Konzert in Bebra heute Abend

Heinz Rudolf Kunze im Interview: „Ich hätte mich anders getauft“

Heinz-Rudolf Kunze, Pressefoto: Martin Huch/nh
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Heinz-Rudolf Kunze gastiert am Samstagabend in Bebra.

Der Liedermacher und Rock-Poet Heinz Rudolf Kunze gibt am Samstag ein Solo-Konzert im Bebraer Lokschuppen. Unser Redakteur Sascha Herrmann sprach vorab mit dem 63-Jährigen.

Herr Kunze, Ihre Verbindung nach Bad Hersfeld ist schon irgendwie eine Besondere. Kann man das so sagen?

Kunze: Wie meinen Sie das? Wegen Pfarrer Barthelmes und meiner Auftritte dort in der Kirche?

So ist es. Herr Barthelmes hat ja seinerzeit auch Ihre Biografie geschrieben.

Kunze: Das ist richtig. Aber Herr Barthelmes ist ja jetzt in Ruhestand und in die Schweiz ins Exil gegangen. Der Kontakt ist selten geworden.

Der Titel Ihrer Solo-Tour lautet: „Heinz Rudolf Kunze – wie der Name schon sagt.“ Was dürfen wir denn von Heinz Rudolf Kunze in Bebra erwarten?

Kunze: Ich finde die Überschrift und meinen Namen ziemlich lustig. Also, ich hätte mich nicht so getauft. Ich habe auch noch nie irgendwo einen Heinz Rudolf getroffen. Kurz gesagt: Hier kommt ein Typ mit Alleinstellungsmerkmal.

Und inhaltlich?

Kunze: Neben den Liedern wird es auch viele Sprechtexte geben. Musikalisch bin ich mit einem Flügel, drei Gitarren und einer Mundharmonika unterwegs. Wichtig: Es kommt nichts vom Band.

Liedermacher, Rock-Poet und Schriftsteller: Heinz Rudolf Kunze feiert 2020 sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Im Februar erscheint sein 39. Album. Samstag gastiert er mit seinem Solo-Programm in Bebra.

2020 wird ein stressiges Jahr für Sie. Neues Album, neues Buch, große Tour. Dazu 40-jähriges Bühnenjubiläum. Sind Sie eigentlich niemals des Schaffens müde?

Kunze: Nein, bislang nicht. Ich bin zwar manchmal morgens müde, aber das legt sich dann während des Tages. Die Lust am Formulieren und Komponieren ist bislang unverwüstlich. Toi, toi, toi.

Schreibblockade ist ein Fremdwort für Sie?

Kunze: Ein absolutes Fremdwort, wofür ich dem Schicksal sehr dankbar bin. Ich habe das bei einigen Kollegen miterlebt und weiß daher, wie furchtbar das sein muss. Ich habe eher das entgegengesetzte Problem, dass tausende Texte von mir in der Schublade vor sich hingammeln, die nie vertont worden sind. Da wird mir ganz schwindelig.

Sind Sie eigentlich lieber solo unterwegs oder mit der Band auf Tour?

Kunze: Das ist die klassische Journalistenfrage (lacht).

Okay, dann streichen wir die. Sie sind ein politischer Mensch, der die Dinge sagt, wie sie sind. Wie sehen Sie Deutschland am Ende des Jahres 2019?

Kunze: Ich mache mir größte Sorgen, wie es in diesem Land weitergehen soll. Mit einer SPD, die offenbar nichts Besseres zu tun hat, als sich selbst abzuschlachten. Mit einer AfD, die nichts machen muss als zu warten, dass ihr noch mehr unzufriedene Bürger zulaufen und ihr Kreuz rechts Außen machen. 

Ich sehe eine CDU, die geistig unterqualifiziert geführt wird und gar nicht weiß, was sie will, was sie soll, und was sie kann. Ich sehe eine Linkspartei, die in sich zerstritten ist. Und ich sehe die Grünen, die momentan vor Kraft kaum gehen können. Aber die riesige Probleme haben werden, all ihre Versprechen einzuhalten, falls sie an die Macht kämen und den Bundeskanzler stellen sollten.

Die Textzeile „Du wirst nie zu Hause sein, wenn Du keinen Gast, keine Freunde hast“ aus dem Titel „Aller Herren Länder“ kommt nach 20 Jahren aktueller daher denn je, oder?

Kunze: Ja klar. Wir brauchen doch auch Zuwanderung. Wer noch immer nicht begriffen hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, der hat doch den Schuss nicht gehört. Wir brauchen unbedingt junge, intelligente Leute – egal welcher Religion oder Hautfarbe, die mithelfen, dass unser Land nicht vor die Hunde geht. Wir schaffen es doch gar nicht mehr alleine.

„Der Prediger“ heißt die erste Single aus Ihrem neuen Album „Der Wahrheit die Ehre“. An was glauben Sie, Herr Kunze?

Kunze: Ich sympathisiere mit dem Glauben und habe eine Allianz mit dem lieben Gott. Aber so richtig gläubig bin ich nicht. Dafür zweifel ich an zu vielen Dingen. Aber ich habe nichts gegen Leute, die glauben und interessiere mich sehr für Religion.

Wer sich wie Sie musikalisch ständig neu erfindet, ist manchmal auch genervt von den alten Hits, die die Fans immer hören wollen. Richtig oder falsch?

Kunze: Gegenfrage: Glauben Sie, dass Klaus Meine jeden Abend Lust hat, zu pfeifen? Ich versuche nach fast 40 Jahren zwar immer mal was Neues, aber ich bin kein Chamäleon. Bei mir gibt es einen roten Faden, sonst wäre ich ja nicht ich. Die alten Hits haben mich ja zu dem gemacht, was ich bin und haben mir großen Erfolg beschert. Es wäre doch sehr undankbar, wenn ich meinen alten Hits gegenüber Vorbehalte hätte.

Stichwort alte Hits: Bringen Sie Marlow und das Foto von Mabel eigentlich mit nach Bebra?

Kunze: Das kann schon gut sein. Ich versuche immer, einen Bogen zu schlagen von meinem ersten Album bis heute. Ich weiß, was die Leute hören wollen und spiele ja nicht mit dem Rücken zum Publikum wie Miles Davis.

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