Nur rauer Sex oder Vergewaltigung? Jugendschöffengericht Bad Hersfeld verhandelt über Beziehungstat

Bad Hersfeld – Der Vorwurf der Vergewaltigung steht gegen einen 21-Jährigen aus Bad Hersfeld im Raum, der sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht verantworten muss.

Der junge Mann bestreitet die Anklage von Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken jedoch, und tatsächlich bereitete die Beweisaufnahme auch Richterin Michaela Kilian-Bock und den beiden Schöffen Kopfzerbrechen.

Die mutmaßliche Gewalttat vom 9. Juni 2016 soll nämlich solitäres Ereignis in einer davor und danach andauernden Beziehung gewesen sein, zu der auch häufiger einvernehmlicher Geschlechtsverkehr gehörte. Erst als sich der Hersfelder und seine damals 15-jährige Freundin Ende 2017 trennten, kam es zum Rosenkrieg und einer Strafanzeige bei der Polizei. Auslöser waren Fotos der leichtbekleideten Freundin, die der Ex über sein Handy verbreitete. Im Zuge ihrer Vernehmung berichtete das Mädchen dann auch über eine Vergewaltigung.

Angeklagter: Rauer Sex ja, aber nie gegen den Willen der Freundin

Der Angeklagte räumte ein, mit der Freundin gerne etwas raueren Sex gehabt zu haben. Jedoch nie gegen ihren Willen, und geschlagen habe er sie auch nicht. Im Gerichtssaal präsentierte der Angeklagte Narben von Kratzwunden, die angeblich beim rustikalen Liebesspiel entstanden sind. Wenn er gelegentlich ausgerastet sei, dann bei anderer Gelegenheit und nie gegen sie.

Die Freundin schilderte das einvernehmliche Bettgeschehen als „immer gleich“: Er habe oben, sie unten gelegen. Gewalt sei dabei keine Spielart gewesen. Dass er ihr mitunter die Hände festhielt, habe sie aber akzeptiert. Fotos von blauen Flecken auf ihren Armen könnten nach dem Vortfall vom Juni entstanden sein, genau wusste das die heute 18-Jährige jedoch nicht mehr.

Freunde können den Vorwurf nicht bestätigen

Eine Reihe ihrer Schulfreundinnen, die als Zeuginnen vernommen wurden, erinnerten sich an jene Aufnahmen. Von einer Vergewaltigung sei allerdings keine Rede gewesen. Nur eine hatte etwas von erzwungenem Sex gehört.

Warum sie den Freund nach dem angeblichen Missbrauch nicht gleich verlassen habe, wollte Richterin Kilian-Bock von der jungen Frau wissen. „Liebe“, lautete die lapidare Antwort.

Ein Freund des Angeklagten beteuerte, von Gewalt in der Beziehung nie etwas mitbekommen zu haben. Auch habe sich der Hersfelder ihm nie mit einer Missetat offenbart. Die Freundin allerdings habe neben dem gelegentlichen Joint, den das Paar rauchte, auch ab und an eine Linie Koks geschnupft – auf dem Handy im Jahnpark.

Das Gericht sah sich bis dahin außerstande, ein Urteil zu sprechen. Beim Fortsetzungstermin am 1. April sollen deshalb womöglich weitere Zeugen gehört werden.

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