Bürgermeister Fehling "stinksauer"

Haus in der Unteren Frauenstraße droht einzustürzen: Das sagt die Stadt dazu

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In der Unteren Frauenstraße in Bad Hersfeld soll ein Haus kurz vor dem Einsturz stehen.

Bad Hersfeld. In der Unteren Frauenstraße in Bad Hersfeld droht offenbar ein Haus einzustürzen. Jetzt hat sich dazu auch Bürgermeister Fehling geäußert. Er ist "stinksauer".

Aktualisiert Mittwoch um 12.40 Uhr - Das Fachwerkhaus war bei Abrissarbeiten an einem benachbarten Gebäude beschädigt worden. Die Fassade wölbte sich bereits vor. Ein besorgter Anwohner hatte am Dienstagabend die Polizei alarmiert, weil er fürchtete, dass das weitere Gebäude oder auch Fußgänger in Gefahr sind. Ein Mitarbeiter des Bauamts war ebenfalls vor Ort. Es sollte geprüft werden, ob das THW das Haus abstützen muss.

Die Untere Frauenstraße ist seit Dienstag im Bereich zwischen Hinterem Steingraben und Kaplansgasse gesperrt, eine Umleitung ist ausgeschildert. Die Sperrung soll so schnell wie möglich wieder entfernt werden, wird voraussichtlich aber auch noch in der nächsten Woche Bestand haben.

Das benachbarte Haus sollte aktuell von einer Fachfirma abgetragen werden. Ein Bagger steht noch an Ort und Stelle.

Hier befindet sich die Untere Frauenstraße in Bad Hersfeld

Bürgermeister Fehling äußert deutliche Kritik

Bürgermeister Thomas Fehling wurde ungewöhnlich deutlich: „Ich bin stinksauer. Natürlich kann auf einer Baustelle immer mal etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber jetzt ein zweites Mal an gleicher Stelle? Angesichts unserer weiteren Erfahrungen mit dem Investor und seinen Firmen kann ich an eine Verkettung unglücklicher Umstände hier nicht mehr glauben. Da kommen mir ganz andere Vokabeln in den Sinn. Diese neuerliche Missachtung von vertraglichen Absprachen und behördlichen Anordnungen werden wir hart sanktionieren.“

Fehling weiter: „Ich kann mich bei den Anliegern in der Unteren Frauenstraße nur entschuldigen, die wegen des Fehlverhaltens Dritter nicht nur jede Menge Einschränkungen und Belästigungen ertragen müssen. Die Sicherheit von eigenem Leib und Leben und ihrer Gebäude wird durch diese vermeintlichen Unfälle aufs Spiel gesetzt.“

Während für das Nachbargebäude Untere Frauenstraße 26 ein (mittlerweile erfolgter) Abriss mit zukünftigem Neubau geplant ist, sollte das in Frage stehende Gebäude Hausnummer 28 wegen seines denkmalpflegerischen Wertes saniert und in die städtebauliche Situation eingebunden werden.

Dies ist seit Dienstag nicht mehr möglich. Bauherr und Investor müssen nun die Planungen überarbeiten und, nicht nur im Hinblick auf den Hessentag im Juni, mit der Stadt abstimmen.

Das sagt die Stadt laut Pressemitteilung

Folgende Pressemeldung hat die Stadt Bad Hersfeld am Mittwoch verbreitet. Wir dokumentieren im Wortlaut:

"Am gestrigen Nachmittag sind im Gebäude Untere Frauenstraße Nr. 28 erneut Gebäudeteile eingestürzt. Bei Stützarbeiten in der Baustelle sind Teile der vorderen Fassade auf die Straße gefallen. Einen ähnlichen Vorfall hat es in dem Sanierungsobjekt bereits im letzten Jahr gegeben.

Gestern (Dientagsabend) wurde in einer Notmaßnahme von Bauaufsicht und Technischem Hilfswerk (THW) das Gebäude begutachtet und gesichert. Derzeit besteht keine unmittelbare Gefahr für die Anlieger und die benachbarten Gebäude.

Auf einem Ortstermin am heutigen Tag mit der städtischen Bauaufsicht, dem Bauherren und der Baufirma wurde deutlich, dass das Gebäude in diesem Zustand nicht mehr erhalten werden kann.

Zunächst werden bis zum Freitag das erste und zweite Obergeschoss abgetragen; in der nächsten Woche ist dann ein geordneter Rückbau des restlichen Gebäudes notwendig. Danach muss die Baustelle beräumt werden."

In der Unteren Frauenstraße in Bad Hersfeld soll ein Haus kurz vor dem Einsturz stehen. Die Straße wurde vorsorglich abgesperrt.

"Abbruchruine" erzürnt seit einigen Monaten Bürger und Politiker

Die bisherige "Abbruchruine" erzürnt schon seit einigen Monaten manche Bürger und Kommunalpolitiker. Im September hatte sich bei den Abrissarbeiten an der Unteren Frauenstraße eine Seitenwand ungeplant und unkontrolliert verabschiedete, weshalb das Technische Rathaus die Genehmigung für den Abriss noch erweitern musste. Außerdem mussten weitere Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden.

Die Fachwerkgebäude neben dem Raidt’schen Haus stehen eigentlich als Denkmäler unter Ensembleschutz und sollten kernsaniert werden. Das Problem ist, dass sich die Häuser mitunter gegenseitig stützen und auch mal eine gemeinsame Wand teilen, hieß es. So kann es beim Abriss durch fehlenden Gegendruck unversehens zu statischen Problemen kommen.

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