Kreide. Ein Überblick der Schulden:

Landkreis:

186,4 Millionen

Bad Hersfeld:

190,2 Millionen

Bebra:

41,2 Millionen

Cornberg:

7 Millionen

Friedewald:

10,2 Millionen

Heringen:

92,4 Millionen

Hohenroda:

3,3 Millionen

Kirchheim:

14,2 Millionen

Nentershausen:

9,9 Millionen

Niederaula:

13 Millionen

Philippsthal:

10,1 Millionen

Ronshausen:

9,1 Millionen

Rotenburg:

46,2 Millionen

Wildeck:

27,9 Millionen

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Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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