Engagiert zu Ehren Gottes

Helga Völker: 18 Jahre im Kirchenvorstand aktiv

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Besondere Verbindung zur Stadtkirche: Helga Völker gehört seit 18 Jahren dem Kirchenvorstand der Stadt- und Johanneskirchengemeinde an und war zwölf Jahre lang dessen Vorsitzende. Jetzt stellt sie sich nicht mehr zur Wahl.

Bad Hersfeld – Zur Stadtkirche hat Helga Völker eine ganz besondere Verbindung. Hier wurde sie getauft, konfirmiert und getraut.

Und als sie nach knapp 30-jähriger Abwesenheit im Jahr 2001 wieder nach Bad Hersfeld zurückkehrte, wurde sie dort Kirchenvorsteherin, noch bevor der Umzug über die Bühne war.

Dafür verantwortlich war der damalige Pfarrer Georg von Schultz. Den lernte Helga Völker kennen, als sie mit ihrer Bielefelder Gemeinde einen Ausflug nach Bad Hersfeld unternahm. Von Schultz erkannte sofort das Potenzial der Rückkehrerin und überredete sie, in Bad Hersfeld für den Kirchenvorstand zu kandidieren.

Die Heimkehr nach Bad Hersfeld, wo ihr Mann die Chefarztstelle in der Frauenklinik übernahm, sah Helga Völker mit durchaus gemischten Gefühlen. Schließlich kannte sie kaum jemanden mehr in ihrer Heimatstadt, die sich zudem in den Jahren ihrer Abwesenheit stark verändert hatte. „Die Arbeit im Kirchenvorstand hat mir sehr geholfen, mich hier einzuleben“, sagt Helga Völker, die es als große Freude und auch als Ehre empfindet, hier als Kirchenvorsteherin ihren Dienst zu tun. Kirchenvorstand, so betont sie, sei ein besonderes Ehrenamt. Es zeichne sich dadurch aus, dass man zeige, dass man hinter dem christlichen Glauben stehe. Es sei ein Ehrenamt zu Ehren Gottes und dazu gehöre auch, im Sinne des Evangeliums auf die Menschen zuzugehen und den Glauben zu verkünden.

18 Jahre ist Helga Völker im Kirchenvorstand der Stadtkirchen- und Johanneskirchengemeinde tätig, zwölf Jahre lang als Vorsitzende. An ihrem Ehrenamt hat Helga Völker immer die Möglichkeiten geschätzt, Veränderungen mit zu gestalten. Der Zusammenschluss der Stadt- und Johanneskirchengemeinde war eine solche größere Veränderung. „Das war für beide Seiten nicht einfach“, sagt Völker, sei aber schließlich doch gelungen.

Gerne erinnert sie sich zum Beispiel an den großen Einsatz für die Anschaffung der neuen Eule-Orgel: „Das hat sehr viel Arbeit und Nerven gekostet, aber auch sehr viel Spaß gemacht.“ Ohnehin liegt Helga Völker die Kirchenmusik besonders am Herzen. Seit 2002 ist sie selbst Mitglied der Kantorei und hat viele Jahre beobachtet, mit wie viel Engagement die jeweiligen Kantoren daran gearbeitet haben, anspruchsvolle Konzerte anzubieten. Deshalb findet sie es enttäuschend, dass die Kirchenmusik nicht die Wertschätzung erhält, die sie ihrer Meinung nach haben sollte.

Nicht nur in diesem Bereich ist sie in den vergangenen 18 Jahren immer wieder mit Sparzwängen konfrontiert worden. Sie ist froh, dass es gelungen ist, das Dekanatsgebäude zumindest äußerlich zu erhalten – dort ist nun das Kirchenkreisamt eingezogen, lieber wäre es ihr jedoch gewesen, wenn dort wieder ein Dekan mit seiner Familie leben würde.

„Die Veränderungen machen mir zu schaffen“, gibt Völker offen zu. „Was wird aus meiner Kirche?“, fragt sie sich öfter, auch beim Blick auf die Zahl der Austritte.

Mit ihrer Meinung hat Helga Völker in all den Jahren nie hinter dem Berg gehalten. „Da habe ich es leichter als ein Pfarrer, denn ich mache das hier freiwillig, bin unabhängig und werde nicht bezahlt“, erklärt sie. Entsprechend selbstbewusst konnte sie all die Jahre als Vorsitzende auftreten.

Wenn sie jetzt aufhört, tut sie das durchaus mit Wehmut. „Ich möchte diese Zeit nicht missen, sie war sehr erfüllt. Ich habe auch viel gelernt – praktisch und theologisch“, sagt Helga Völker, die sich immer dafür eingesetzt hat, die Altersgrenze von 70 Jahren für Kirchenvorstände abzuschaffen. Dass sie nun selbst aufhört, hat etwas mit ihren eigenen Ansprüchen zu tun. Am Ende einer weiteren Wahlperiode wäre sie fast 80 Jahre alt. „Ich möchte nicht darauf hingewiesen werden, dass es an der Zeit ist abzutreten“, sagt Völker, „sondern lieber gehen, wenn ich noch fit bin.“ Im September wird ein neuer Kirchenvorstand gewählt, dann ohne die engagierte Streiterin für die Sache der Gemeinde und des Glaubens.

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