Zwölf Berufe betroffen

Handwerker in Waldhessen begrüßen Rückkehr zur Meisterpflicht 

Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Handwerker im Kreis Hersfelde-Rotenburg begrüßen die Meisterpflicht.

Für zwölf Handwerksberufe gilt seit Beginn dieses Jahres wieder die Meisterpflicht für alle, die sich selbstständig machen wollen. 

Das hatte der Bundestag beschlossen. 2004 war die Handwerksordnung geändert worden – 53 von 130 Berufen waren für zulassungsfrei erklärt worden. Für Hans-Wilhelm Saal, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg, ist die Rückbesinnung auf die Meisterpflicht ein wichtiger und richtiger Schritt, der die Qualität von Arbeit und Ausbildung garantiere. 

„Die Meisterpflicht sorgt dafür, dass sich nicht jeder Geselle ohne Weiteres selbstständig machen kann“, erläutert Saal. „Natürlich machen erfahrene Gesellen ihre Arbeit exzellent. Aber es gibt eben auch solche, die in einem Betrieb nicht unterkommen – weil ihre Arbeit eben nicht immer fehlerfrei ist. Die konnten sich bislang einfach selbstständig machen.“ Wer aber einen Betrieb führe, der solle erstklassige Arbeit anbieten.

Er führt das Beispiel der Fliesenleger an, die zur Meisterpflicht zurückkehren (siehe Hintergrund). „Ein Argument dort lautete, dass Fliesenleger mit Chemikalien, also sicherheitsrelevanten Stoffen, umgehen. Klar ist aber auch, dass am Bau fachlich erstklassige Arbeit unabdingbar ist.“ Ohne die Meisterpflicht habe es plötzlich im Kreis viermal so viele Fliesenlegerbetriebe wie vorher gegeben, aber es sei nur noch halb so viel ausgebildet worden.

Saal erklärt auch, warum Orgelbauer und Stuckateure zur Meisterpflicht zurückkehren, obwohl es nur noch sehr wenige solcher Betriebe gibt: „Das sind Gewerke, die als kulturelles Erbe gelten. Da soll nicht einfach jeder eine Firma gründen und an einer wertvollen Orgel herumschrauben dürfen.“ Stefan Sauer stimmt ihm zu. Der Obermeister der Innung für Farbe und Raumgestaltung, der selbst einen Malerbetrieb in Nentershausen führt, verweist auf Ein-Mann-Betriebe, die nach Abschaffung der Meisterpflicht wie Pilze aus dem Boden geschossen seien und dadurch ganz anders kalkulieren konnten. „Wenn ich meine Angestellten vernünftig bezahlen will und obendrein gute Arbeit leiste, dann muss ich einfach bestimmte Preise nehmen“, argumentiert Sauer.

All das kommt, so Hans-Wilhelm Saal, in fünf Jahren auf den Prüfstand. Der Zentralverband des deutschen Handwerks analysiere dann die Effekte der aktuellen Gesetzesänderung und bessere auch gegebenenfalls nach.

Überblick: 

Die Änderung der Handwerksordnung gilt laut Mitteilung der Bundesregierung ab 2020 für Fliesen-, Platten- und Mo-saikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Raumausstatter, Glasveredler, Orgel- und Harmoniumbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller. Bestehende Betriebe sind von dieser Regelung nicht betroffen. 

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