Mehr als 50 Schüler und Lehrer in Isolation

Hersfeld-Rotenburg hat höchste Corona-Inzidenz in Hessen - Quarantäne an Schulen

HANDOUT - 13.02.2020, USA, Montana: Auf dieser vom US-Forschungszentrum "National Institute of Allergy and Infectious Diseases" (NIAID) zur Verfügung gestellten Aufnahme vom 13.02.2020 ist eine Zelle (blau) mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, rot) infiziert. Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert. Foto: Niaid/Europa Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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So richtig will die Infektionskurve im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht abflachen: Am Donnerstag kamen zehn weitere Corona-Fälle hinzu. Unser Foto zeigt eine Zelle (blau), die mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, rot) infiziert ist.

Nach zehn neuen Corona-Fällen hat Hersfeld-Rotenburg nun die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Hessen. Quarantäneverweigerer an den Schulen bringen derweil den Landrat auf die Palme. 

100 Tage grassiert das Coronavirus nun schon im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Zwar sind viele Alltagsbeschränkungen wieder aufgehoben, so richtig flach will die Infektionskurve im Landkreis aber nicht werden. Im Gegenteil: Am Donnerstag kamen erneut zehn Fälle hinzu. Der Kreis hat nun die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Hessen. Und einige Schüler haben den Ärger des Landrats auf sich gezogen. Der Überblick.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Das ist der aktuelle Stand

Zehn Neuinfektionen hat das Gesundheitsamt am Donnerstag gemeldet. Dabei handelt es sich laut Kreis-Sprecherin Jasmin Krenz „zum größten Teil um Kontaktpersonen von bereits Infizierten und Familienangehörige“. 170 Menschen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Bis gestern lagen dem Gesundheitsamt 2610 Corona-Tests vor. Die Anzahl aller negativen Tests sei nicht erfassbar, da viele Arztpraxen negativen Ergebnisse nicht weitermelden, so Krenz. 

Zudem seien bislang 42 Verstöße gegen die Corona-Beschränkungen festgestellt worden, wodurch 201 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wurden. „Dabei handelt es sich hauptsächlich um Verstöße gegen das Kontaktverbot“, sagt Krenz. Insgesamt haben sich seit dem 11. März zwischen Alheim und Haunetal 276 Frauen und Männer mit dem Coronavirus infiziert, 198 gelten als genesen, 22 starben. Die Zahl der aktuell Erkrankten liegt damit bei 56.

Isolation in Bad Hersfeld und Kirchheim: Kinder trotz Quarantäne in der Schule

Mit Verärgerung hat Landrat Dr. Michael Koch indes am Donnerstag auf die Entwicklung an einigen Schulen reagiert. Laut Kreis-Sprecher Pelle Faust sind Kinder, die als Kontaktpersonen von Infizierten in Quarantäne geschickt wurden, trotzdem in die Schule gegangen. Andere seien in der Öffentlichkeit angetroffen worden. „Wir erleben hier ganz deutlich, wie das Fehlverhalten einzelner Personen im privaten Umfeld sich auf ganze Klassenverbände an unseren Schulen auswirkt“, teilte der Landrat mit. Von Erziehungsberechtigten sei zu erwarten, dass sie die Tragweite der aktuellen Situation erkennen und entsprechend handeln.

Das Gesundheitsamt hat nun vorsorglich mehrere Schülergruppen unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind zwei Klassen der Bad Hersfelder Lingg-Schule, darunter 14 Schüler sowie mehrere Lehrkräfte, außerdem eine Schülergruppe der Ernst-von-Harnack-Schule in Bad Hersfeld (elf Schüler, zwei Lehrkräfte). Darüber hinaus befinden sich 21 Schüler der Kirchheimer Grundschule Aulatal und drei Lehrer in häuslicher Isolation.

Landrat: Quarantäneverweigerer müssen mit Sanktionen rechnen

Koch betonte, dass Menschen, die die Anordnungen ignorieren, mit Sanktionen rechnen müssten: „Bei vorsätzlichen Verstößen gegen die Quarantäneanordnung sind auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes Geld- und Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren möglich.“ Quarantäneverweigerer könnten auch zwangsweise in einer „geeigneten Einrichtung“ untergebracht werden.

In den Nachbarlandkreisen ist die Corona-Lage entspannter. Der Vogelsbergkreis gilt als coronafrei. Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es offiziell neun Erkrankte, im Werra-Meißner-Kreis zwölf, im Wartburgkreis 17. Lediglich der Landkreis Fulda hat ähnlich hohe aktuelle Fallzahlen (55) – dort leben allerdings mit 222 000 Menschen auch fast doppelt so viele Einwohner.

Corona-Inzidenz liegt bei 16,6 - ab 50 droht erneuter Lockdown

Die vergleichsweise hohen Fallzahlen im Kreis sorgen zwangsläufig für eine erhöhte Sieben-Tage-Inzidenz. Sie liegt nun bei 16,6 – das ist der höchste Wert im gesamten Bundesland. Laut dem täglichen Corona-Bulletin des Sozialministeriums hatten gestern hessenweit sechs Landkreise und die kreisfreie Stadt Darmstadt eine Inzidenz von null. Die Inzidenz gibt an, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen positiv auf das Virus getestet wurden. Diese Zahl gilt deshalb als wichtiger Indikator für die Lockerungen im Alltag. 

Steigt sie auf über 50, droht ein erneuter Lockdown. Das wäre in Hersfeld-Rotenburg der Fall, wenn in einer Woche 61 Neuinfizierte gemeldet würden. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl (120 770) stünde der Wert dann bei 50,5. Über dieser kritischen Grenze lag der Landkreis übrigens bislang nur an sechs Tagen: vom 3. bis 8. April. Die höchste Inzidenz datiert vom 6. April, damals lag der Wert bei 64,6.

Grundsätzlich zeigt sich Landrat Koch trotz des Kurvenanstiegs in den vergangenen Tagen zuversichtlich: „Bis jetzt sind wir glimpflich davongekommen.“ Bisher habe der Kreis keine größeren Corona-Ausbrüche zu beklagen. Er räumt ein, dass den Bürgern viel zugemutet worden sei. „Die Corona-Verordnungen haben Ausmaße angenommen, die ich mir so hätte nicht vorstellen können“, sagt er. Er wolle sich bei allen Bürgern bedanken, „dass der Großteil von ihnen so rücksichtsvoll gehandelt hat und es noch tut. Wenn wir alle weiterhin zusammenstehen und gemeinsam durch die Krise gehen, können wir diese auch bewältigen.“

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