ZWISCHEN DEN ZEILEN

Hass, Freude und Hoffnung

In unserer Samstagskolumne geht es um Hass-Mails, interessante Gesprächspartner und die Bedeutung von Gedenktagen.

Schockiert und fassungslos haben auch wir in der HZ-Redaktion auf die perfide und widerliche Drohmail gegen unseren Bundestagsabgeordneten Michael Roth reagiert. Mir fehlen die Worte, um diesen ungezügelten Hass, der hier einem demokratisch gewählten Volksvertreter entgegenschlägt, zu kommentieren. Unsere Solidarität in diesen schweren Stunden ist ihm und seinem Team natürlich sicher! Die Drohungen gegen Michael Roth sind aber kein Einzelfall. Auch andere Politiker, ja, selbst ehrenamtlich Engagierte, erfahren immer öfter Hass und Hetze. Wie soll das nur weitergehen?

Ich hatte in der vergangenen Woche die seltene Gelegenheit, mit dem Präsidenten des Landesamts für Verfassungsschutz Robert Schäfer ein Interview zu führen, das Sie nächste Woche in der HZ lesen können. Das Gespräch mit ihm hat mich beeindruckt, denn man merkte, wie ernst er seine Arbeit und vor allem den Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus nimmt. Doch auch jeder einzelne von uns ist gefordert, gerade jetzt Hass und Hetze entschlossen entgegenzutreten.

Deshalb sind auch Gedenktage wichtig – so wie der 9. November, der für uns Deutsche ein Trauer- und ein Freudentag zugleich ist. Wir erinnern an die Judenverfolgung, die auch in unserer Region furchtbare Spuren hinterlassen hat. Aber wir feiern auch den 30 Jahrestag des Mauerfalls. Für mich als West-Berliner – wie wohl für die meisten Menschen hier im ehemaligen Zonenrandgebiet – ist die Freude und Euphorie dieser Novembertage unvergesslich.

Ich war auch in diesem Jahr wieder mit Schülern der Geistalschule auf Point Alpha, um auch bei den Nachgeborenen die Erinnerung an den Wahnsinn der Teilung, aber auch an das Wunder der friedlichen Revolution wachzuhalten. Damals wurde bewiesen, dass auch ohne Gewalt der Lauf der Welt verändert werden kann. Die Erinnerung daran, macht Hoffnung, auch in schweren Zeiten. Gerade unsere Region hat vom Mauerfall bis heute enorm profitiert.

Viel Grund zum Feiern.

Heute beginnt in der City Galerie wieder die alljährliche literarische Veranstaltungsreihe „Bad Hersfeld liest ein Buch“. Im 30. Jahr nach dem Mauerfall beschäftigt sie sich mit Eugen Ruges Familien-, DDR- und Wenderoman „in Zeiten des abnehmenden Lichts“. Der Autor wird zum Abschlussabend am 28.11. nach Bad Hersfeld kommen. Mein Kollege Karl Schönholtz hatte schon jetzt Gelegenheit, Ruge in Berlin zu treffen und mit ihm über das besondere Verhältnis von Ossis und Wessis zu sprechen. Das Interview lesen Sie in unserer Montagsausgabe.

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