Straße blockiert

Heringer wehrte sich gegen Verkehrsbelastung - Gericht verurteilte ihn wegen Nötigung

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Ein 49-Jähriger aus Heringen wurde wegen Nötigung im Straßenverkehr verurteilt.

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung und Vortäuschung einer Straftat musste sich ein 49-Jähriger aus Heringen am Dienstag vor Gericht verantworten.

Strafrichter Elmar Schnelle am Amtsgericht in Bad Hersfeld verurteilte den teils geständige Mann schließlich zu einer Geldstrafe  wegen Nötigung in drei Fällen.

Schon am frühen Morgen des 7. Juni 2018 hatte der Angeklagtefür Aufregung und Aufsehen in seinem Wohnort gesorgt. Um kurz vor 7 Uhr soll er mit seinem E-Bike zunächst einer Frau vors Auto gefahren sein, die gerade auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz am Friedrich-Ebert-Platz war und einen Zusammenstoß mit dem Mann ebenso wie einem entgegenkommenden Fahrzeug noch verhindern konnte.

Angeklagter soll Straße blockiert und Verkehr gefährdet haben

Kurze Zeit später soll er dann zwei Schilderfüße und eine weiße Bank quer auf die Straße Friedrich-Ebert-Platz gestellt haben, sodass mehrere Autos und Lkw bremsen und ausweichen mussten. Außerdem lief er laut Anklage und Zeugenaussagen vor einen 40-Tonner, um dessen Fahrer, der aus Richtung K+S kam, zum langsamer Fahren zu zwingen. Diesen beschuldigte er darüber hinaus später noch, ihn von hinten angegriffen und gewürgt zu haben – das Verfahren gegen den Berufskraftfahrer wurde jedoch eingestellt.

Angeklagter spricht von "Kurzschlusshandlung"

Dass in der Straße ständig zu schnell gefahren werde und Stadt und Polizei seiner Meinung nach nichts unternehmen, ist dem Heringer ein Dorn im Auge. Vor Gericht sprach er nun von einer „Kurzschlusshandlung“. Er sei verärgert und erregt gewesen, berichtete der Angeklagte, weil er kurz zuvor von einem Lkw gestreift und fast zu Fall gebracht worden sei. Allerdings sei die Bank gut zu sehen gewesen und sie habe nur kurz dort gestanden. Auch der Vorfall mit dem 40-Tonner sei anders verlaufen, als in den Akten dargestellt.

Zeugen bestätigen provozierendes verhalten des 49-Jährigen

Den „Sprung“ vor den Lkw samt Vollbremsung, einen Schlag gegen das Fahrzeug sowie provozierendes Verhalten gegenüber dem betroffenen Berufskraftfahrer bestätigten vor Gericht indes gleich mehrere Zeugen. „Ich dachte, das war es jetzt!“, erinnerte sich eine Zeugin. Auch die Bank auf der Straße hatten sie gesehen, sogar ein Foto gab es davon. 

Der Polizei hätte der Angeklagte schließlich aus seiner Wohnung zugerufen: „Gut, dass ihr kommt. Hier fahren alle zu schnell.“ Dass ein Bekannter des Angeklagten die Vorkommnisse anders schilderte als der Rest der Zeugen, schätze Richter Schnelle als „Gefälligkeit“ ein.

Richter: Das war ein "eigenmächtiger Feldzug"

Er sprach von einem „eigenmächtigen Feldzug“ und verurteilte den gelernten Betriebsschlosser, der bis vor Kurzem von Arbeitslosengeld II gelebt hat, letztlich wegen Nötigung zu 110 Tagessätzen à zehn Euro. Zudem muss er die Verfahrenskosten tragen.

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