Hessenweites Pilotprojekt

Michael Penzler verbindet im Landkreis Bundeswehr und Wirtschaft

Speerspitze des hessenweiten Pilotprojekts: Michael Penzler, Oberstleutnant der Reserve. 
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Speerspitze des hessenweiten Pilotprojekts: Michael Penzler, Oberstleutnant der Reserve. 

Offiziell ist die Bundeswehr im Kreis Hersfeld-Rotenburg nicht mehr vertreten. Michael Penzler soll das ändern - ehrenamtlich als Ansprechpartner für Wirtschaft und Arbeitgeber.

Der 52-jährige Oberstleutnant der Reserve ist neuer Beauftragter für die Kooperation der Bundeswehr mit Wirtschaft und Arbeitgebern im Landkreis, wie er sich korrekt nennt. „Ich sehe mich als eine Art Markenbotschafter“, sagt er. Als Ansprechpartner ist er ab sofort für den Aufbau und die Pflege von Beziehungen zwischen Bundeswehr und heimischer Wirtschaft zuständig. Sein Auftrag lautet: Die in Hessen verloren gegangene Verbindungen zur Wirtschaft wiederherzustellen und neue Kontakte zu knüpfen, um perspektivisch ehemalige Soldaten als qualifizierte Reservisten zurückzugewinnen. 

„Das Pilotprojekt ist auf zwei bis drei Jahre angelegt“, sagt der Diplom-Ingenieur, der hauptberuflich bei einem Unternehmen in Kassel arbeitet, das die Entwicklung und Fertigung des neuen Schützenpanzers Puma koordiniert. „Wird es ein Erfolg, könnte es bundesweit Schule machen.“

Der gebürtige Homberger sieht grundsätzlich viele potenzielle Synergieeffekte zwischen Firmen im Landkreis und der Bundeswehr. „Bevor ein Bauunternehmer im Winter einen Maurer freistellt, könnte er ihn ja auch in den Reservedienst überstellen“, sagt er. „Der Unternehmer müsste seinen Maurer in der Zeit nicht bezahlen, die Bundeswehr hätte einen Reservisten mehr und der Arbeitnehmer wäre nicht arbeitslos und könnte sich sogar noch weiterbilden.“ Die Kosten übernähme der Bund.

In den kommenden Wochen möchte der Reserveoffizier in Gesprächen ein Gefühl dafür entwickeln, ob und wo Bedarf im Landkreis besteht. „Seitdem die Wehrpflicht abgeschafft wurde und die Bundeswehr nicht mehr in der Fläche vertreten ist, können immer weniger Unternehmen etwas mit der Bundeswehr anfangen“, sagt Penzler, der in Knüllwald (Schwalm-Eder-Kreis) lebt und familiäre Verbindungen nach Bad Hersfeld und Bebra hat.

Beim Hessentag will er festgestellt haben, dass die Stimmung im Landkreis gegenüber der Bundeswehr grundsätzlich immer noch recht positiv sei. „Vor allem die Rotenburger hatten ja schon immer eine gute Beziehung zur Bundeswehr“, sagt Penzler, der von 1988 bis 1989 Zugführer im Panzergrenadierbataillon 52 in der Alheimerkaserne war.

Hilfe auch im Katastrophenschutz

Bereits seit März ist Michael Penzler auch Leiter des Kreisverbindungskommandos Hersfeld-Rotenburg. Das zwölfköpfige Kommando – darunter ein Arzt und ein Sanitäter – ist ausschließlich mit Reservisten besetzt und wird nur bei schweren Unglücksfällen, in Notsituationen und bei Naturkatastrophen aktiv. „Wenn im Falle eines Katastrophenalarms zivile Hilfskräfte an ihre Grenzen kommen, dann kommt die Bundeswehr“, sagt Penzler.

„Für den Landrat bin ich dann die direkte Schnittstelle zur Bundeswehr und berate ihn, wie wir helfen können.“ Das Kommando, das laut Penzler im regelmäßigen Austausch mit dem zivilen Katastrophenschutzstab steht, ist auf alle denkbaren Szenarien vorbereitet und hat Notfallpläne erstellt. Wenn es beispielsweise zu einem Hochwasser an Fulda, Haune oder Werra kommt, könnte die Bundeswehr rund 200 Soldaten zum Sandsack-Einsatz abkommandieren. 

Bei Waldbränden könnte der Pionierpanzer Dachs Brandschneisen schlagen und Hubschrauber könnten Löschbehälter transportieren. Bei Dauerfrost könnte die Bundeswehr Notstromaggregate zur Verfügung stellen und bei einem schweren Unglück, etwa auf den Autobahnen A 4, A 5 und A 7 sowie entlang der ICE-Strecke, könnten Krankentransportfahrzeuge und Sanitäter angefordert werden.

Kontakt: Michael Penzler, z 01 51/55 04 51 87, E-Mail kvk-hef@landeskommandohessen.de

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