DIE WEITE WELT UND WIR Asbacher zog 2006 ins größte Land Südamerikas

Neues Zuhause fern der Heimat: Harald Nitz aus Asbach lebt in Südbrasilien

Das Selfie zeigt Harald Nitz mit seiner Ehefrau Karla und Tochter Viktoria. 
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Harald Nitz mit seiner Ehefrau Karla und Tochter Viktoria. Nitz‘ Frau ist Brasilianerin, seine Tochter wurde ebenfalls dort geboren.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg, die im Ausland leben, ihre Geschichte.

Asbach/Santo Amaro da Imperatriz in Santa Catarina - Dass er in dem größten Land Südamerikas einmal eine neue Heimat finden würde, hatte Harald Nitz bei seinem ersten Aufenthalt dort wohl noch nicht geahnt. Seit 2006 lebt der Asbacher inzwischen in Südbrasilien.

Nach dem Abitur an der Modellschule Obersberg (MSO) studierte der heute 49-Jährige in Dortmund Chemietechnik und nutzte Ende 1998 die Gelegenheit, über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein dreimonatiges Praktikum im Labor einer Universität in Brasilien zu absolvieren. In Brasilien seien damals viele Stellen angeboten worden. Viel Vorwissen über das Land, das damals kaum in den Medien präsent gewesen sei, habe er jedoch nicht gehabt, erinnert sich Nitz lachend. „Ich kannte nur Rio de Janeiro, São Paulo und ein paar berühmte Fußballspieler.“ Zur Vorbereitung besorgte sich der Asbacher eine Lernkassette Portugiesisch, wobei in seiner Gastfamilie dann zum Glück auch Deutsch gesprochen worden sei, denn mit Englisch wäre er damals nicht weitergekommen. Und auch heute noch werde nicht überall im Land Englisch gesprochen, berichtet er.

Nach dem Praktikum machte Nitz noch drei Wochen Urlaub in Brasilien, den Kontakt hielt er auch nach dem Uni-Abschluss 1999 aufrecht. Und wie das Leben manchmal so spielt, lernte der Asbacher Anfang 2000 in Bochum seine spätere Ehefrau Karla kennen – die, wie sich schnell herausstellte, aus – genau – Brasilien kommt.

Neues Zuhause im Süden Brasiliens: Das Bild zeigt das Zentrum der Stadt Santo Amaro da Imperatriz mit der katholischen Kirche in der Mitte. 

Im Oktober 2001 heirateten die beiden standesamtlich in Bad Hersfeld, zwischenzeitlich lebten sie in Kiel und Hannover, bis schließlich die Entscheidung fiel, den Schritt zu wagen und gemeinsam in Karlas Heimat zu ziehen. „Wir hatten noch keine Kinder und kein Eigenheim, meine Frau wollte gern zurück und ich wusste, was mich erwartet“, sagt Nitz rückblickend. Seine Auswanderung habe er bis heute nicht bereut. Im Gegenteil, Harald Nitz fühlt sich heimisch und hat derzeit keinen Grund, über eine Rückkehr nachzudenken. „Uns geht es gut hier, und ich vermisse wenig.“

Ihre in Brasilien geborene Tochter Viktoria ist inzwischen elf Jahre alt und Harald Nitz hat sich als Softwareentwickler selbstständig gemacht, nachdem er zuvor in verschiedenen Firmen angestellt war. Der 49-Jährige bietet unter anderem selbst entwickelte Buchhaltungssysteme für Arztpraxen und kleinere Kliniken sowie private Fußballschulen an. „In Brasilien ist die Selbstständigkeit viel verbreiteter als in Deutschland“, erklärt er, und die üblichen vier Wochen Urlaub würden meist am Stück im Januar genommen. Nitz Frau ist Ärztin mit eigener Praxis. Innerhalb der Familie wird sowohl Deutsch als auch Portugiesisch gesprochen – die Sprache beherrscht nun auch der Asbacher fließend.

Seit neun Jahren leben sie in einer Eigentumswohnung im Stadtkern von Santo Amaro da Imperatriz in Santa Catarina. Der Bundesstaat hat etwa sieben Millionen Einwohner, Santo Amaro da Imperatriz ist mit rund 25 000 Einwohnern eine eher ländliche und ruhigere Kleinstadt, wie Nitz erzählt. In Santa Catarina leben viele Deutschstämmige, die Großstadt Blumenau etwa ist bekannt wegen ihrer Fachwerkhäuser und ihres Oktoberfests. In Santo Amaro da Imperatriz gibt es seit sieben Jahren ein deutsches Brauhaus, was Nitz ganz besonders gut gefällt. Europäische Einflüsse, auch italienische und polnische, zeigen sich darüber hinaus bei den Nachnamen in der Region und den helleren Hauttönen als in anderen Teilen des Landes.

Den Großteil von Nitz’ Freundes- und Bekanntenkreis machen indes Einheimische aus. Auch durch die Tätigkeit seiner Frau und die Mitgliedschaft im örtlichen Rotary-Club habe man schnell Anschluss gefunden und Freundschaften geschlossen. Überhaupt käme man in Brasilien viel schneller und spontaner mit Fremden ins Gespräch, als er es in Deutschland erlebt habe.

Etwa 30 bis 40 Kilometer entfernt von Nitz’ Wohnort gibt es die nächsten schönen Strände – regelmäßige Strandausflüge am Wochenende gerade im von Dezember bis April andauernden Sommer gehören in Brasilien tatsächlich dazu. Ein eigenes Häuschen am Strand teilt sich Familie Nitz seit einiger Zeit mit Verwandten. Zurzeit ist allerdings Winter und morgens sind es mitunter keine zehn Grad.

Strandbesuche gehören im Sommer dazu: Hier der Strand in Florianópolis.

Als deutscher Staatsbürger, der mit einer Brasilianerin verheiratet ist, hat Harald Nitz ein „Dauervisum“, einen „Ausweis für Ausländer“, er zahlt Steuern et cetera. Nur wählen oder ein öffentliches Amt bekleiden kann er in dem südamerikanischen Land nicht. Gerade der Süden stehe wirtschaftlich gut dar, so Nitz, der von einer guten Organisation und mit Blick auf die Straßen und die Stromversorgung einer intakten Infrastruktur spricht. Wobei ein Stromausfall pro Monat durchaus normal und eigentlich gar nicht weiter erwähnenswert sei.

Etwa einmal im Jahr ist Nitz noch in Deutschland und besucht die Familie. In Bad Hersfeld ist der Wahl-Brasilianer zuletzt vor zwei Jahren gewesen. Der nächste Flughafen befindet sich in Florianópolis, ohne Zwischenlandung in Rio de Janeiro oder São Paulo geht es aber noch nicht nach Europa. Etwa elf Stunden dauert der Flug von São Paulo nach Frankfurt.

Von seiner neuen Heimat hat der 49-Jährige, der ohnehin gern reist, in 14 Jahren zwar einiges gesehen, bei Weitem aber nicht alles. Kein Wunder bei einer Fläche von rund 8,5 Millionen Quadratkilometern. (Nadine Maaz)

Das größte Land Südamerikas

Brasilien ist der Fläche nach (rund 8,5 Millionen Quadratkilometer) der fünftgrößte und mit über 200 Millionen Einwohnern der Bevölkerung nach der sechstgrößte Staat der Welt. Das Land ist das größte in Südamerika, von dessen Fläche es immerhin fast 50 Prozent einnimmt.

Der offizielle Ländername lautet: Föderative Republik Brasilien, Regierungsform: Präsidiale Bundesrepublik. Bis auf Chile und Ecuador hat Brasilien mit jedem anderen südamerikanischen Staat eine gemeinsame Grenze. Die Landschaft ist von tropischen Regenwäldern des Amazonas-Tieflands im Norden und Hochebenen sowie Hügeln und Gebirgen im Süden geprägt. Der wichtigste Fluss ist der Amazonas. Amtssprache ist Portugiesisch, Hauptstadt Brasília. (Quelle: Wikipedia)

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