Hochkonjunktur hält an

IHK-Konjunkturklimaindex im positiven Bereich – Zukunftsaussichten trüber

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Die Wirtschaft im Bezirk der IHK Kassel-Marburg läuft weiter mit hoher Drehzahl, doch die Skepsis steigt.

Die Wirtschaft im Bezirk der IHK Kassel-Marburg läuft weiter mit hoher Drehzahl, doch die Skepsis steigt. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Unternehmen und ihre Erwartungen berücksichtigt, fällt im Vergleich zur Vorumfrage um 4,7 Punkte. Gleichzeitig liegt er mit 122,0 Punkten aber weiterhin deutlich im positiven Bereich.

Die seit rund acht Jahren andauernde Hochkonjunktur in Nordhessen und Marburg dürfte auch im Jahr 2019 fortgesetzt werden. Doch die Zuwachsraten fallen deutlich schwächer aus als noch vor einem Jahr. Der DIHK hat seine Wachstumsprognose im Jahr 2018 von ursprünglich 2,7 auf 1,8 Prozent gesenkt. „Die Unternehmen sehen sich zunehmend mit Risiken und Herausforderungen im nationalen und internationalen Kontext konfrontiert. Besonders belastend ist der Fachkräftemangel. International wird vor allem die Handelspolitik der US-Regierung samt Zöllen und Sanktionen als Konjunkturrisiko eingestuft, die auch als ein Grund für die etwas schwächere Entwicklung der Auslandsaufträge angesehen werden kann“, erläutert Jordan.

Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Unternehmen aus Nordhessen und Marburg weiter mit guten Geschäften, doch sie schrauben ihre Erwartungen deutlich nach unten. Während 16 Prozent der Unternehmen eine weitere Zunahme der Geschäftstätigkeit für möglich erachten, erwarten rund neun Prozent Einbußen. „Noch im Frühjahr gingen rund 21 Prozent der Unternehmen von besseren Geschäften aus. Im Herbst zeigten sie sich deutlich zurückhaltender“, sagt Präsident Jordan. Dies bedeute aber nicht, dass in der Region nun mit einem Wirtschaftseinbruch zu rechnen sei: „Mit 75 Prozent rechnet die Mehrheit der Unternehmen auch künftig mit ähnlich guten Geschäften wie zuletzt. Die Zeichen für weiteres Wachstum der regionalen Wirtschaft stehen insgesamt gut, doch das starke Momentum der vergangenen Jahre scheint sich zu verlangsamen.“

Dabei setzt die regionale Wirtschaft weiter auf eine starke Auslandsnachfrage. „Protektionismus, Handelskonflikte und Zölle sind Gift für die exportstarke Wirtschaft in Nordhessen und Marburg. Zudem steigt die Gefahr eines ungeordneten Brexits, denn bereits Ende März 2019 verlässt das Vereinigte Königreich die Europäische Union. Über die künftigen Beziehungen herrscht derzeit noch Unklarheit. Ohne Abkommen drohen Grenzkontrollen, Zölle, zusätzliche Bürokratie und deutlich höhere Kosten“, gibt Jordan zu bedenken.

Investition und Beschäftigung

Die Investitionen steigen leicht an. Knapp 30 Prozent der Unternehmen gehen von einer zunehmenden Investitionstätigkeit aus. Neben der Ersatzbeschaffung werden auch Kapazitätserweiterungen als Investitionsmotiv angeführt, was als positives Zeichen für die zukünftige Geschäftserwartung zu werten ist.

Zudem planen die heimischen Unternehmen, ihre Belegschaftsgröße weitestgehend konstant zu halten. Diese Aussage muss jedoch auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels betrachtet werden. Dieser gilt zahlreichen Unternehmen als Top-Konjunkturrisiko. Wie massiv die Problematik für die regionalen Unternehmen bereits ist, zeigt sich daran, dass fast die Hälfte der befragten Unternehmen offene Stellen längerfristig nicht besetzen können. Häufigste Gründe: Es gibt schlicht keine Bewerber oder die Qualifikation der Bewerber ist zu gering.

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