Verhandlung wurde fortgesetzt

Prozess um Vergewaltigung: Gutachter bestätigt Glaubhaftigkeit der Zeugin

Im Prozess gegen einen 29-Jährigen, der seine 26-jährige Ex-Freundin vergewaltigt haben soll, wurden zahlreiche Zeugen und ein Sachverständiger gehört.

Bad Hersfeld – Wenn Aussage gegen Aussage steht, dann ist es für Außenstehende schwer zu beurteilen, was tatsächlich passiert ist. Deshalb hat das Schöffengericht unter Leitung von Richterin Christina Dern in dem Fall um eine mutmaßliche Vergewaltigung nicht nur die beiden Beteiligten gehört, sondern auch zahlreiche Zeugen und einen Sachverständigen, der die Glaubhaftigkeit der jungen Frau untersucht hatte.

Klar ist, dass es in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2018 eine sexuelle Begegnung des heute 29 Jahre alten Angeklagten mit seiner 26-jährigen Ex-Freundin gab und dass die beiden vorher eine Auseinandersetzung wegen der einige Monate zuvor vollzogenen Trennung und angeblichen Männerkontakten der jungen Frau hatten.

Doch während der Angeklagte von einvernehmlichem Sex mit gegenseitiger Befriedigung sprach, beschrieb die Zeugin, wie sie gegen ihren Willen und unter Beschimpfungen zum Sex gezwungen wurde.

Die Aussagen ihres Vaters und dessen Frau bestätigten nun die Angaben der jungen Frau, dass ihr kleiner Sohn an diesem Abend nicht zu Hause war, sondern bei den Großeltern übernachtete. Der Angeklagte hatte wortreich das Zusammentreffen mit dem Kind geschildert.

Eine Zeugin aus dem Freundeskreis des Angeklagten berichtete von einer Videoaufnahme vom März 2018, die einvernehmlichen Sex zwischen den beiden Protagonisten zeige. Hier hatte die Zeugin ausgesagt, dieser Geschlechtsverkehr habe ebenfalls gegen ihren Willen stattgefunden, auch wenn sie das nicht explizit gesagt habe.

Ein weiterer Zeuge erzählte von einem – inzwischen gelöschten – Chat, in dem ein gemeinsamer Bekannter mitgeteilt habe, man wolle den Angeklagten nun „in die Pfanne hauen“. Er selbst bezeichnete den Angeklagten als „herzensgruten Menschen und verrücktes Kerlchen“, der so etwas wie eine Vergewaligung nie machen würde.

Keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der 26-Jährigen hatte Dr. Peter Jochen Kudlacek, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der die junge Frau im Auftrag des Gerichts begutachtete. Er schilderte ihre persönliche und sexuelle Entwicklung als unauffällig. Sie habe mehrere Beziehungen gehabt, sei aber dem jeweiligen Partner immer treu gewesen. Als Jugendliche habe sie zwar Drogen konsumiert, doch damit während der Schwangerschaft aufgehört und seitdem nicht mehr angefangen. Ihre Aussagen seien komplex und mit Emotionen verknüpft gewesen, es gebe keinerlei Anhaltspunkte für eine Falschaussage oder den Wunsch, dem Angeklagten zu schaden.

Aus all den Aussagen muss das Gericht sich nun ein Urteil bilden. Am Freitag soll es fallen, nachdem Staatsanwältin Sarah Lomb, Nebenklagevertreterin Daniela Morbach und Verteidiger Gunter Müller plädiert haben. (Von Christine Zacharias)

Rubriklistenbild: © David Ebener/dpa

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