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Kindesmisshandlung und Pornografie in über hundert Fällen: Vorwürfe gegen Ex-Schulleiter – Anklage erhoben

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Von: Kim Hornickel, Silke Schäfer-Marg, Laura Hellwig, Alina Schröder

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Kinderspielplatz (Symbolbild)
Ein ehemaliger Schulleiter aus Hersfeld-Rotenburg, der auch in Göttingen und Werra-Meißner-Kreis beschäftigt war, wird verdächtigt, Kinder missbraucht und kinderpornografische Texte verfasst sowie verbreitet zu haben. (Symbolfoto) © Julian Stratenschulte/dpa

Einem ehemaligen Schulleiter aus Hersfeld-Rotenburg wird Kindesmissbrauch und Verbreitung von Pornografie vorgeworfen. Nun wurde Anklage erhoben.

Update vom Mittwoch, 30. November, 12.44 Uhr: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat am Montag (28. November) beim Landgericht Fulda gegen einen alten ehemaligen Lehrer aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg Anklage wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs in über 100 Fällen erhoben. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt in einer Pressemitteilung bekannt gibt, gehen die Ermittler derzeit von 64 Missbrauchstaten an Kindern und 35 Taten an Jugendlichen aus. Es geht um zehn bis 20 Jungen.

Dem 47-Jährigen, der an der Haselbachschule in Lispenhausen im Kreis Hersfeld-Rotenburg und an der Kleeblatt-Grundschule in Wehretal im Werra-Meißner-Kreis als Lehrer und Schulleiter tätig war und zuletzt in Göttingen wohnte, wird vorgeworfen, sich an Schutzbefohlenen vergangen zu haben. Er sitzt seit Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft.

„Ich bin schockiert. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wären wir menschlich sehr enttäuscht“, erklärte Jürgen Krompholz vom Staatlichen Schulamt in Bebra.

Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Schulleiter aus Hersfeld-Rotenburg: Es geht um über 100 Fälle

In dem Verfahren der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) wird dem Mann aus Göttingen, der als engagierter Pädagoge und Chorleiter galt, vorgeworfen, vom Januar 1998 bis Dezember 2021 an mehreren Orten in Nord- und Osthessen Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Teilweise handelte es sich um Schüler, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Von Januar 1998 bis Dezember 2021 soll es an mehreren Orten in Nord- und Osthessen zu den Missbrauchstaten gekommen sein. Anfang des Jahres war der Mann wegen Krankheit in den Ruhestand versetzt worden.

Auslöser der Ermittlungen gegen den Mann war ein Hinweis von Ermittlern aus den USA gewesen. Der nun Angeschuldigte geriet in Verdacht, kinderpornographische Dateien an Dritte weitergegeben zu haben. Bei der Auswertung von Daten nach einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes kam es zum Verdacht, der Mann könne auch sexuelle Gewalt verübt haben. Die Anklageschrift legt dem 47-Jährigen 64 Taten zum Nachteil von Kindern und 35 Taten zum Nachteil von Jugendlichen zur Last. Der ehemalige Lehrer ist bereits seit Januar 2022 in Untersuchungshaft.

Das Landgericht Fulda muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.

Kindesmisshandlung und Pornografie: Vorwürfe gegen Ex-Schulleiter – Neue Details bekannt

Update vom Mittwoch, 5. November, 14.01 Uhr: Wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte, wurde das Ermittlungsverfahren gegen einen Ex-Schulleiter aus Hersfeld-Rotenburg nach einem Hinweis aus den USA eingeleitet. Nähere Auskünfte erteilte die Behörde allerdings nicht, um „unbefangen“ weiter ermitteln und mit Zeuginnen und Zeugen sprechen zu können, so der Sprecher. Zuletzt hatte der Mann in Göttingen gewohnt, bestätigte die Staatsanwaltschaft.

Der unter Verdacht stehende Familienvater hatte auch ehrenamtlich häufig mit Kindern zu tun. Er war nach längerer Erkrankung Anfang des Jahres in den Ruhestand versetzt worden, erklärte der kommissarische Leiter des Staatlichen Schulamts in Bebra, Jürgen Krompholz auf Anfrage. Diese Pensionierung sei auf eine Erkrankung zurückzuführen gewesen und habe nichts mit den späteren Ermittlungen zu tun. Auch das Staatlichen Schulamt sei von den Vorwürfen gegen den früheren Schulleiter unvorbereitet getroffen worden. Es habe zuvor keinerlei Hinweise gegeben. Im Gegenteil sei die pädagogische Arbeit des Beschuldigten wertgeschätzt worden, auch von den Eltern.

Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Schulleiter aus Hersfeld-Rotenburg: Schulamt reagiert erschüttert

Bestürzt und menschlich zutiefst erschüttert sei man deshalb auch in der Behörde, erklärte der kommissarische Schulamtsleiter weiter. Dennoch, so betonte er, gelte zu diesem Zeitpunkt der Ermittlungen zunächst die Unschuldsvermutung. Man arbeite eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen und stehe in ständigem Kontakt mit dem Kultusministerium. Ein Krisenstab aus Schulpsychologinnen, Juristen und Amtsleitung wurde inzwischen einberufen.

Schulen und Eltern soll besonders im psychologischen Bereich Hilfe angeboten werden. Verunsicherte Eltern können sich direkt an das Schulamt wenden. Dort seien die psychologischen Mitarbeiterinnen erreichbar. Besonders betreut werde auch die Schule, die der Verdächtige zuletzt geleitet hatte.

Telefonnummer des Schulamts für verunsicherte Eltern: 06622/ 9140

Hersfeld-Rotenburg: Polizei ermittelt wegen Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Schulleiter

Erstmeldung vom Mittwoch, 5. November, 10.23 Uhr: Bad Hersfeld – Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt derzeit wegen eines mutmaßlichen Missbrauchsskandals. Der Verdächtige ist ein ehemaliger Grundschulleiter aus Hersfeld-Rotenburg. Nach Informationen unserer Redaktion wird dem Mann vorgeworfen, Kinder missbraucht sowie kinderpornografische Texte geschrieben und im Internet verbreitet zu haben.

Wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch (05.01.2022) mitteilte, sitze der Ex-Schulleiter bereits seit Mitte Dezember wegen der Missbrauchsvorwürfe in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Polizei seien jedoch aktuell in einem sehr frühen Stadium und daher noch im vollen Gange. Auch, ob die mutmaßlichen Missbrauchstaten während seiner Funktion als Grundschulleiter stattfanden, sei Bestandteil der Ermittlungen und werde derzeit geprüft. (Alina Schröder, Silke Schäfer-Marg, Kim Hornickel, Laura Hellwig)

Ein Mann aus Bad Hersfeld hatte erst vor Kurzem einen Missbrauch an einer Neunjährigen* gestanden.

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