Holzskulptur entdeckt

Der Heilige Matthias war auf dem Dachboden des Museums versteckt

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Die Holzfigur des heiligen Matthias hat Gerhard Kraft, hier mit Museumsmitarbeiterin Leni Donceva,  auf einem Kriechboden des Bad Hersfelder Museums gefunden. Das vollständige Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuz oben rechts klicken. 

Eine spannende Entdeckung machte jetzt Gerhard Kraft auf dem Dachboden des Bad Hersfelder Museums: Er fand eine vermutlich mittelalterliche Holzskulptur.

Er war eingepackt in Zeitungspapier und lag unbeachtet zwischen Kartons und anderen vergessenen Exponaten in einem Kriechboden über der kleinen Kapelle im Bad Hersfelder Museum – bis er bei Aufräumungsarbeiten zufällig entdeckt und jetzt aus seiner Ecke hervorgeholt wurde.

Die Rede ist vom Apostel Matthias, beziehungsweise seiner aus Lindenholz gefertigten Statue, die vermutlich im 15. Jahrhundert geschnitzt wurde.

Wie die 128 Zentimeter große Matthias-Figur in ihr Museumsversteck gelangt ist, das hat jetzt der Bad Hersfelder Hobby-Archivar und -Historiker Gerhard Kraft erforscht.

Mit Blick in die Stiftsruine: Der Kriechboden über der Kapelle im Bad Hersfelder Museum. Hier war die Apostelfigur jahrzehntelang versteckt.

Eingewickelt war die Statue in Zeitungsseiten aus dem Jahr 1947. Eine Inventarnummer fand sich jedoch zunächst nicht. Erst beim Studium alter Inventarbücher wurde Kraft fündig. Demnach stammt die schon damals stark beschädigte und wurmstichige Figur aus der Kirche zu Burgwaldniel aus dem Ort Waldniel am Niederrhein. Nach Hersfeld kam sie offenbar 1926 als Geschenk des Medizinalrats Karl Ewers. Dieser war Arzt im Staatlichen Gesundheitsamt und wohnte erst in der Eichhofstraße, später in der Strese-mannallee. Ewers heiratete 1927 in Hersfeld, stammte aber aus Kempen, einem Ort nördlich von Waldniel.

Die dortige alte Kirche von 1475 wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen. Im 1883 fertiggestellten Neubau wurde auch die alte Matthias-Statue durch eine neue ersetzt.

Reinhold Schott, der für das Museum zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, kündigte an, nun eine Expertise für den Hersfelder Holz-Matthias erstellen zu lassen. Denn die Herkunft der ehemals bemalten Statue ist bisher ungeklärt. Ihr Alter schätzt Museumsmitarbeiterin Leni Donceva auf gut 500 Jahre, also auf die Zeit der Spätgotik.

Bertold Schmidt vom Förderkreis Museum ging dann noch einen Schritt weiter und stellte die Restaurierung des Kunstwerks in Aussicht. In bewährter Art und Weise würden sich Förderkreis und die Stadt in die Kosten teilen.

Von Karl Schönholtz

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