1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fehlen Hautärzte - Eine von zwei Praxen schließt

Erstellt:

Von: Nadine Meier-Maaz

Kommentare

Frau schleckt Eis in der Sonne. Nicht nur, wer viel in der Sonne unterwegs ist, sollte seine Haut regelmäßig von einem Arzt auf Hautkrebs untersuchen lassen.
Nicht nur, wer viel in der Sonne unterwegs ist, sollte seine Haut regelmäßig von einem Arzt auf Hautkrebs untersuchen lassen. © picture alliance / dpa

Voraussichtlich nur noch einen Hautarzt wird es ab Mitte Juni im Kreis Hersfeld-Rotenburg geben. Das Hautkrebsscreening ist auch bei Hausärzten möglich.

Hersfeld-Rotenburg – Nur noch eine Hautarztpraxis wird es ab Mitte Juni im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geben – sofern sich nicht doch noch eine Lösung, sprich: ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin, findet. Als „nicht zufriedenstellend“ bewertet man diese Situation auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Bis zum 15. Juni ist die Bad Hersfelder Praxis von Lilli Eberhardt, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, noch geöffnet. Danach wird die Praxis von Dr. Roni Hasan, ebenfalls Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, in Rotenburg voraussichtlich die einzige im Kreis sein. Mit 67 Jahren und ein Jahr später als ursprünglich geplant geht Eberhardt in den Ruhestand. Auch sie selbst habe aktiv nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gesucht, aber leider niemanden gefunden, berichtet die Ärztin, die die Praxis vor 23 Jahren übernommen hatte. Sie ist davon überzeugt, dass gerade die jungen Kollegen lieber in den vielen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in den Großstädten arbeiten, wo sie andere Arbeitsbedingungen vorfänden.

Interessenten haben abgesagt

„Stand heute gibt es leider keine Nachfolgelösung für die schließende Praxis. Es gab zwar Interessenten für die Praxis, diese haben sich jedoch letztlich anders und gegen eine Übernahme entschieden“, teilt Alexander Kowalski, stellvertretender Pressesprecher der KVH, mit. Da diese Situation nicht zufriedenstellend sei, werde man auch weiterhin daran arbeiten, möglichst zeitnah eine Lösung zu finden.

Dann drei freie Sitze für Hautärzte im Kreis

„Der Planungsbereich ist entsprechend für eine Niederlassung geöffnet, diese würde im Rahmen unserer Ansiedlungsförderung sogar finanziell unterstützt“, erläutert Kowalski. Schon jetzt gibt es laut KVH im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zwei freie Sitze für Hautärzte.

Zumindest für das zur Früherkennung und Vorsorge von Hautkrebs wichtige Hautkrebsscreening könnten Patienten grundsätzlich aber auch Hausarztpraxen mit einer entsprechenden Genehmigung aufsuchen. Laut der KVH-Onlinearztsuche unter arztsuchehessen.de gibt es im Umkreis von 20 Kilometern rund um die Kreisstadt Bad Hersfeld 99 Praxen, in denen dies möglich ist.

„Facharztpraxen sind nicht attraktiv“

Eine Überlastung der Hausarztpraxen, die nach einer entsprechenden Schulung ebenfalls das zur Früherkennung und Vorsorge von Hautkrebs wichtige Hautkrebsscreening anbieten können, fürchtet Dr. Martin Ebel, Hausarzt und Vorsitzender des Hausärzteverbands im Kreis Hersfeld-Rotenburg, so oder so nicht. „Das Hautkrebsscreening gehört seit vielen Jahren zum Spektrum vieler Hausärzte“, sagt Ebel, wobei die Vorsorge während und wegen der Corona-Pandemie zuletzt durchaus gelitten habe, auch in anderen Bereichen.

Auch das Ausstellen von Rezepten beispielsweise bei chronischen Hauterkrankungen wie Akne sowie kleinere Operationen bei weißem oder schwarzem Hautkrebs seien in den Hausarztpraxen kein Problem. Vieles, mit dem Patienten die spezialisierten Hautärzte aufsuchen, werde dort ohnehin schon mit behandelt, so Ebel. Bei komplexen Hauterkrankungen, kindlichen Hauterkrankungen oder besonderen Operationen würden diese allerdings an einen Facharzt oder eine Fachklinik verweisen müssen.

Was die Versorgung mit Fachärzten angeht, sieht Ebel ein grundsätzliches und ein politisches Problem. „Leider sind niedergelassene Facharztpraxen derzeit für viele nicht attraktiv. Viele Facharztpraxen werden nicht nachbesetzt“, weiß der Mediziner. Bei den Hautärzten komme noch hinzu, dass es in Deutschland auch nur wenige Hautkliniken für die Ausbildung gebe. Ebel geht deshalb davon aus, dass die Hausärzte künftig auch deshalb vermehrt deren Aufgaben mit übernehmen müssen. (Nadine Meier-Maaz)

Versorgungsgrad liegt aktuell bei 62 Prozent

Vier Hautarztsitze gibt es laut Kassenärztlichen Vereinigung Hessen aktuell im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, von denen allerdings schon jetzt nur zwei besetzt sind. Der sogenannte Versorgungsgrad liege bei 62,29 Prozent. In den beiden Nachbarkreisen Schwalm-Eder und Werra-Meißner stellt sich die Situation laut KVH ähnlich dar wie in Hersfeld-Rotenburg. Als überversorgt gilt derzeit indes der Landkreis Fulda, wo der Versorgungsgrad noch 120,38 Prozent beträgt.  (nm)

Auch interessant

Kommentare